Bürgermeister Tim Kähler nimmt den Ordner von Jens Meihöfener, entgegen. Links demonstrieren Naturschützer für die Absenkung des Werre-Wasserspiegels, rechts die Hauseigentümer und Wassersportler dagegen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Bürgermeister Tim Kähler nimmt den Ordner von Jens Meihöfener, entgegen. Links demonstrieren Naturschützer für die Absenkung des Werre-Wasserspiegels, rechts die Hauseigentümer und Wassersportler dagegen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Wehr-Umbau: Gegner der Werre-Absenkung übergeben Unterschriftenliste

Naturschützer plädieren hingegen für eine Planungsvariante, die einen niedrigeren Wasserspiegel mit sich bringt

Corina Lass

Herford. Gegner und Befürworter einer Werre-Absenkung oberhalb des Bergertors trafen gestern mit dem Bürgermeister auf den Treppen des Rathauses zusammen. Beide Seiten waren gut vorbereitet. Mit Plakaten und Bannern traten sie für ihre Auffassungen ein. Die Gegner der Absenkung übergaben Tim Kähler zudem eine Liste mit Unterschriften, die Jens Meihöfener mit 4.519 bezifferte. Der Vorstand des Kanu-Klubs betonte, dass es nicht darum gehe, sich beim Umbau des Bergertor-Wehrs einer ökologischen Planung in den Weg zu stellen. Auch die von den Wassersportlern bevorzugte Umbau-Variante 3b sehe Durchlässigkeit für Fische und Kleinlebewesen vor, allerdings ohne Absenkung des Wasserspiegels. Diese Absenkung bevorzugen aber die Naturschützer. Denn für sie gehören zur Renaturierung eine natürliche Fließgeschwindigkeit und ein höherer Sauerstoffgehalt im Wasser. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund (Nabu) hatten den Medienvertretern ihre Argumente für die Planungsvariante 3a und eine Werre-Absenkung bereits vor der Unterschriften-Übergabe zugesandt. Kähler sucht nach Kompromiss Kähler stand auf der Rathaustreppe zwischen den Parteien - und fand diplomatische Worte: Demokratie erfordere immer einen Kompromiss, sagte er. Rat und Verwaltung müssten genau abwägen, was gesetzlich gefordert, ökologisch gewollt und ökonomisch vertretbar sei. Dabei würden sie die Interessen der Sportler ebenso berücksichtigen wie die der Hauseigentümer. Das Bedürfnis nach Natur und das nach Stadtleben müssten sie verbinden, sagte der Bürgermeister. Er betonte aber auch, dass es unterschiedliche Auffassungen dazu gebe, was nach einer Absenkung des Wasserpegels an Wassersport möglich sei. Zudem lägen ihm Gutachten mit unterschiedlichen Aussagen zu den Auswirkungen einer Werre-Absenkung vor. "Die einen sagen so, die anderen sagen so - wie das so ist bei Gutachten." Auch die Förderung würden sie zu berücksichtigen haben. "Das muss eine gut abgewogene Entscheidung sein", sagte Kähler. Den Anwesenden versprach er, dass sie nicht einfach werde, aber nachhaltig. Zuvor würden die Herforder in einer Bürgeranhörung beteiligt. Und zur Entscheidung werde eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen. "Toll, wie viele sich um das Thema kümmern" Kähler sagte auch, dass an beiden Wehren in der Stadt vielleicht unterschiedlich, aber nach dem gleichen Recht entschieden werde. Den Anwesenden dankte er, dass sie ihrer Position vor dem Rathaus Nachdruck verliehen. "Toll, wie viele sich um das Thema kümmern." Die Wassersportler, die den Termin ursprünglich zwecks Übergabe ihrer Unterschriftenliste anberaumt hatten, nutzten die Gelegenheit, den Medienvertretern noch einmal ihre Argumente darzulegen. "Auch die Variante 3b ohne Werre-Absenkung entspricht der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie", sagte Meihöfener. Die Probeabsenkung habe zudem gezeigt, dass sich das Fließtempo der Werre dadurch nur sehr gering erhöhe. "Wir bezweifeln eine ökologische Verbesserung." Auch würden die Naturschützer bei der Berechnung der Kosten der verschiedenen Planungsvarianten nicht berücksichtigen, dass nach Absenkung des Wasserspiegels die Uferbefestigung erneuert werden müsse. Unklar sei außerdem noch, ob die Hauseigentümer nicht die Kosten der Beweissicherungsverfahren für die jetzt schon bestehenden Schäden an ihren Häusern im Vorfeld der Werre-Absenkung übernehmen müssten.

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