Lernen im Grünen: Lajana Kocis (v. l.), Calvin Schröder und Timo Rozkwitalski haben es sich hinter der Mensa bequem gemacht und machen ihre Hausaufgaben. - © Isabelle Helmke
Lernen im Grünen: Lajana Kocis (v. l.), Calvin Schröder und Timo Rozkwitalski haben es sich hinter der Mensa bequem gemacht und machen ihre Hausaufgaben. | © Isabelle Helmke

Herford Einblicke ins Herforder Campusleben

Mehr als 100 junge Leute von der Fachhochschule für Finanzen NRW studieren auf dem Bildungscampus

Isabelle Helmke

Herford. Feiern bis in die Morgenstunden und schlafen bis zum Mittagessen: Viele Leute stellen sich so das angeblich laue Studentenleben vor. Die Realität sieht anders aus, wie auch Lajana Kocis (20), Timo Rozkwitalski (19) und Calvin Schröder (20) wissen. Sie haben im Sommer ihr Studium an der Fachhochschule für Finanzen NRW (FHF) am Bildungscampus begonnen und geben einen Einblick in ihren Hochschulalltag. „Klar kann man lange feiern. Aber dann kann man auch nur kurz schlafen", sagt Schröder. Denn der Unterricht beginnt um 7.30 Uhr. Anders als an den Universitäten ist der Stundenplan an der FHF festgezurrt. Da außerdem Anwesenheitspflicht herrscht, darf man nicht unentschuldigt fehlen. Bis 13 Uhr finden die Lehrveranstaltungen statt, danach haben die Studierenden frei – theoretisch. „Wir bekommen Hausaufgaben auf. Das ist ein bisschen wie in der Schule", erklärt Schröder und schnappt sich ein dickes, mit Klebezetteln gespicktes Buch. Vor allem in der Klausurphase viel zu tun Bis 16 Uhr soll das zuvor Gelernte wiederholt werden, damit die Unterrichtsziele im vorgegebenen Zeitrahmen erfüllt werden können. Ob sie dafür die Räume des Bildungscampus nutzen, an den eigenen Schreibtisch gehen oder sich auf die Wiese setzen, ist den Studierenden selbst überlassen. „Manchmal ist man etwas eher fertig, aber dafür sitzt man an anderen Tagen wieder länger am Schreibtisch. Besonders in der Klausurphase", sagt Kocis. Die Studienordnung sieht einen Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen vor, so dass die Studierenden bereits erste praktische Erfahrungen sammeln können. Dafür müssen sie aber die Ziele während der Theorie erreichen. Insgesamt dauert das Studium drei Jahre. Speisekarte in der Mensa ist abwechslungsreich Frühstück, Mittagessen und sogar Abendbrot gibt es in der Mensa im ehemaligen Offizierskasino. „Das Essen ist im Vergleich zu anderen Uni-Mensen echt hochwertig", sagt Kocis. Mit zwei bis drei Hauptgerichten, von denen mindestens eines vegetarisch ist, ist die Speisekarte abwechslungsreich. „Wenn die Neuen im Sommer kommen, könnte es allerdings eng in dem Speisesaal werden", überlegt Rozkwitalski. Über dieses Problem hat auch die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEH) nachgedacht. „Wahrscheinlich wird es übergangsweise dann einen Zwei-Schichtenbetrieb geben", sagt Stadtplanerin Sarah Liebing-Rath. Langfristig soll ein zweiter Speisesaal eingerichtet werden. Spätestens am Abend geht es für Kocis, Rozkwitalski und Schröder in ihre jeweiligen Studentenheime. Kocis wohnt in einer Zweier-WG direkt auf dem Campus, Schröder und Rozkwitalski sind in eine WG an der Ulmenstraße gezogen. „Ich habe Freundinnen, die woanders studieren", berichtet Kocis.„Im Vergleich zu denen lebe ich beinahe schon luxuriös." Grundriss der WG ist etwas seltsam Da macht es auch nichts, dass der Grundriss der Wohnungen etwas seltsam ist. So muss Kocis etwa durch das Zimmer ihrer Mitbewohnerin, wenn sie ins Bad möchte. „Das ist schon etwas merkwürdig, aber wir verstehen uns sehr gut. Von daher ist das auch in Ordnung." Eingerichtet sind alle Zimmer mit einem Bett, einem Regal, einer Garderobe und einem Schreibtisch. „Mehr braucht man ja auch nicht", so Schröder. Die Wohnungen an der Ulmenstraße haben sogar einen eigenen Balkon. „Da sitzen wir abends nett zusammen", sagt Rozkwitalski. Mit knapp 120 Studierenden ist der Jahrgang überschaubar, die Studierenden kennen sich. „Man verschwindet nicht so in der Anonymität, wie das an anderen Hochschulen vielleicht der Fall ist", freut sich Kocis. Am Wochenende geht's meistens nach Hause Am Wochenende fahren die meisten Studierenden nach Hause. Vom Herforder Nachtleben haben sie daher bisher wenig mitbekommen. Unter der Woche unternehmen sie in ihrer Freizeit Ausflüge in die Innenstadt. „Wir kommen schnell in die Stadt und leben nicht so abgeschottet. Das gefällt mir am besten", sagt Kocis. Auch die Herforder Unternehmen reagieren auf die neuen Stadtbewohner und passen ihre Angebote an. So dürfen die Studierenden etwa jeden Dienstag ermäßigt in die Vorstellungen des Capitol Kino. Die Studierenden leben jetzt zum ersten Mal in ihren eigenen vier Wänden. „Natürlich wird man dadurch auch selbstständiger", sagt Calvin Schröder. Wenn die jungen Erwachsenen etwas an dem Campus verbessern könnten, würden sie sich Klimaanlagen in den Lehrsälen wünschen – und mehr Treffpunkte auf dem Außengelände. Im September kommen 320 neue Studierende an. Damit sie alle ein attraktives Freizeitangebot haben, möchte die SEH regelmäßig Veranstaltungen organisieren. So fand beispielsweise ein Nikolaus-Ball im Casino statt, für die Comedy-Veranstaltung mit Johnny Armstrong am Freitag, 8. Juni, hat es einen extra Ticketvorverkauf gegeben. „Wir sind immer offen für Ideen und Vorschläge", so Liebing-Rath.

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