Symbol für den Sieg über Varus: Das Hermannsdenkmal steht in Hiddesen. Doch wo fand die Schlacht des Cheruskerfürsten wirklich statt? - © picture alliance / dpa
Symbol für den Sieg über Varus: Das Hermannsdenkmal steht in Hiddesen. Doch wo fand die Schlacht des Cheruskerfürsten wirklich statt? | © picture alliance / dpa

Bielefeld Bielefelder Forscher entdecken mögliche Hinweise auf Varusschlacht in OWL

Bielefelder Wissenschaftler haben mehrere römische Lager in Herford, Bad Salzuflen und Lage aufgespürt. Sie könnten auf die Varusschlacht hindeuten

Stefan Boes

Bielefeld. Was ist wirklich passiert, als im Jahr 9. n. Chr. 15.000 römische Krieger samt Hilfstruppen, Tross und ein paar Tausend Pferden und Maultieren in eine Schlacht im Teutoburger Wald zogen und gegen ein germanisches Heer unter der Führung Arminius’ eine vernichtende Niederlage erlitten? Die Frage, wie die Schlacht verlief, wann und wo sie sich ereignete, darüber herrscht auch nach mehr als 2.000 Jahren keine Klarheit. Wolfgang Schlüter, Initiator des Hermannslaufs, Jurist und Arminiusforscher, lässt diese Frage auch kurz vor seinem 84. Geburtstag noch keine Ruhe. Schlüter war viele Jahre als Rechtsanwalt und Professor an deutschen Universitäten tätig. Forscher in Sachen Arminius und Varus ist er bis heute. Forscher: Schlacht fand definitiv nicht in Kalkriese statt Schlüter ist Vorsitzender des Arminiusforschungsvereins in Bielefeld, der jetzt in dem Werk „Arminius in Flammen" neue Erkenntnisse zum Streit um die Varusschlacht und die römische Besatzung vorgelegt hat. Den Autoren nach lässt sich die These von Kalkriese im Osnabrücker Land als Gebiet der Varusschlacht endgültig nicht länger aufrechterhalten. Vielmehr haben die Forscher Erkenntnisse über mehrere umfangreiche römische Stützpunkte in OWL zutage gefördert – im buchstäblichen Sinn. Denn die Lagerstätten, die die Forscher in Bad Salzuflen, Herford und Lage vermutet haben, sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Erst dank neuer Technik fanden die Wissenschaftler, was sie bereits nach Ansicht der Luftbilder der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrttechnik vermutet hatten. "Neue Dimension der Erkenntnis" Schlüter spricht von einer neuen Dimension der Erkenntnis, die die Luftbilder und der Einsatz eines Bodenradargerätes vor Ort gebracht hätten. Bodenradare erlauben eine Charakterisierung des Untergrundes mit hochfrequenten elektromagnetischen Wellen. Vier sichere römische Stützpunkte hätten die Forscher dank dieser Technik ausfindig gemacht. So fanden sie in Hillewalsen, einem Ortsteil des Herforder Stadtteils Elverdissen, weiträumige römische Lager- und Wallgraben-Strukturen. Südlich von Bad Salzuflen, in Schötmar, fanden sich in einer alten Uferterrasse deutlich erkennbare Sperranlagen an der Werre. Lagerstrukturen fanden sich auch bei Lage. Sie sind zwar mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, jedoch sprechen ältere Anwohner noch von seltsam begehbaren „Kirchwegen", die längst der ackerbaulichen Intensivnutzung zum Opfer gefallen seien, wie es in dem Buch heißt. In der Knetterheide in Bad Salzuflen, dem vierten Fundort, fanden die Forscher Hinweise auf mehrere Sperranlagen, mit denen die Römer vielerorts ihren Machtbereich begrenzt haben. Dieser Ort, schreiben die Autoren, könnte Schauplatz eines Kampfgeschehens gewesen sein. Wie in Kalkriese flankieren Sperranlagen einen potenziellen Marschweg, der von Bad Salzuflen aus kommend in Richtung Hillewalsen führt. Die drei weiteren Orte lassen sich in eine römisch-militärische Lager- und Wegestruktur einbinden, so die Autoren. Weiträumiges Kampfgebiet vermutet Sind diese nachgewiesenen römischen Lager nun aber als Austragungsort der Schlacht im Teutoburger Wald zu werten? Und braucht OWL dann bald ein eigenes Museum rund um die Varusschlacht? „Ich halte es für müßig, das dramatische Geschehen örtlich einzukreisen. Die Lösung dieser Frage liegt für immer in den dunklen Wäldern Germaniens", schreibt Schlüter in seinem Buch. Er glaubt auch gar nicht an einen einzigen Schlachtort, sondern vielmehr an ein weiträumiges Kampfgebiet. Die jetzt entdeckten Spuren passen in das römische Lagersystem jener Zeit um die Jahrtausendwende, sagt Wolfgang Schlüter. Ob die Funde aber konkret auf das Jahr 9 n. Chr. zurückgehen, können die Forscher noch nicht sagen. Dazu seien weitere Tiefenuntersuchungen notwendig.

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