Rentner Richard Hollerbach ist herzkrank und auf sein Auto angewiesen. Das Sozialamt gewährt ihm keine finanzielle Unterstützung, wenn er den Wagen behalten will. - © Anastasia von Fugler
Rentner Richard Hollerbach ist herzkrank und auf sein Auto angewiesen. Das Sozialamt gewährt ihm keine finanzielle Unterstützung, wenn er den Wagen behalten will. | © Anastasia von Fugler

Herford Streit mit dem Sozialamt: Rente reicht nicht für die Pflegekosten

Rentner Richard Hollerbach ist zur Unterbringung seiner Frau in einer Pflegeeinrichtung auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen. Sie wird ihm jedoch verwehrt

Anastasia von Fugler

Herford. "Als ich vom Einkaufen zurück war, fand ich sie auf dem Boden. Eineinhalb Stunden lang lag sie wie ein Maikäfer auf dem Rücken und konnte sich nicht bewegen", erzählt Rentner Richard Hollerbach. Seit zwei Jahren pflegt der 67-Jährige rund um die Uhr seine Ehefrau in seiner 78 Quadratmeter großen Wohnung in Elverdissen. Selbst geplagt durch Bandscheibenvorfälle, einem Herzinfarkt mit drei Bypässen und einer Arthrose in Händen und Füßen, entschied er sich zu Beginn des Jahres seine Ehefrau in eine Pflegeeinrichtung zu geben. Und da fing seine Misere an. Die stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim kostet Geld - 3.500 Euro monatlich. Mit der Rente seiner Frau und dem Zuschuss von der Pflegekasse bleibt ein Anteil von 500 Euro, den Hollerbach selbst aufbringen müsste. "Geld, das ich nicht habe", sagt er. Von seinem Auto müsse er sich verabschieden Als der Rentner sich an das Sozialamt Herford wendet, sei ihm gleich im ersten Gespräch deutlich gemacht worden: Wenn er finanziell unterstützt werden möchte, müsse er sich von seiner Rente sowie von seinem Auto verabschieden. "Der Tonfall hat mir nicht gefallen. Ich bin ganz klein aus dem Gebäude gegangen, weil ich mich derart bloßgestellt und niedergemacht gefühlt habe", sagt der 67-Jährige. Er sei aufgefordert worden alle Kontoauszüge zusammenzusuchen, die aus dem Zeitraum der vergangenen zehn Jahre stammen. Auch andere Unterlagen aus der Zeit würden benötigt werden. Mit einer dicken roten Mappe erschien Hollerbach schließlich zum Termin. "Der Sachbearbeiter hat noch nicht einmal die Zahlen addiert. Er hat nur gesehen, dass ich einen Mercedes fahre und dann die Mappe wieder zugeklappt", sagt der Rentner. "Aber dass das Auto aus zweiter Hand stammt und kaum mehr etwas wert ist, das hat ihn nicht interessiert." Auch beim zweiten Termin, nachdem er den Wagen vom Autohaus hatte schätzen lassen und ein Attest vom Arzt erbrachte, dass er herzkrank und auf das Fahrzeug angewiesen sei, wollte ihm der Sachbearbeiter nicht entgegenkommen, so Hollerbach. Keine Stellungnahme vom Sozialamt Der zuständige Sachbearbeiter sowie der Abteilungsleiter des Sozialamts standen auf NW-Anfrage für keine Stellungnahme zu den Vorwürfen des Rentners zur Verfügung. Von der Heimleitung der Pflegeeinrichtung seiner Frau habe Hollerbach erfahren, dass das Sozialamt Geld zur Unterbringung beisteuert, wenn sein Gesamtvermögen 10.000 Euro nicht überschreitet. Und obwohl er sein Leben lang als Schlosser gearbeitet habe, reiche seine Rente nicht aus, um die zusätzlichen 500 Euro zu bezahlen. "Da werde ich selbst zum Sozialhilfeempfänger. Und das ist ja nicht Sinn der Sache", erklärt er. Jetzt pflegt er seine Frau wieder zuhause Eine günstigere Heimunterbringung komme für den Ehemann nicht in Frage: "Ich habe lange nach der passenden Einrichtung gesucht, bis ich zufrieden war. Ich wollte meine Frau in guten Händen wissen", sagt Hollerbach. Alleine stemmen könne er sie jedoch nicht. Und doch bleibt ihm nichts anderes übrig: Nach drei Wochen Aufenthalt im Heim musste Ehefrau Erika wieder zu Hause versorgt werden. Dreimal täglich kommt der häusliche Pflegedienst und kümmert sich um sie. Hollerbach: "Trotzdem bleibt ein Teil der Arbeit an mir hängen und ich weiß, ich kann nicht mehr."

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