Ensemble für Alte Musik Hamm-Wischerhöfen unter der Leitung von Claus Peter. - © Philipp Tenta
Ensemble für Alte Musik Hamm-Wischerhöfen unter der Leitung von Claus Peter. | © Philipp Tenta

Herford Ensemble für Alte Musik Hamm-Wischerhöfen spielt in der Johanniskirche

Zu Entdecken waren musikalische Schätze aus Spätrenaissance und Frühbarock

Philipp Tenta

Herford. Das Ensemble für Alte Musik Hamm-Wischerhöfen blickt auf eine über fünfzig Jahre lange Erfahrung mit der Wiederentdeckung weitgehend unbekannter Musik aus Renaissance und Frühbarock zurück. Die von Claus Peter gegründete alternative Schülerband, die jetzt in der Johanniskirche zu hören war, hat sich seit ihre Gründung immer wieder erneuert, ist dabei aber dem innovativen Geist der frühen Alten-Musik-Bewegung treu geblieben. Hier versuchen Musiker sich, mit der Sichtweise der damaligen Zeit, an eine lange vergessene Musik anzunähern. Wie es bei Musikern bis ins frühe 19. Jahrhundert Tradition war, sehen es die Mitglieder des Ensembles für Alte Musik aus Hamm als ihre Aufgabe an als vielseitige, komplette Musiker einsetzbar zu sein. So verwandelt sich die neunköpfige Gruppe von einem historischen Streicherensemble mit Gamben, Barockgeigen und Violoncello in einen vokalen Madrigalchor, um danach als Bläsergruppe mit Blockflöten und Renaissance-Posaune gehört zu werden. Sogar als vielleicht einmaliges Gemshornquartett waren die Musiker zu erleben. Respektvoller Umgang mit viel Fachwissen Die eigene Wandlungsfähigkeit verkommt dabei aber niemals zur Showeinlage, immer steht die gespielte Musik im Vordergrund. Man erlebte Musiker die sich in die aufgeführten Werke hineinhören, ihnen mit Fachwissen respektvoll begegnen und so viel heraus holen können. Niemand buhlt um den zweifelhaften Ruhm die am besten geölte Sopranstimme zu besitzen oder mit den virtuosesten Ornamenten glänzen zu können. Für ihr Konzert in Herford hatte das Ensemble für Alte Musik Komponisten aus dem Raum östlich der Oder im Gepäck. Ein Kulturraum der heute in einen weit entfernten Rand Europas entrückt scheint. Städte wie Königsberg oder Danzig fühlten sich im 17. Jahrhundert aber durchaus im Mittelpunkt des Kontinents. Die Namen der Komponisten die zwischen Oder und Memel ihren Wirkungskreis hatten, sind heute viel weniger bekannt als die ihrer Zeitgenossen aus England oder Italien, obwohl sie ihnen in Nichts nachstehen. Die Zuhörer erlebten eine Konzertstunde die einen in eine ferne aber doch sehr lebendige Kulturwelt eintauchen ließ. Die Herforder Johanniskirche bot den stilvoll, perfekten Rahmen für ein Eintauchen in die Welt des Frühbarocks.

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