Eingerüstet: In diesen Tagen beginnt die Sanierung der Außenfassade der rund 100 Jahre alten Markthalle. Die Maler werden ab nächster Woche die Fenster aufbereiten und Teile der Fassade streichen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Eingerüstet: In diesen Tagen beginnt die Sanierung der Außenfassade der rund 100 Jahre alten Markthalle. Die Maler werden ab nächster Woche die Fenster aufbereiten und Teile der Fassade streichen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Händler sind nur schwer für die neue Markthalle zu gewinnen

Interesse an Gastronomie- und Manufakturständen nun zufriedenstellend. Die klassischen Wochenmarkt-Beschicker sind aber nach Meinung der Pro Herford noch zu zurückhaltend

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Die Pro Herford ist als Betreiberin der Markthalle mit den sogenannten „Interessensbekundungen" für Stände in den Bereichen „Direktverzehr und Manufakturen" nach der Verlängerung der Frist bis zum 9. Mai nun zufrieden. Das teilte die Stadtmarketingagentur jetzt mit. Ganz anders sieht es mit dem Interesse klassischer Wochenmarkthändler an einem Stand in der Halle aus. Die Halle soll nach Umbau und Sanierung für fünf Millionen Euro in neuer Gestalt im März 2019 als eigentlicher Magnet des Marktes wieder eröffnet werden. „Da brauchen wir noch mehr Enthusiasmus der Händler, die ja selbst auch ein neues Konzept gefordert haben", sagt Pro-Herford-Chef Frank Hölscher auf Nachfrage. Aktuell liegen 32 Interessenten zur Auswahl vor. Damit seien 12 weitere gewonnen worden. „Im Bereich Direktverzehr und Manufakturen können wir nun mit der Bestückung in der Halle starten", sagt Geschäftsführer Frank Hölscher. Insgesamt können in diesem Bereich bis zu 17 Standplätze vergeben werden. Die Ergebnisse der Auswertung nach Sortimenten will die Pro Herford Ende Juni veröffentlichen. Sie will auf weitere mögliche Anbieter zugehen – auch überregional. Bisheriges Interesse sei "nicht befriedigend" „Als nicht befriedigend" bezeichnet Hölscher das mangelnde Interesse der klassischen Wochenmarkthändler an der Halle. Trotz vieler Gespräche und Angebote hätten sich viele zurückhaltend gezeigt. Zwölf Stände könnten vergeben werden. Für Montag, 28. Mai, sind daher die derzeitigen Außenmarkt-Beschicker zu einer Versammlung eingeladen. Die Pro Herford will wissen, woher die Zurückhaltung rührt und wie die Haltung verändert werden kann. „Ungewissheit, wie die Halle angenommen wird, und Sorge um höhere Gebühren müssen wir aus dem Weg räumen und im Zweifel das Risiko für langjährige Partner des Marktes reduzieren", kündigt Hölscher an. Bei den vorgesehenen Öffnungszeiten bis 19 Uhr sieht er Verhandlungsspielraum. Die Markttage Dienstag, Donnerstag, Freitag (zusätzlich) und Samstag sieht er nicht in der Diskussion. „Risiko für neue Anbieter von Obst und Gemüse nicht groß" Aktuell möchten nach seinen Angaben viele Innenmarktbeschicker, die für die Umbauzeit ins Freie gegangen sind, auf dem Platz bleiben. Andererseits bezeichneten Händler, die ihre Stände in der Halle betreiben wollen, den Außenmarkt als Konkurrenz für die Markthalle und plädierten für die Aufgabe des Außenmarktes. Der Außenmarkt dürfe aber nicht als Konkurrenz zum Innenmarkt gesehen werden, meint Hölscher. Vielmehr müssten sich beide Märkte ergänzen. Im Focus stehe aber derzeit der Innenmarkt. Man bemühe sich, Anbieter für Wochenmarktsortimente wie Tee und Gewürze zu gewinnen. Anfang Juli / Ende August sollen die Verträge mit den Partnern für den Direktverzehrbereich geschlossen werden. Für den Wochenmarktbereich seien Abschlüsse bis September/Oktober denkbar, weil in diesem Bereich festeingebaute Stände warenunabhängig installiert werden. "Interessant für Leute, die zweites Standbein suchen" „Marktbeschicker wachsen nicht auf den Bäumen", sagt auf Nachfrage Nils Thenhaus, der auf dem Markt Geflügel verkauft. Gerade im Kreis Herford gebe es nicht so viele direktvermarktende Bauern, die in Frage kämen. Er glaubt aber, dass die Halle interessant sein könne für Leute, die ein zweites Standbein suchten. Das Risiko sei insbesondere für Anbieter von Obst und Gemüse nicht groß, weil die Ausstattung gestellt werde: „Da ist man schnell startklar". Die Öffnungszeit bis 19 Uhr scheint ihm zu lang: „Das kann ein Direktvermarkter, der morgens früh kommt, gar nicht leisten." Daher sei es gut, dass die Bereiche für Gastronomie und klassische Beschicker optisch zu trennen seien. Er selbst will mit im Freien bleiben: „Mein Fahrzeug ist so teuer, das kann ich nicht in der Garage stehen lassen." Auch vier Tage sind für ihn zu viel, da er noch andere Markt-Verpflichtungen hat. Für die Halle ist ihm wichtig, dass die Anbieter auch hier einen hohe Qualität erfüllen und keine Lückenbüßer eingesetzt werden. Auch Gemüsebauer Bernd Reinkensmeyer will weiter im Freien aus seinem Wagen verkaufen. Nach seiner Meinung funktioniert ein Innenmarkt nicht ohne Außenmarkt.

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