Handarbeit: Aus Holz und Lehm bauten Bautechnikschüler der Wilhelem-Norman-Schule ein Haus. - © Wolfgang Prüssner
Handarbeit: Aus Holz und Lehm bauten Bautechnikschüler der Wilhelem-Norman-Schule ein Haus. | © Wolfgang Prüssner

Herford Mittwochrätsel Auflösung: Geschichtsfest vor dem Rathaus

Der Kreisheimatverein schenkte der Stadt Herford im Jubiläumsjahr 1989 sein zweites Geschichtsfest

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Mittwochrätselfoto von vergangener Woche ist mit knapp 30 Jahren noch nicht so alt. Es stammt aus dem NW-Archiv und entstand während des zweiten Kreisgeschichtsfestes am Wochenende 15. bis 17. September 1989 an der Münsterkirche im Nachgang zur 1200-Jahr-Feier Herfords. Im Hintergrund ist das Rathaus zu sehen. Seinerzeit fotografierten die Zeitungsfotografen – hier Wolfgang Prüssner – noch auf Schwarzweiß-Film, der im Labor der Lokalredaktion selbst entwickelt und vergrößert wurde. Die Papierfotos gingen per Autokurier ins Druckhaus nach Sennestadt. Heike Erdmann hat also richtig erkannt: „Das Foto entstand auf dem Rathausplatz beim zweiten Geschichtsfest des Kreisheimatvereins.“ Einfache Fachwerk-Bauweise gezeigt Klaus-Dieter Stork schreibt: „Auf dem Rathausplatz fand die Vorführung der Bautechniker der Wilhelm-Normann-Schule anlässlich des Jubiläums der Stadt Herford im Jahre 1989 statt. Die Vorführung war Bestandteil des vom Kreisheimatverein veranstalteten Geschichtsfestes auf dem Rathausplatz und in der Markthalle. Es wurde dort gezeigt, wie man früher die Häuser in Fachwerkbauweise mit Lehmziegeln errichtete.“ Wolfgang Schiefer war selbst dabei: „Das Bild zeigt den Rathausvorplatz mit dem Bau des Lehmhauses nach der Dünner Lehmbauweise im Rahmen des Geschichtsfestes. Da ich, Lehrer am Wilhelm-Normann-Berufskolleg, Projektleiter und Organisator des Baues war, kann ich mich sehr gut an das Projekt erinnern. Die Planungen für den Bau wurden von mir im Unterricht der Bauzeichner-Klassen im Rahmen des Projekts ,Ökologisches Bauen‘ und in der Fachschule für Technik im Fach ,Umweltschutztechnik‘ vorbereitet. Die Herstellung der Holzkonstruktion wurde von den bautechnischen Assistenten im Rahmen der Fachpraxis unter der Leitung von Herrn Klawitter, der auch auf dem Bild rechts zu sehen ist, geleistet. Das Geschichtsfest begann am Freitag mit der Grundsteinlegung mit Gasbetonsteinen auf Folie, mit der Erstellung der Holzständer und dem Aufsetzen der fertigen Holzdachkonstruktion mit Hilfe eines Krans und der Anlieferung des Lehms und der Dachziegel, einschließlich der Strohdoggen, beides Spenden der Firma Meyer-Holsen. Ein Fachmann der Firma hat das Dach eingedeckt und die Strohdoggen mit eingebaut. Auch die Besucher kneteten Brot Am Samstag und Sonntag wurden die Lehmbrote von den Schülern unter Aufsicht und Mitwirkung der Kollegen Klawitter, Meier, Krause und Schiefer geknetet und zwischen den Holzständern eingebaut. Nach drei Schichten wurden zur Aussteifung Bambusstäbe eingelegt. Auch die Geschichtsfestbesucher wurden animiert, Brote zu kneten und in die Wände einzubauen. Hierdurch wurde für die Besucher deutlich, dass mit dieser Bauweise auf einfache Weise und kostengünstig Häuser gebaut werden können. Für Umsiedler aus dem Gebiet des Atomreaktors Tschernobyl wurden Häuser nach diesem Prinzip gebaut. Nach dem Geschichtsfest wurde das halbfertige Haus zurückgebaut und zur Schule zurück transportiert. Der Rathausplatz wurde gereinigt. Im Schulgarten wurde das Haus dann von anderen Schülergruppen wieder aufgebaut, wo es viele Jahre stand. Der Umgestaltung des Schulgartens musste das Haus leider weichen.“ Britta Hoedt konzentriert sich auf das Rathaus: „Die Treppe rechts führt in die ehemalige Ratsschänke, dessen Räumlichkeiten seit Jahren zum Ratskeller gehören, nachdem Familie Wegener sie dazu gepachtet hatte. Hinter den jungen Männern ist der Treppenaufgang zum Standesamt bzw. zum Biergarten des Ratskellers im Bild. Gruß aus Wolfhagen.“ Heike Fürhoff erinnert sich: „Übrigens, das nächste kreisweite Geschichtsfest findet dieses Jahr in Enger statt.“ Eine Party auf den Grundmauern des Klosterrefektoriums Die Neue Westfälische hat dem Ereignis seinerzeit am Montag nicht nur die lokale Titelseite, sondern eine damals noch seltene Panoramaseite gewidmet. Zu sehen sind vielfältige Aktivitäten von Theater über Tanz, Korbmacherei, Töpfern, Schmieden, eine historische Kreistagssitzung bis hin zur Modenschau, die Vereine aus dem ganzen Kreis und Schulen beigetragen haben, um historische Zusammenhänge anschaulich zu machen. Auf den freigelegten Grundmauern der gerade wiederentdeckten Abtei feierten die Archäologen um ihren Chef Matthias Wemhoff und die Geschichtsfestbesucher eine rauschende Party. Insgesamt hatte man sich von dem Fest allerdings eine höhere Besucherzahl erhofft. Das Ziel des Festes hatte der damalige Vorsitzende des Kreisheimatvereins, Manfred Ragati, formuliert: Man wolle der Glorifizierung von Geschichte durch Aufklärung begegnen.

realisiert durch evolver group