Der 35-Jährige ist für die Strafjustiz kein Unbekannter. - © Picture Alliance
Der 35-Jährige ist für die Strafjustiz kein Unbekannter. | © Picture Alliance

Herford/Detmold Ex-Vorsitzender des Herforder SV vorm Landgericht - Zweifel an Vorzeige-Vita

Berufung: Der 35-Jährige wehrte sich gegen 
eine Verurteilung wegen Betrugs

Jobst Lüdeking

Herford./Detmold. Das Landgericht in Detmold war am Donnerstagmorgen Schauplatz einer Berufungsverhandlung. Der Angeklagte ist in Herford kein Unbekannter: Es ist der ehemalige Kurzzeit-Vorsitzende des Herforder SV Borussia Friedenstal. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler – so seine eigenen Angaben – hatte sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts – sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung wegen Betrugs – gewehrt. Dem Urteil lag eine Anklage der Staatsanwaltschaft Detmold wegen unberechtigten Bezugs von Arbeitslosengeld zugrunde. Der 35-Jährige soll während des Bezugs des Geldes gearbeitet haben. Sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft, die eine härtere Strafe erreichen wollte, zogen gestern Morgen aber ihre Berufungen in dem rechtlich als schwierig geltenden Fall zurück. Ein Sprecher des Landgerichts Detmold bestätigte, dass es einen entsprechenden Berufungsfall gab, machte allerdings keine Angaben zur Person des Angeklagten. Der 35-Jährige galz kurzzeitig als Hoffnungsträger Der Lipper aber ist für die Strafjustiz kein Unbekannter. In die Öffentlichkeit hatte sich der 35-Jährige selbst katapultiert: Er war vor seinem Engagement in Herford auch für den Sportverein TBV Lemgo aktiv. Am 20. Februar war er überraschend zum neuen Vorsitzenden des Zweitliga-Clubs Herforder SV gewählt worden und galt kurzzeitig als Hoffnungsträger. Sein Bericht über sein Leben klang hervorragend: Doktortitel in Ökonomie, als Model für Joop und H&M gearbeitet, beruflich tätig für ein Bielefelder Unternehmen im Entertainmentbereich und fußballerisch für den SV Jerxen-Orbke und Borussia Dortmund in der A-Jugend und der 2. Mannschaft aktiv gewesen. Außerdem berichtete der Lemgoer darüber, mit welchen Marketingmitteln er den Club nach vorne bringen wolle. Erhebliche Zweifel an der Vorzeige-Vita Dann aber sickerten Informationen über seine Fähigkeiten durch, nach nur zehn Tagen trat der Mann zurück. Die Herforder haben deshalb mittlerweile erhebliche Zweifel an seiner Vorzeige-Vita. Der Lebenslauf des Lemgoers hat jetzt zumindest mit dem zehntägigen Vorsitz eines Fußballclubs der zweiten Frauen-Bundesliga etwas tatsächlich Greifbares vorzuweisen.

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