Trommeln um Aufmerksamkeit: Barbara Rodi macht Musik vor dem Banner, das die Blicke der Passanten auf sich lenken soll. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Trommeln um Aufmerksamkeit: Barbara Rodi macht Musik vor dem Banner, das die Blicke der Passanten auf sich lenken soll. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Gedenkminute für die Opfer der Katastrophe von Fukushima

Atomkraftgegner rufen das Ereignis in Japan vor sieben Jahren und seine anhaltenden Folgen in Erinnerung

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Aus dem öffentlichen Bewusstsein ist sie fast verschwunden: die atomare Katastrophe im japanischen Fukushima, die vor sieben Jahren ihren Anfang nahm. Am 11. März 2011 hatte ein Erdbeben der Stärke 9,0 das Atomkraftwerk an der japanischen Küste erschüttert. Eine Tsunamiwelle überrollte das Kraftwerksgelände. Es kam zur Kernschmelze und die Region wurde atomar verseucht. Eine Gruppe Herforder Atomkraftgegner hat am Samstag auf dem Alten Markt daran erinnert und zu einer Gedenkminute aufgerufen. Dr. Winfried Eisenberg und Dr. Maria Hettenkofer von IPPNW (Ärzte gegen den Atomkrieg) informierten über Hintergründe. Für Maria Hettenkofer ist es unbegreiflich, dass in nur 200 Kilometern Entfernung zum Unglücksort im Jahr 2020 die Olympischen Sommerspiele stattfinden sollen. Denn die Strahlenwerte in der Region seien weiter gestiegen. Milliarden für Olympische Spiele - nichts für Anwohner Während der japanische Staat 10 Milliarden Euro zum Bau von Spielstätten bewilligt habe, lasse man 120.000 wegen des Unglücks aus ihrer Heimat geflohene Menschen weiterhin ohne Perspektive in Containern hausen: „Sie können nicht zurück, haben Krankheiten, Schlafstörungen und Depressionen und werden ohne finanzielle Unterstützung im Stich gelassen." Sie forderte, der Ablehnung eines Olympiade-Tourismus mit gefälschten Strahlenwerten Ausdruck zu verleihen. Winfrid Eisenberg konnte seine Rede nur schriftlich verteilen, da er gesundheitsbedingt nicht bei Stimme war. Er stellte dar, dass der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco Kunde der Uranfabriken Urenco in Gronau und Areva in Lingen sei: „Die Fukushima-Kernschmelzmassen enthalten in Deutschland gefertigten Kernbrennstoff." Diese vom deutschen Atomausstieg ausgesparten Fabriken belieferten nach wie vor die „Pannenreaktoren" Tihange und Doel in Belgien und Cattenom in Frankreich. Schon die Gewinnung von Uran führe bei den Bergleuten zu Lungen- und Bronchialkrebs. Die Rate der angeborenen Fehlbildungen in den Abbaugebieten sei dramatisch erhöht, Krebserkrankungen alltäglich. Der Kinderarzt im Ruhestand forderte, nicht nur die Atomkraftwerke abzuschalten, sondern die gesamte Atomwirtschaft zu beenden.

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