Alte Schönheit: Der Westfälische Hof wird wieder zum Blickfang am Bergertor. Er hat sich seit 1890 kaum verändert. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Alte Schönheit: Der Westfälische Hof wird wieder zum Blickfang am Bergertor. Er hat sich seit 1890 kaum verändert. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Westfälischer Hof: Sanierung in viel Eigenarbeit

Im Herbst sollen die hochwertigen Eigentumswohnungen bezugsreif sein. Die Familie ist selbst schon eingezogen

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. „Die Liebe zu alten Gebäuden liegt mir wohl im Blut", sagt Markus Werner. Der 38-jährige Herforder hat das fast 130 Jahre alte, über die letzten Jahre heruntergekommene aber äußerlich kaum veränderte Haus Bergertorstraße 8-10 im Oktober 2014 gekauft. Werner saniert es seit Januar 2017 denkmalgerecht durch, im Herbst sollen die Arbeiten am Traditionshaus „Bracksiek/Westfälischer Hof" abgeschlossen sein. Sein Vater Martin Werner hat 2017 zur Erleichterung vieler Herforder das marode „Haus des Handwerks" gekauft. Dass er sich als anfänglicher Laie auf die Sanierung denkmalgeschützter Bauten in viel Eigenarbeitarbeit versteht, hatte der Bänker zuvor an einem prächtigen mittelalterlichen Gebäude am Marktplatz in Pirna an der Elbe und an seinem Haus an der Elverdisser Straße 26 bewiesen. Im Blut liegt Sohn Markus Werner wohl auch das Handwerkliche und der Umgang mit Geld. Die Kosten der Sanierung des Blickfangs am Bergertor schätzt er auf rund eine Million Euro. Nachdem die oberen Stockwerke des Baugerüsts abgebaut sind, lässt sich ahnen, welch ein Schmuckstück hier aufersteht, das von der Stadtsanierung der 1960er Jahre verschont worden war. Von Stadtsanierung der 1960er Jahre verschont geblieben „Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde und dass so viele bürokratische Hürden zu überwinden sind", sagt Markus Werner. „Viel Unterstützung gab es aber von Frau Lange von der Denkmalbehörde." Werner wurde 1980 in Herford geboren und besuchte die Geschwister-Scholl-Realschule. Der Vater arbeitete wie schon seine Mutter bei der Dresdner Bank und leistete nach der Wende in Dresden Aufbauhilfe. Die Familie folgte 1995. Markus Werner kehrte nach einem Jahr zurück und absolvierte eine Kfz-Mechaniker-Ausbildung, dann eine Bank-Ausbildung bei der Dresdener Bank in Bünde. Nebenher besuchte er die Kfz-Meisterschule und kaufte in Bünde ein Haus mit Werkstatt, in dem er den „Boxenstopp" eröffnete, den er noch immer mit einem Angestellten betreibt. „Der Charme des Altbaus gleicht alle Mühen aus" 2010 kaufte und sanierte Werner ein Haus an der Schlosserstraße. Vom Hauptberuf Bänker wechselte er 2011 ins Versicherungsgeschäft, als Dresdner- und Commerzbank fusionierten. Er übernahm eine Allianz-Agentur in Bad Oeynhausen, deren Geschäftsführer er bis heute ist. Zusammen mit Lebensgefährtin Mareen Goldbach, auch Bankerin und Versicherungsfachfrau, suchte er irgendwann abermals eine attraktive Immobilie und fand sie, als er das Haus Bergertorstraße 8-10 im Internet entdeckte. Es wurde 1890 erbaut und einige Jahre danach von Familie Bracksiek gekauft. Die betrieb hier, so verrät eine alte Postkarte, ein „Gast- und Logirhaus im Mittelpunkt der Stadt gelegen" und mit „steter Omnibus-Verbindung zu jedem Zuge". Links im Haus war eine Bäckerei, rechts neben der Gaststube, die Stammlokal vieler Vereine war, eine inzwischen zugemauerte Kutschendurchfahrt. Was über die letzten Jahrzehnte im Haus geschah, ist nachzulesen im NW-Mittwochrätsel vom 2.11.2017, in dem zahlreiche Leser ihren Erinnerungen nachgingen, so an die langen Nächte im Lokal der Zyprioten Panniko und George. „Auf George werden wir oft angesprochen", sagt Markus Werner. Als er das Haus kaufte, wohnten noch Mieter darin und ein Fußmassage-Salon und die Kneipe Yannis Pub waren in Betrieb. Sechs Eigentumswohnungen Auch Markus Werner war in Versuchung, wieder ein Restaurant mit Biergarten zu eröffnen. Doch die Hürden schienen zu hoch, auch angesichts der Zeit von zwei Jahren, die allein vergingen, bevor er von der Stadt ein kleines benachbartes Grundstück kaufen konnte, das er brauchte, um in diese Richtung Fenster einbauen und Parkplätze anlegen zu können. Nun werden es sechs Eigentumswohnungen, die nach Werners Erfahrung einfacher zu vermarkten sind, als große Wohnungen zu vermieten. Der Aufwand, den Werner betreiben musste, um das Haus denkmalgerecht auf die Höhe der Zeit zu bringen, ist groß. Fenster mussten in Original-Optik nachgebaut, Stahlträger in allen Etagen eingezogen, die Außenwände gedämmt, ein Fahrstuhl angebaut und Brandschutzauflagen durch entsprechende Deckenverkleidung erfüllt werden. Die Installation wurde und wird von Grund auf erneuert. Vorgebaute Balkone Richtung Werre auf der ruhigen Südseite sollen Lebensqualität schaffen. Solide Kaminöfen in allen Wohnungen helfen zudem, die hohen Räume zu beheizen. „Der Charme des Altbaus gleicht diese Mühen aus", sagt Werner, der umgeben von Baustelle mit seiner Lebensgefährtin und den Kindern Samira (12) und Bruno (2) die vorab ausgebaute, 270 Quadratmeter große Wohnung im zweiten Stock letzten Dezember bezogen hat.

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