Herford Mittwochrätsel Auflösung: Zwei Menschen starben in den Trümmern

Auflösung Mittwochrätsel: Beim Bombenangriff im März 1945 wurde das Jahrhunderte alte Fachwerkhaus Komturstraße 12 zerstört. Das Haus von Fleischermeister Reckendorf war damals von Familie Schmidt gepachtet

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Mittwochrätselfoto der vergangenen Woche, aufgenommen von Günter Stille im Jahr 1940, zeigte ein prächtiges Fachwerkhaus an der damaligen Komturstraße 12. Es wurde bei einem Bombenangriff im Jahr 1945 zerstört, der auch Menschenleben kostete. Heute zweigt an dieser Stelle die Klosterstraße von der Komturstraße ab. Der Sohn der Fotografen, Ulrich Stille, verwahrt das Foto in seinem Archiv: "Das Haus mit der Nr. 12 in der Komturstraße stammte aus dem Jahre 1542. Es gehörte dem Schlachtermeister F. Reckendorf. Mit seinem reich verzierten geschnitzten Giebel zählte es zu den schönsten historischen Fachwerkhäusern in Herford. Es wurde bei einem Luftangriff im Jahre 1945 zerstört, bei dem wohl auch das Friedrichs-Gymnasium, das hinter dem Haus jenseits der Bowerre lag, in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Großvater aus Aachen und Hausmädchen waren zu beklagen Leider ist von dem Haus nichts erhalten. Durch die Baulücke, die es hinterlassen hat, wurde Anfang der 1970er Jahre nach Zuschüttung der Bowerre und Abriss des Friedrichs-Gymnasiums mit seiner Turnhalle die neue Klosterstraße hinter dem ehemaligen Kaufhof zur Brüderstraße und zum Martinsgang geführt. In dem Fachwerkhaus an der Ecke Komturstraße/Klosterstraße, das den Krieg überstanden hat, befindet sich heute der Katholische Verband IN VIA für Frauen- und Mädchenarbeit." Marina Kremeyer erinnert sich: "Unsere Großeltern Anna und Walter Schmidt hatten dort ein Fleischereifachgeschäft. Gekühlt wurde die leicht verderbliche Ware mit großen Eisblöcken, die von der Brauerei in Sundern geliefert wurden. In den damals noch kalten Wintern fror der Brauteich zu und das dort gewonnene Eis konnte im Felsenkeller gelagert werden. Nach dem Tod von Walter Schmidt im Dezember 1941 führte unsere Großmutter das Geschäft alleine weiter. Am 3. März 1945, kurz vor Ende des Krieges, kam mit dem Bombenangriff die Katastrophe: Das Haus wurde total zerstört und in den Trümmern starb unser Großvater väterlicherseits, Hubert Braun, der aus Aachen evakuiert war. Auch das ebenfalls evakuierte Hausmädchen starb bei dem Angriff. Oma Anna baute dann nach dem Krieg in der Hämelinger Straße 9 ihr Geschäft wieder auf. Persönliche Erinnerungen haben wir natürlich nicht an das Haus, aber unsere Mutter hat immer wieder von dem tollen großen Garten erzählt, der hinter dem Haus bis an die Bowerre heranführte und in der man damals noch wunderbar baden konnte. Sogar ein Pferd gab es in diesem Garten! Besonders beeindruckt hat mich als Kind immer die Geschichte, dass Oma Anna mit dem Schweineblut aus der Schlachterei die Tomaten im Garten gedüngt hat, die daraufhin ganz besonders prächtig gediehen." Ein Stück Familiengeschichte Auch für Andreas Braun steht das Haus für ein Stück Familiengeschichte: "Meine Großeltern Anna und Walter Schmidt betrieben dort eine Schlachterei mit mehreren Filialen. Es wurde im Frühjahr 1945 bei einem Bombenangriff zerstört, bei dem mein Großvater väterlicherseits und ein Dienstmädchen ums Leben kamen. Aus den Schilderungen meiner Mutter war zu entnehmen, dass sie dort eine wunderschöne Kindheit verbracht hat. Das Grundstück reichte bis zur ehemaligen Bowerre. Hier konnten die Kinder und Jugendlichen unbeschwert spielen. Ein Balken mit Inschrift aus dem Giebel von 1542 war früher im Herforder Museum zu sehen." Der frühere Museumsleiter Dr. Rainer Pape nennt in "Herford in alten Ansichten 1" den Inhalt der Inschrift: "Wirff alle dein anliegen auf Godt deinen Hern, der wirdt dich versorgen und reichlichen ernern." Rita Frentrup weiß: "Anfang des 19. Jahrhunderts ist das Haus noch aufwendig renoviert worden." Manfred Brackhage schreibt: "1945 war wirklich vor meiner Zeit. Doch glaube ich die Straße zu kennen, da ich von der dort ansässigen Firma Leder-Kunst meine erste Lederhose (weiches grünes Glattleder, nicht das steife und raue Grauleder) bekam, auf die ich mächtig stolz war."

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