Voller Tatendrang: Max Artemkin (rechts) und sein Vater Viktor wollen so bald wie möglich mit dem Umbau beginnen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Voller Tatendrang: Max Artemkin (rechts) und sein Vater Viktor wollen so bald wie möglich mit dem Umbau beginnen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Stadthotel Pohlmann soll „Hotel City-Center Herford“ werden

Noch keine Schlüsselübergabe: Anhaltende rechtliche Auseinandersetzungen verzögern Beginn des Umbaus

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres hat das Pächterehepaar des Stadthotels Pohlmann an der Ecke Mindener Straße/Werrestraße, Heike und Kai Pohlmann, das traditionsreiche Haus, das ihnen seit 1997 gehörte, geschlossen. Die Möbel gingen mit Hilfe des Vereins Brückenschlag an Hospitäler für Kriegsversehrte in der Ukraine. Damit hätte der Weg für Max Artemkin aus Bielefeld frei sein können, mit dem geplanten Umbau des Hauses zu beginnen. Der 39-Jährige hatte die denkmalgeschützte Immobilie in einer Zwangsversteigerung gekauft, die die Folge einer Auseinandersetzung der Pohlmanns mit ihrer Hausbank gewesen war. Den Pohlmanns hat er nach eigenen Angaben im vergangenen Sommer gekündigt. Doch Max Artemkin und sein Vater Viktor standen gestern Morgen beim Ortstermin mit der Neuen Westfälischen erwartungsgemäß vor verschlossener Tür. „Es hat noch keine Schlüsselübergabe gegeben", beklagte der Hotelier. Die sei eigentlich für den 2. Januar mündlich vereinbart gewesen, habe aber nicht stattgefunden. Die Pohlmanns hätten über ihren Anwalt stattdessen eine finanzielle Umzugshilfe in Höhe von 14.000 Euro zur Bedingung gemacht. Ab Freitag droht die Räumungsklage Er wolle noch bis Freitag warten, sagte Artemkin, dann werde sein Anwalt Räumungsklage einreichen. Mit Gewalt wolle er die Tür nicht aufbrechen, davon habe der Anwalt abgeraten. Allerdings sorge er sich angesichts der bevorstehenden Minustemperaturen, dass die Heizungen Schaden nehmen könnten, falls sie, was er nicht wisse, abgestellt sein sollten. Kai Pohlmann stellt die Situation auf telefonische Nachfrage anders dar. Der Pachtvertrag sei erst zum Ende 2018 kündbar gewesen. Man habe dennoch schon zum Ende 2017 das Hotel geschlossen, um den Kunden gegenüber eine faire, saubere Linie zu vertreten. Die Umzugshilfe oder Ablösesumme sei über die Anwälte vereinbart worden. Die Pohlmanns bauen derzeit einen Cateringservice auf. Zielgruppe des neuen Eigentümers sind Geschäftsleute Was hat Max Artekim mit dem Haus vor, wenn er es nach dem juristischen Tauziehen in Besitz nehmen kann? „Ich will es zu einem Boarding-House mit dem Namen ,Hotel City-Center Herford‘ umbauen lassen", sagt Artekim. Zielgruppe sind Geschäftsleute, die lang- oder kurzfristig von Montag bis Freitag ein Zimmer buchen wollen. Nach dem Boardinghouse-Prinzip können sie sich dabei selbst verpflegen oder auf Wunsch ein Frühstück im Frühstücksraum bekommen. Das Doppelzimmer mit dem Standard eines Drei-Sterne-hauses soll zwischen 50 und 60 Euro am Tag kosten. Einen Restaurant- und Saalbetrieb wird es nicht mehr geben. Stattdessen plant Artemkin im Erdgeschoss unter dem Namen „Offfice" mit drei „f" ein sogenanntes Co-Working-System mit eigenem Eingang. Existenzgründer können Schreibtische im „Offfice" mieten Existenzgründer und andere geschäftliche Einzelkämpfer, die nicht allein zu Hause arbeiten wollen, können hier monatsweise einen wechselnden oder fest reservierten Schreibtisch mit Internetflatrate und Zugang zu einer Teeküche oder sogar ein kleines Büro mieten. Artemkin rechnet mit einem Investitionsvolumen von 500.000 Euro und einer Bauzeit von eineinhalb Jahren, so dass – abhängig vom Verlauf der juristischen Auseinandersetzung – eine Eröffnung spätestens Ende 2019 möglich sein sollte.

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