Großes Interesse: Rund 100 Menschen aus den alevitischen Gemeinden, Politik und Gesellschaft sind zur Einweihung des alewitischen Grabfeldes auf dem Friedhof Zum Ewigen Frieden, darunter die Pfarrer Gerald Haringhaus für die katholische und Holger Kasfeld für die evangelische Kirche. Ufuk Cakir, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, erläutert die Wichtigkeit von Religions- und Meinungsfreiheit. Vural Ipek (r. hinter ihm) und die verhinderte Ulrike Erdogan hatten die Gespräche mit der Stadt geführt. - © Ralf Bittner
Großes Interesse: Rund 100 Menschen aus den alevitischen Gemeinden, Politik und Gesellschaft sind zur Einweihung des alewitischen Grabfeldes auf dem Friedhof Zum Ewigen Frieden, darunter die Pfarrer Gerald Haringhaus für die katholische und Holger Kasfeld für die evangelische Kirche. Ufuk Cakir, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, erläutert die Wichtigkeit von Religions- und Meinungsfreiheit. Vural Ipek (r. hinter ihm) und die verhinderte Ulrike Erdogan hatten die Gespräche mit der Stadt geführt. | © Ralf Bittner

Herford Erstes alevitisches Grabfeld in NRW eröffnet

Auf Anregung der in der Meydan-Plattform zusammengeschlossenen Alevitischen Gemeinden in OWL gibt es auf dem Friedhof "Ewiger Frieden" jetzt ein alevitisches Grabfeld

Ralf Bittner

Herford. "Das Licht möge uns erhellen und unser Wegweiser sein", sagte die alevitische geistliche Senay Malkoc, als sie bei der Einweihung des alevitischen Grabfeldes auf dem Friedhof Zum Ewigen Frieden drei Kerzen entzündete. Ein Stein mit der Aufschrift "Alevitisches Grabfeld" kennzeichnet die Fläche, die Platz für 70 Gräber bietet. Angeregt wurde die Einrichtung des Grabfeldes von der Meydan-Plattform, dem Dach von acht alevitschen Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe. Deren stellvertretender Vorsitzender, Vural Ipek, bedankte sich stellvertretend für die erkrankte Vorsitzende Ulrike Erdogan für Unterstützung der Stadt Herford bei der Einrichtung des Grabfeldes. Das ist für die Angehörigen der Alevitischen Gemeinden in OWL gedacht, das erste in Nordrhein-Westfalen und das dritte in Deutschland überhaupt. Entsprechend groß war über Bürgermeister Tim Kähler und Landrat Jürgen Müller hinaus das Interesse bei der Politik. Mit dem Bundestagsabgeordneten Stefan Schwartze und den Landtagsabgeordneten Christian Dahm, Angela Lück und Sigrid Beer betonten viele Redner die Bedeutung des Grabfeldes über die alevitischen Gemeinden hinaus. Ein Ort, an dem die Menschen über den Tod hinaus bleiben wollen, zeige, dass sie sich angenommen fühlten, sei Zeichen gelungener Integration. "Seit rund 60 Jahren leben Aleviten in Deutschland", sagte Ipek: "Die Menschen der ersten und zweiten Generation wollten noch in der Türkei begraben werden, für die Jüngeren ist Deutschland inzwischen so sehr Heimat, dass sie hier auch begraben werden wollen." Ufuk Cakir, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, betonte den weltoffenen, toleranten Charakter der Religion, die sich Werten der Humanität, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Pflege des Gemeinwesens verpflichtet fühle. Er blickte sorgenvoll in die Türkei, wo die Aleviten von einer "neuen Qualität der Repression" betroffen seien und lobte Deutschland als Land von Rede- und Religionsfreiheit und der Humanität, in dem aber die Stimmen der Inhumanität immer hörbarer würden. Diesen müsse in Parlamenten und außerparlamentarisch begegnet werden. Obwohl sich viele alevitische Gemeinden vielfältig gesellschaftlich engagieren, betonte er, dass die Alevitische Gemeinde Deutschland, die rund 270.000 der zwischen 600.000 und 800.000 in Deutschland lebenden Aleviten vertritt, eine der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland sei. Die Zahl der von der Meydan-Platform im OWL vertretenen Aleviten schätzte Seyit Vural vom Vorstand der Alevitischen Gemeinde Herford auf etwa 5.000 Menschen. Bisher sei das Alevitentum eine weitgehend schriftlose Religion, die zwar mit dem Islam verbunden ist, aber auch Eigenständiges entwickelt hat. "Das Alevitentum ist eine Religion, die den Schritt zur Akademisierung noch vollziehen muss", sagte Cakir, denn nur was hinterfragt werden dürfe, könne auch geglaubt werden. Unterstützung dafür gab es von Sigrid Beer (MdL), die sich einen Lehrstuhl für alevitische Theologie in Paderborn vorstellen kann, wo neben katholischer und evangelischer auch islamische Theologie angeboten wird. "Ihre Kultur ist Teil der deutschen Gesellschaft", sagte Kähler: "Jede Kultur braucht Orte für ihren Umgang mit Tod und Trauer." Ein Friedhof sei immer auch ein Zeichen, dass Menschen an einem Ort Wurzeln geschlagen haben. Daher hoffe er, das Grabfeld trage dazu bei, dass sich Aleviten stets willkommen fühlen.

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