Vorschlag: Das 50-Meter-Becken könnte zum Hallenbad umgebaut werden. Die Umkleiden (links) müssten wohl renoviert werden. - © Jens Reddeker
Vorschlag: Das 50-Meter-Becken könnte zum Hallenbad umgebaut werden. Die Umkleiden (links) müssten wohl renoviert werden. | © Jens Reddeker

Herford Diskussionen um weiteres Hallenbad für Herford

Schwimmsport: Zusätzlich zum H2O fordern Facebook-Aktivisten ein neues Hallenbad. Politiker geben zu bedenken, dass das teuer ist

Lena Henning

Herford. Ein Hallenbad ohne viel Schnickschnack, das fehlt in Herford – findet zumindest der Herforder Carsten Hähnel. „Einfach mal nach der Arbeit in Ruhe ein paar Bahnen ziehen, das geht im H2O nicht", sagt er. Seiner Forderung nach einem zusätzlichen Hallenbad für Herford haben sich in der Facebook-Gruppe „Herford verbindet" mehr als tausend Menschen angeschlossen. Wolfgang Rußkamp, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, erteilt der Forderung jedoch eine klare Absage: „Das ist aussichtslos." Ein weiteres Hallenbad in Herford wäre nicht zu finanzieren. Hähnel, Gründer der Facebook-Gruppe „Herford verbindet", und vier weitere Mitstreiter stören sich nicht nur an den fehlenden Schwimmbahnen, sondern auch an den Preisen und der Tarifstruktur im H2O. Dort gibt es die Möglichkeit zwischen 60 Minuten, eineinhalb Stunden oder einer Tageskarte zu wählen. „Eine Zwei- oder Vier-Stunden-Karte wäre gut", findet Hähnel. Er gehe gerne ins H2O, aber für Familien sei es sehr teuer. Damit ein Kind sicher schwimmen lerne, sei es aber wichtig, regelmäßig schwimmen zu gehen. "Die Bahnen im H2O sind voll" Unterstützung für ihren Vorstoß bekommen Hähnel und seine Mitstreiter auch von den Herforder Schwimmvereinen. „Die Bahnen sind voll", sagt Caroline Paul, ehrenamtliche Schwimmtrainerin beim DLRG Herford. Sieben Stunden Schwimmzeit stehen dem DLRG in der Woche im H2O zur Verfügung. Dazu kommen drei weitere Schwimmvereine. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht. Für einen Seepferdchen-Kurs gebe es beim DLRG inzwischen eine Wartezeit von bis zu eineinhalb Jahren. „Ein weiteres Hallenbad würde die Vereine enorm entlasten", sagt Paul. Und gleichzeitig den Freizeitschwimmern mehr Platz im Becken einräumen. Der Vorschlag der Gruppe: Das Freibad „Im kleinen Felde" mit einem sogenannten Cabriodach umbauen. Das könnte bei gutem Wetter im Sommer aufgefahren werden. Im Rest des Jahres wäre die Anlage als Hallenbad nutzbar. Eine Vorstellung über die möglichen Kosten für den erforderlichen Umbau und die Sanierung der Umkleideräume haben Hähnel und seine Mitstreiter nicht. Kosten sind der Knackpunkt Die Kosten allerdings sind der Dreh- und Angelpunkt in der ganzen Diskussion. Markus Diering, H2O-Betriebsleiter, wendet ein, dass die Besucherzahlen in klassischen Bädern stark rückläufig seien, auch in kleinen, günstigen Bädern. Ins H2O dagegen kommen seit Jahren immer mehr Besucher. „Das Freizeitverhalten hat sich geändert", sagt Diering. Das H2O biete ein „hervorragendes Angebot – dafür sind die Menschen auch bereit, zu zahlen." Alle öffentlichen Schwimmbäder seien defizitär. Als Tochtergesellschaft der Stadt seien die Stadtwerke als Betreiber angehalten, dieses Defizit gering zu halten. „Wir wollen erst einmal eine Diskussion anstoßen", sagt dagegen Thorsten Lüer. Auch ein Bürgerbegehren zu initiieren, würde die Gruppe nicht scheuen. Zunächst solle die Stadt prüfen, wie viel ein Umbau des Freibads kosten würde. "Wer soll die Zeche zahlen?" Das sieht die Ratsfraktion der Bürger für Herford ganz anders: Es bedürfe keines teuren Prüfauftrages, um zu erkennen, dass der Bürger die Mehrkosten tragen müsse, heißt es in einer Stellungnahme. Und weiter: „Wir diskutieren gerne, wenn die Internetaktivisten erklären, wer die Zeche bezahlen soll." Auch Horst Heining (SPD) und die Grünen verweisen auf NW-Anfrage auf die Investitionskosten – zusätzlich kämen da noch hohe laufende Betriebskosten dazu. Wolfgang Rußkamp (CDU) teilt diese Bedenken. Zu prüfen, wie die Nutzung der vorhandenen Wasserfläche optimiert werden kann, begrüße er jedoch.

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