Strahlt Zuversicht aus: Andreas Sawadski (r.) will im Frühjahr mit 39 Jahren seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker abschließen. Für Landrat Jürgen Müller (v. l.), Klaus Binnewitt (Geschäftsführer Jobcenter) und Frauke Schwietert (Leiterin Agentur für Arbeit) ist der Familienvater damit ein leuchtendes Vorbild. - © Eike J. Horstmann
Strahlt Zuversicht aus: Andreas Sawadski (r.) will im Frühjahr mit 39 Jahren seine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker abschließen. Für Landrat Jürgen Müller (v. l.), Klaus Binnewitt (Geschäftsführer Jobcenter) und Frauke Schwietert (Leiterin Agentur für Arbeit) ist der Familienvater damit ein leuchtendes Vorbild. | © Eike J. Horstmann

Kreis Herford Vom Maschinenbediener zum Mechaniker: Das Arbeitsamt setzt auf Umschulungen

Grundsicherung: Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist im Kreis Herford 2017 gestiegen

Eike J. Horstmann

Kreis Herford. Die Entscheidung fiel Andreas Sawadski nicht leicht. Als der 39-Jährige vor zwei Jahren arbeitslos wurde, boten sich ihm zwei Möglichkeiten: Zum einen hätte er versuchen können, als Ungelernter wieder einen Job als Maschinenbediener zu bekommen. Oder aber er wagt mit einer Umschulung einen kompletten Neuanfang - was allerdings für ihn und seine Familie zwei Jahre in der Grundsicherung und damit erhebliche finanzielle Einschränkungen bedeutet hätte. "Ich habe damals sicher hundert Bewerbungen geschrieben", erinnert sich Sawadski an die schwierige Zeit. "Viele davon sind noch nicht einmal beantwortet worden." Letztlich wagte der dreifache Vater den Schritt zur neuen Ausbildung. Und er bereut ihn nicht. Im Frühjahr wird der gebürtige Kasache, der mit 16 Jahren nach Deutschland kam und nach einem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht hat, voraussichtlich seine Prüfung zum Zerspanungsmechaniker ablegen. Und die Aussicht auf einen Job sind gut: "Ich habe bereits ein mündliches Angebot für eine Anstellung vorliegen", so der Bünder. Andreas Sawadski ist für das Herforder Jobcenter ein Paradebeispiel, wie durch Qualifikation oder Umschulung aus einem gering qualifizierten Arbeitslosen eine Fachkraft mit guter bis sehr guter Perspektive auf dem Arbeitsmarkt werden kann. "Es ist eine Investition in die Köpfe der Leistungsempfänger", so der Geschäftsführer des Jobcenters, Klaus Binnewitt, bei der Vorstellung der Grundsicherungszahlen des Kreises für 2017. Deutlich mehr Kinder unter 15 Jahren in der Grundsicherung Diese besagen, dass die Zahl der Leistungsbezieher im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf 17.831 gestiegen ist. Dieser Zuwachs ist vor allem auf den starken Anstieg bei Kindern unter 15 Jahren zurückzuführen: Hier betrug der Zuwachs 6,2 Prozent. Die nach ihrer Anerkennung in die Betreuung des Jobcenters gewechselten Flüchtlinge - 2017 rund 720 - hätten sich wiederum statistisch nicht so stark ausgewirkt wie zunächst angenommen. Auf der anderen Seite haben die Mitarbeiter des Jobcenters zwischen Oktober 2016 und September 2017 3.073 Leistungsberechtigte in den Arbeitsmarkt integrieren können. "Und zwar in sozialversicherungspflichtige Stellen, nicht in 450-Euro-Jobs", betont Binnewitt, der insgesamt von einem "guten Ergebnis" und einer "soliden Basis für das Jahr 2018" spricht. Hier wird das Jobcenter wie auch in den Jahren zuvor verstärkt auf die Aus- und Weiterbildung setzen - auch wenn es mitunter viel Überzeugungskraft koste, Menschen in der Grundsicherung zu motivieren, diesen Schritt zu gehen. "Die Aussicht, bei einer Ausbildung oder Umschulung die nächsten zwei bis drei Jahre auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen zu sein, schreckt viele ab", sagt Olaf Müller, Integrationsfachkraft beim Jobcenter. Auch die eingeführte Weiterbildungsprämie - nach erfolgreichem Abschluss gibt es bis zu 2.500 Euro - biete da nur einen bedingten Anreiz. Eher überzeuge das Argument, dass die Chance für Geringqualifizierte auf einen gut bezahlten Job trotz brummender Konjunktur eher schlecht sind - und dass gut ausgebildete Fachkräfte händeringend gesucht werden. Auch für ältere Arbeitssuchende sei es durchaus lohnenswert, sich trotz der zu erwartenden finanziellen Durststrecke für eine Umschulung zu entscheiden. "Mit 40 Jahren hat man ja noch 25 Jahre seines Arbeitslebens vor sich", sagt die Leiterin der Agentur für Arbeit Herford, Frauke Schwietert. "Und die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist noch immer eine Ausbildung." Dies kann Andreas Sawadski aus eigener Erfahrung nur bestätigen, gleichwohl er seine Abschlussprüfung noch vor sich hat. "Herumsitzen und warten ist nicht meine Sache, ich muss etwas tun", sagt der angehende Zerspanungsmechaniker. Er ist sich zudem aber auch sicher, dass er die zwei Jahre Umschulung allein nicht hätte stemmen können: "Da muss die Familie hinter einem stehen. Sonst geht es nicht."

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