"Erst verprügelt, dann in die Aa geworfen", lautete vor 50 Jahren die Schlagzeile in der Neuen Westfälischen. - © Picture Alliance
"Erst verprügelt, dann in die Aa geworfen", lautete vor 50 Jahren die Schlagzeile in der Neuen Westfälischen. | © Picture Alliance

Herford So hart waren die Strafen für eine Prügelei vor 50 Jahren

Aus dem Archiv: Junge Männer verprügeln im November 1967 auf dem Steintorwall einen gleichaltrigen Bekannten, rauben ihn aus und werfen ihn in die Aa. Zwei Täter wandern dafür ins Gefängnis

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Mit dem vermehrten Einsatz von Zivilstreifen regiert die Polizei auf eine Häufung von Überfällen in der Herforder Innenstadt. Oft sind gewaltbereite jugendliche Täter im Spiel. Genau heute vor 50 Jahren, am 9. Februar 1968, fand vor dem Herforder Jugendschöffengericht ein Prozess statt, in dem drei fast erwachsene Männer zu empfindlichen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie einen Gleichaltrigen auf dem Steintorwall ausgeraubt hatten. Der zufällige Blick ins Zeitungsarchiv der NW offenbart schlaglichtartig, dass auch seinerzeit erhebliche Brutalität im Spiel war - freilich ohne einen grundsätzlichen Vergleich zwischen damals und heute zu ermöglichen. "Drei Jugendliche fielen einen Schüler an / Erst verprügelt, dann in die Aa geworfen" lautete die Schlagzeile, die der Redakteur seinerzeit sachlich formulierte. "Der Schüler (. . .) wurde am 25. November vergangenen Jahres gegen 19.30 Uhr auf dem Steintorwall von drei Jugendlichen angefallen und so in die Zange genommen, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als seine Barschaft in Höhe von 7,50 Mark herauszugeben", beginnt der Vorspann, in dem, heute undenkbar, der volle Name des Betroffenen genannt wird. Die Täter werden nur mit Vornamen benannt, doch der ist offenbar nicht geändert. "Sie drohten weitere Schläge an" Weiter geht es im Vorspann: "Mit diesem Geld ließen es die jugendlichen Übeltäter noch nicht bewenden. Nachdem sie ihn schon vorher tüchtig durchgeprügelt hatten, drohten sie ihm weitere Schläge an, falls er die Brieftasche, die er fest umklammert hielt, nicht herausgeben würde. Als (das Opfer) das ablehnte, kam es zu einem erneuten Handgemenge. Die Jugendlichen entrissen ihm die Brieftasche und entnahmen ihr zwei Mark, einen Brief und Fotos. Dann stießen sie ihr Opfer in die Aa. Völlig durchnässt und beschmutzt, mit Prellungen am Knie und Schwellungen an den Lippen, schleppte sich der Junge ans Ufer." Die Täter waren 16, 17 und 19 Jahre alt und stammten aus Herford und Diebrock, das damals noch nicht eingemeindet war, erfährt die Leserschaft. Die beiden Älteren werden aus der Untersuchungshaft vorgeführt, da ein Untersuchungsrichter nach der Festnahme am 26. November auf Fluchtverdacht erkannt hatte. Die Täter waren befreundet Die drei Täter waren befreundet, trafen sich häufiger und besuchten am fraglichen Tag das Herforder Jugendzentrum, das sie, so der Bericht, um 18.30 Uhr zu einem "Bummel durch die Stadt" verließen. Gegen 19.30 Uhr trafen sie auf das Opfer. Der jüngste Täter und das Opfer kannten sich aus der Diebrocker Schule. Der 16-Jährige raunte seinen Begleitern zu, dass er mit dem Mitschüler noch "etwas zu bereinigen habe". Daraufhin hat der 17-jährige Kumpel sofort zugeschlagen und Geld verlangt. Zweimal in die Aa geworfen Als der Überfallene sich weigerte, wurde er von den beiden älteren Tätern an den Armen gepackt, hundert Meter weiter zum Steintorwall geführt, ans Aa-Ufer gezerrt und in den Fluss hineingeprügelt. Dem Opfer gelang es, wieder an Land zu kommen. Der Jugendliche wurde aber abermals "durchgeprügelt" und ins Wasser gestoßen. Die Täter ließen von ihm ab, weil sie sich inzwischen um die Beute stritten. Der 19-Jährige hatte sie an sich genommen, aber angeblich verloren. Am Rande des Prozesses wurden die beiden älteren Täter überführt, gemeinschaftlich im November aus einem Automaten in einer Spielhalle Bargeld in nicht genau feststellbarer Höhe entwendet zu haben, heißt es in dem Artikel weiter. Jugendstrafe von "unbestimmter" Dauer verhängt Der 17-Jährige musste außerdem "eingestehen, am 8. September einen Studenten durch Faustschläge an den Kopf und durch Tritte in den Rücken verletzt und danach einem Polizeibeamten falsche Personalien gegeben zu haben". Der 16-Jährige wurde überführt, "Auf der Freiheit" ohne Führerschein Moped gefahren zu sein. Der 17-Jährige wurde wie vom Staatsanwalt beantragt wegen gemeinschaftlicher Erpressung, räuberischem Diebstahl und körperlicher Misshandlung zu einer Jugendstrafe von "unbestimmter Dauer" (mindestens zwei, höchstens vier Jahre) verurteilt. Der 21-Jährige erhielt aus gleichem Grund 20 Monate Jugendgefängnis aufgebrummt. Der 16-Jährige kam mit einem Jahr auf Bewährung davon. Ob die Strafe geholfen hat? Alte Herforder werden es vielleicht wissen.

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