Invasiv: Der Kirschlorbeer ist in vielen Gärten zu sehen. Er wächst schnell und verdrängt heimische Arten. Insekten bietet er kaum Nahrung. - © Lena Henning
Invasiv: Der Kirschlorbeer ist in vielen Gärten zu sehen. Er wächst schnell und verdrängt heimische Arten. Insekten bietet er kaum Nahrung. | © Lena Henning

Herford Schädliche Pflanzenarten am Wellbrocker Weg - trotz Vorschrift

Invasive Pflanzen wie der Kirschlorbeer verdrängen heimische Arten - und bieten Insekten nur wenig Nahrung

Lena Henning

Herford. Das Bienensterben und der Rückgang der Insekten sind aktuell viel diskutierte Themen. Naturschützer betonen immer wieder, dass jeder Einzelne dagegen etwas in seinem eigenen Garten tun kann. Gut ist es, Arten zu pflanzen, die Insekten Schutz und Futter bieten – meistens sind das heimische Arten. Doch stattdessen sind in vielen Gärten Zypressen, Forsythien und Glanzmispel zu sehen, oder auch Rhododendron und Kirschlorbeer. „Der Weißdorn zum Beispiel ist super, da fühlen sich viele Arten wohl", sagt Christian Welling. Der Rentner war früher Gärtner und schätzt die Vielfalt an Pflanzen, die die Natur zu bieten hat. Umso mehr ärgert es ihn, wenn Menschen darauf überhaupt keinen Wert legen. „Viele kümmern sich einfach nicht", glaubt er. Vorschrift: Zwei Meter breiter Pflanzstreifen So wie im Neubaugebiet am Wellbrocker Weg. Um den Bau der Häuser gab es vor einigen Jahren viele Diskussionen. Im Bebauungsplan für das Gebiet „Wellbrocker Weg/Kornstraße, Teil 2" ist festgelegt, dass auf einigen Privatgrundstücken ein zwei Meter breiter Pflanzstreifen angelegt werden muss. Aus „ökologischen Gründen" sei bei der Erstellung des Bebauungsplans entschieden worden, dass auf diesem Streifen einheimische Pflanzen vorgesehen seien, heißt es von der Stadt Herford. Der Plan sieht eine Liste von Sträuchern vor, aus denen die Eigentümer auswählen können; darunter Haselnuss, Hainbuche, Weißdorn oder Schlehe. Daran hätten sich aber nicht alle Hauseigentümer gehalten, deren Grundstücke an die große Ackerfläche zwischen Wellbrocker Weg, Kornstraße und Im Weizenfeld grenzen, hat Christian Welling festgestellt. „Manche haben die Flächen versiegelt, da wächst gar nichts", sagt er. Andere haben Rasen gepflanzt – auch der nützt Insekten nicht und fördert keine Artenvielfalt. "Kirschlorbeer ist billig und wächst schnell" Ein anderer hat Kirschlorbeer gepflanzt. „Der steht auf der schwarzen Liste invasiver Arten", sagt der Gartenexperte. Invasive Arten sind so aggressiv, dass sie das Wachstum heimischer Pflanzen unterdrücken und diese verdrängen. „Aber Kirschlorbeer ist eben billig und wächst schnell", sagt Welling. Unwissenheit oder Desinteresse – woran es liegt, dass so wenige Menschen auf einheimische Pflanzenarten in ihrem Garten setzen, weiß er nicht. „Aber wenn es schon so eine Vorschrift vonseiten der Stadt gibt, dann sollte man sich doch dran halten", findet er. Die Stadt Herford weist darauf hin, dass die Eigentümer im Zuge des Bauvorhabens „in der Regel auch die Inhalte des Bebauungsplans kennen". Zudem mache sie in Beratungsgesprächen mit Architekten und Bauherren darauf aufmerksam. Allerdings gehe die Behörde „mit Augenmaß vor, da gerade die Gartengestaltung auch erst mit der Zeit und mit viel Eigenleistung entsteht". Wenn es tatsächlich vorkommen sollte, dass die Gestaltung eines Gartens komplett den ökologischen Zielen widerspreche, schreite die Stadt auch ein, sagt Pressesprecherin Susanne Körner. Sie macht aber auch deutlich: „Ansonsten beraten wir gerne, treten aber nicht als ,Gartenpolizei‘ auf." Das liege auch am fehlenden Personal.

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