Hilfsangebot: Beraterin Katharina Hondscha (l.) und Birgit Reiche, Leiterin von Theodora, ziehen Bilanz fürs Jahr 2017. - © Lena Henning
Hilfsangebot: Beraterin Katharina Hondscha (l.) und Birgit Reiche, Leiterin von Theodora, ziehen Bilanz fürs Jahr 2017. | © Lena Henning

Herford Beratung: Viele Fragen zum Prostituiertenschutzgesetz

Theodora: Die Beratungsstelle hat im vergangenen Jahr mehr als 140 Frauen betreut

Lena Henning

Herford. Die Arbeit der Beratungsstelle Theodora für Prostituierte stand zuletzt im Zeichen des neuen Prostituiertenschutzgesetzes. „Unsere Klientinnen hatten viele Fragen. Bis heute ist die Verunsicherung groß", sagt Birgit Reiche, Leiterin von Theodora. Seit 2011 beraten drei Mitarbeiterinnen in ganz OWL Frauen, die sexuelle Dienstleistungen anbieten. Sie unterstützen beim Ausstieg aus der Prostitution, helfen aber auch bei ganz praktischen Fragen. „Die Probleme, die die Frauen haben, sind vielfältig", sagt Beraterin Katharina Hondscha. Vielen Frauen fehlt eine Krankenversicherung. Oder sie benötigen eine Wohnung, haben Schulden oder brauchen Hilfe bei Behördengängen. Da die meisten Prostituierten aus Osteuropa, vor allem aus Bulgarien, kommen, sprechen die Mitarbeiterinnen von Theodora auch bulgarisch oder russisch. Sie versuchen, mit den Frauen in den Clubs, Bars oder Wohnungen, wo sie arbeiten, in Kontakt zu kommen. Kontakt zu mehr als 500 Prostituierten 82 bordellähnliche Betriebe und Wohnungen haben die Beraterinnen im vergangenen Jahr in OWL aufgesucht. Mit mehr als 500 Prostituierten haben sie so Kontakt aufgenommen, 27 Prozent davon im Kreis Herford. Rund 140 Frauen wurden intensiv betreut. „Wir wollen zunächst Vertrauen schaffen und verweisen die Frauen dann an weitere Beratungsstellen", sagt Hondscha. Für besonders viel Beratungsbedarf hat das Prostituiertenschutzgesetz gesorgt, das seit dem 1. Juli 2017 gilt. Es schreibt vor, dass sich Prostituierte anmelden und vom Gesundheitsamt beraten lassen müssen. „Sehr oft wurden uns Fragen zur Regulierung und Umsetzung des Gesetzes gestellt", sagt Reiche. Bei aller Kritik sei sie froh, dass die Anmeldung der Prostituierten zentralisiert für ganz OWL in Bielefeld geregelt sei. Dort seien Mitarbeiter nur für diesen Bereich zuständig und entsprechend gut ausgebildet. Viele Prostituierte hätten großes Misstrauen gegenüber Behörden. Die Anmeldung sei nicht anonym. Deshalb fürchteten beispielsweise Frauen, die Kinder haben, dass ihre Daten ans Jugendamt gegeben würden. Der Umgang mit dem Ordnungs- und Gesundheitsamt in Bielefeld sei aber gut. „Wir haben das Gefühl, dass sie die Frauen unterstützen und ihnen keine Steine in den Weg legen", sagt Reiche. Wie das Gesetz die Arbeit der Prostituierten tatsächlich verändern wird, werde sich erst in den nächsten Monaten zeigen.

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