Protest: Ehemalige Betreuer der Zentralen Unterbringungseinheit am kalten Donnerstagmorgen an der Mindener Straße. Die Mitarbeiter waren zum 1. März nicht von dem neuen Betreuungsdienst übernommen worden. - © Foto: Peter Steinert
Protest: Ehemalige Betreuer der Zentralen Unterbringungseinheit am kalten Donnerstagmorgen an der Mindener Straße. Die Mitarbeiter waren zum 1. März nicht von dem neuen Betreuungsdienst übernommen worden. | © Foto: Peter Steinert

Herford Nach Betreiberwechsel: Ex-Flüchtlingsbetreuer stehen auf der Straße

Zentrale Unterbringungseinheit (ZUE): Gewerkschaftssekretär hofft auf Weiterbeschäftigung seiner Mitglieder und geht davon aus, dass die ersten Gütetermine im März, spätestens im April bekannt gegeben werden

Peter Steinert

Herford. Man kennt sich. Der Mann in der gelben Warnweste begrüßt die Gruppe freundlich: "Das eine oder andere Gesicht habe ich doch schon gesehen." Leider könne er nicht alle vor dem Tor der Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) wartenden Ex-Mitarbeiter hereinbitten. Sie bleiben an diesem frühen und kalten Donnerstagmorgen auf der Straße stehen, weil zum 1. März der Betreuungsdienst wechselte und die zum katholischen Kolping-Bildungswerk zählende "Weberhaus-Nieheim gGmbH" (Paderborn) als Nachfolger von einem Großteil der bisherigen Beschäftigten nichts wissen will. Der Eintritt bleibt Gewerkschaftssekretär Jens Ortmann vorbehalten. Der hat die Verdi-Mitglieder informiert, damit sie ihre Arbeitskraft an Ort und Stelle noch einmal nachdrücklich anbieten können. Doch darauf will der neue Betreuungsdienst bekanntlich verzichten. "Alle Mitarbeiter müssen übernommen werden" Zwar benötigt auch die auf "European Homecare" folgende Firma 60 Sozialarbeiter, Sozialbetreuer, Krankenpfleger oder Küchenmitarbeiter, um 500 Asylsuchende in der früheren Kaserne an der Mindener Straße zu versorgen und ihnen für die Dauer von bis zu einem halben Jahr ein geregeltes Zuhause auf Zeit zu geben. Doch von der bisherigen Belegschaft mochte Kolping nur 14 Kollegen übernehmen. Die anderen stehen auf der Straße. Und das ist nach Ortmanns Ansicht nicht in Ordnung: "Weil das ein Betriebsübergang ist, hätten alle Mitarbeiter übernommen werden müssen". Diese Ansicht stößt bei Wolfgang Gelhard vom Kolping-Bildungswerk auf taube Ohren: "Wir gehen nicht von einem Betriebsübergang aus." Seine Gesellschaft habe nach der Ausschreibung durch die Bezirksregierung Detmold den Zuschlag erhalten, weil sie ein überzeugendes Konzept und ein wirtschaftliches Angebot gemacht habe. Zuletzt hätte sein Unternehmen nach "geeignetem Personal für die Umsetzung des Konzepts" gesucht. Vor Ort hätte Gelhard fündig werden können. Etwa bei Bakar Zai. Der gebürtige Afghane spricht sechs Sprachen und war bis zuletzt als Übersetzer in Herford im Einsatz. Urdu und Panjabi für Inder und Pakistani, Dari und Paschto für Afghanen sowie Englisch und Deutsch. "Meine Bewerbung gar nicht gelesen" "Mein Eindruck ist, dass die neue Firma meine Bewerbung gar nicht gelesen hat. Die Absage erhielt ich per E-Mail", sagt der 47-Jährige, der seit Öffnung der Flüchtlingsunterkunft 2015 hier arbeitete. Zunächst für das Deutsche Rote Kreuz, zuletzt bei "European Homecare". Gelhard hätte sich auch mit der Kurdin Leyla Mali (37) unterhalten können. Oder mit der Syrerin Kelef Shanaz (37). Sie sind der selben Meinung: "Das hat hier Spaß gemacht. Wir haben das gerne gemacht. Wir wissen, wie es diesen Menschen geht, schließlich teilen wir das gleiche Schicksal. Auch wir sind Flüchtlinge." Gegen ihren letzten Arbeitgeber habe es nichts auszusetzen gegeben. "Beim Übergang vom DRK zu European Homecare bekamen wir 100 Euro monatlich mehr. Nach einem Jahr waren es noch einmal 100 Euro zusätzlich", sagte Kelef Shanaz. Ob sie dieses Geld auch bei beim Kolping-Bildungswerk erhalten hätten, kann Jens Ortmann nicht sagen. "Weberhaus-Nieheim zahlt nach der kirchlichen Vergütungsrichtlinie AVR Kolping. Diese Vergütung ist nicht öffentlich." Jetzt geht es vor Gericht Ein Kontakt mit der Leitungsebene des Betreuungsdienstes sei am Donnerstag nicht zustande gekommen, obwohl die möglichen Ansprechpartner wohl anwesend gewesen sein sollen, so Ortmann. Der Verdi-Mann habe sich mit dem Einrichtungsleiter begnügen müssen. "Jetzt geht es für die 17 Kläger und Klägerinen vor Gericht. Teilweise sind die Klageschriften schon geschrieben. Ich nehme an, dass die ersten Gütetermine im März, spätestens im April bekannt gegeben werden", so Jens Ortmann.

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