Schleppschlauchverteiler: Das Güllefass verfügt, um die Last besser zu verteilen, über drei Achsen mit speziellen Niederdruckreifen. Das Substrat läuft aus dem Fass durch die Schläuche auf die Pflanzen. - © dpa
Schleppschlauchverteiler: Das Güllefass verfügt, um die Last besser zu verteilen, über drei Achsen mit speziellen Niederdruckreifen. Das Substrat läuft aus dem Fass durch die Schläuche auf die Pflanzen. | © dpa

Kreis Herford Wie Gülle ausgebracht werden darf

Mit dem Ende der Frostperiode bringen die Bauern flüssigen organischen Dünger auf den Feldern aus. Dafür gibt es allerdings feste Regeln

Jobst Lüdeking

Kreis Herford. Mit dem Ende der Frostperiode am Wochenende werden die Landwirte im Wittekindsland und in Bielefeld wieder verstärkt Gülle aus Schweine- oder Rinderställen und Gärsubstrat aus Biogasanlagen auf den Feldern ausbringen. „In den vergangenen Tagen war das wegen des durchgängigen Bodenfrostes nicht erlaubt", erklärt Werner Weingarz, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer in Herford und Minden-Lübbecke. Denn die Erde war steinhart gefroren, es hätte die Gefahr von Abschwemmungen bestanden. Erst wenn der Boden nachts oder früh morgens gefriert und dann im Tagesverlauf aber auch wieder auftaut – und der flüssige Dünger damit einsickern kann – dürfen organische Düngemittel ausgebracht werden. „Gülle und Gärsubstrat sind für uns wichtige organische Dünger", betont Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld. Sie enthalten neben Stickstoff Phosphat, Kali oder Spurennährstoffe (siehe Info-Kasten). Zurzeit dürfen die Landwirte insgesamt 60 Kilogramm Stickstoff pro 10.000 Quadratmeter ausbringen, mit Ende der Frostperiode dürfen allerdings höhere Düngergaben ausgebracht werden. Erlass der neuen Düngeverordnung Dabei schauen aber nicht nur Bürger oder die Ordnungsbehörden des Kreises den Landwirten zu: Die Landwirtschaftskammer ist als Fachbehörde für das Land NRW aktiv und kontrolliert. „Wir haben jährlich zehn bis zwölf Beschwerden", so Weingarz weiter. Auch nach Erlass der neuen Düngeverordnung, die seit Januar gilt, habe sich keine Veränderung eingestellt. Rund ein Drittel der auf die Beschwerden folgenden Prüfungen durch die Kammer – dabei gehe es um Verstöße gegen die Düngeverordnung – ende mit Sanktionen für die Landwirte. In anderen Fällen gehe es den Beschwerdeführern etwa um den Geruch. Der sei aber eine Sache der Ordnungsbehörden. Vielfach werde von den Beschwerdeführern aber auch von der Größe der Spezialfahrzeuge darauf geschlossen, dass zu viel Gärsubstrat oder Gülle ausgebracht werden. Das sei dann aber ein Fehlschluss. Mittlerweile haben die Geräte etwa computergesteuerte Pumpen, mehrere Achsen samt bodenschonender Spezialreifen mit wenig Druck oder satellitengesteuerte Lenksysteme, so Dedert. Außerdem ist mittelfristig eine Technik vorgeschrieben, bei der die Gülle „bodennah" ausgebracht wird – das sind etwa Schleppschlauchverteiler. So genannte Prallteller, bei denen der flüssige Dünger im hohen Bogen auf der Fläche verteilt wird, sind bereits in der absoluten Minderheit.

realisiert durch evolver group