Vorarbeit: Waldarbeiter Adrian Sorhage hat den Wurzelballen vom Stamm abgesägt. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Vorarbeit: Waldarbeiter Adrian Sorhage hat den Wurzelballen vom Stamm abgesägt. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Ab Samstag sind die Waldwege im Stuckenberg wieder frei

Waldarbeiter beseitigen die im Sturm Friederike auf die Wege gestürzten Bäume. Wo Holz abtransportiert wird, gibt es noch kurzfristige Sperrungen

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Orkan Friederike hat am 18. Januar im Stuckenberg auf 5 Hektar Fläche, das sind rund sieben Fußballfelder, Bäume umgeworfen. Noch einmal so viele Bäume sind als „Einzelwürfe" gefallen. Wirtschaftlich mag der Verlust von bis zu 20 Prozent des Bestandes für den Landesbetrieb Wald und Forst ein verheerender Schaden sein. „Eine ökologische Katastrophe ist es nicht", sagt Förster Carsten Bölts: „Man wundert sich über die enorme Regenerationskraft des Waldes. Wo wieder Licht ist, ist auch Leben." Dem Orkan zum Opfer gefallen sind überwiegend Fichten, die vor 70 Jahren als schnell wachsendes Bauholz gepflanzt wurden. Der Stuckenberg musste nach dem Krieg als Reparationsleistung abgeholzt werden. Bölts ersetzt die Nadelbäume durch sogenannte „Lichtbaumarten". Das sind Ahorn, Kirsche und Eiche, die auch auf freien Flächen gedeihen. Der Platzhirsch Buche mag in jungen Jahren lieber Halbschatten, bevor er nach Jahrzehnten durchstartet und die anderen Bäume in den Vollschatten stellt. Bevor Bölts und seine Waldarbeiter aber Bäume nachpflanzen, warten sie ein bis zwei Jahre ab, „was die Natur selber schafft." Bis zum Wochenende noch Lebensgefahr Jetzt heißt es aufräumen im Stuckenberg, denn der Wald war lange genug für Fußgänger gesperrt. „Wir wollen die Besucher ja nicht aus dem Wald drängen", sagt Bölts. Doch bis zum Wochenende besteht noch Lebensgefahr durch herabstürzende Äste und Bäume, die angeschlagen sind und gerade bei nachlassendem Frost schon von einem Windhauch umgelegt werden. Warum sind die Wege nicht schon längst freigemacht worden? Der Förster steckt in einem zeitlichen Korsett, das bestimmt ist von der Verfügbarkeit von Menschen, Holzerntemaschinen und Holztransportern, von der Kapazität der Sägewerke und ihrer Holztrockenkammern. Ganz entscheidend ist die Furcht vor dem Borkenkäfer. „Wir haben beim Sturm Kyrill viel Lehrgeld bezahlen müssen und machen jetzt manches anders", sagt Bölts. Damals hat man die umgestürzten Bäume schnell entfernt, musste dann aber die Baumstämme im Wald lassen, weil die Abnehmer in einem „überschwemmten Markt" nicht nachkamen. In die gelagerten Baumstämme zieht aber schnell der bei 8 Grad schlüpfende Borkenkäfer ein und greift später auch auf gesunde Bäume über. Umgestürzte, nicht zugesägte Bäume dagegen können sich gut durch Harz vor den Käfern schützen. Heute versucht man, geerntete Holzstämme so schnell wie möglich aus dem Wald zu holen oder Bäume, die keine Chance auf einen zügigen Abtransport haben, noch liegen zu lassen. So müssen sich auch die Reiter gedulden, denn ihre Wege im Stuckenberg sind noch nicht freigeräumt. Da, wo umgestürzte Bäume weder Gefahr noch Hindernis darstellen, werden sie erst im Sommer aus dem Stuckenberg geholt. Vollholzernter im Einsatz Die Schnelligkeit ist nach Angaben Bölts ein Grund, warum er überwiegend Vollholzernter, im Fachjargon „Harvester" genannt, einsetzt. Außerdem ist die Handarbeit mit Kettensäge für die Waldarbeiter gefährlich. Das Holz, das die Arbeiter aus dem Wald holen, ist schon verkauft und wird so auf Länge gesägt, wie es die Kunden brauchen. Aus Fünf-Meter-Stämmen werden später Dachlatten und Kanthölzer hergestellt, aus 2,40-Meter-Stämmen Paletten, und aus dem Rest Spanplatten. Die Äste mit Nadeln enthalten die Nährstoffe und bleiben im Wald liegen.

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