Motivationsrede: Ulrike Detmers stellt fest: "Bildungsrendite wird immer stärker in den Köpfen der Frauen implementiert." Fotos: Christina Römer|| - © Christina Römer
Motivationsrede: Ulrike Detmers stellt fest: "Bildungsrendite wird immer stärker in den Köpfen der Frauen implementiert." Fotos: Christina Römer|| | © Christina Römer

Kreis Herford Ökonomin Ulrike Detmers 
sprach als Gastrednerin im Kreishaus

Frauen sollen die „Zügel selbst in die Hand nehmen“

Christina Römer

Kreis Herford. Warum es wichtig ist, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und auf Gleichberechtigung zu pochen, machte Prof. Ulrike Detmers anhand eines Beispiels deutlich, das weh tut: "Früher mussten die Frauen zum Teil die Zähne zusammenbeißen, wenn der Mann fremd ging - wo sollten die auch hin mit einem Stall voller Kinder." Frauen, die von Männern abhängig gewesen seien, weil sie Zuhause die "Steigbügel gehalten" hätten, während die Männer das Geld verdienten. Frauen, die keine ausreichende Berufsqualifikation hatten, um auf eigenen Beinen zu stehen. Doch die etwa 300 Besucherinnen des Frauenauftakts im Kreishaus - Vertreterinnen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen und beruflichen Lebens - erfuhren auch, dass sich nicht nur seitdem viel verändert hat, sondern sich auch zurzeit viel bewegt. Detmers, die Mitglied der Geschäftsführung und Gesellschafterin der Mestemacher-Gruppe in Gütersloh ist, engagiert sich intensiv für Gleichstellung von Frauen und Männern. Unter anderem initiierte sie Auszeichnungen, wie "Managerin des Jahres" und "Spitzenvater des Jahres." In einer Expertenkommission beriet sie mit den Politikerinnen Rita Süssmuth und Renate Schmidt den Zweck der Frauenquote. Gebürtig stammt die heutige Bad Salzuflerin übrigens aus Herford. Sie besuchte die Geschwister-Scholl-Realschule und das Anna-Siemsen-Berufskolleg. Als Rednerin des Frauenauftaktes erwies sie sich als schwungvolle Kämpferin für ihre Geschlechtsgenossinen, die nicht nur Zahlen und Daten im Kopf hat, sondern ihre persönliche Erfahrung gut zu nutzen weiß, um glaubhaft die Frauen im Saal anzuregen, in ihre Bildung zu investieren und für sich selbst einzutreten. "Als ich 1978 mit dem Betriebswirtschaftsstudium fertig war, gab es einen fünfprozentigen Frauenanteil", erzählt sie. Heute seien Frauen "Bildungsträger" - mehr Mädchen als Jungen besuchten die gymnasiale Oberstufe, obwohl es insgesamt mehr männliche Schüler gebe. Und auch die Universitäten würden überwiegend weiblicher. "In medizinischen Studiengängen gibt es sogar schon die Forderung nach einer Männerquote", meint Detmers. Nur die mathematisch-technischen Fächern wiesen ein Frauendefizit auf. Im Süden Deutschlands gebe es aber gute Ansätze, um dem zu begegnen - so genannte Talentscouts der großen Unternehmen, die Frauen fördern und gleichzeitig ihrem Fachkräftemangel etwas entgegen setzten. "Je höher die Bildung, desto mehr Frauen sind erwerbstätig", so Detmers. Die Lücke klaffe allerdings bei den Fach- und Führungskräften. Ulrike Detmers wirbt dafür, dass Frauen mehr für sich werben müssten. "Sie müssen sagen: Das kann ich." Männer, die selbst beruflich erfolgreich sind, förderten Frauen oft mehr als Männer, die eine Bedrohung fürchten. Einer dieser Männer ist übrigens der Landrat. So sagt es die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Simona Langenberg, Organisatorin des Abends. Als einzigen männlichen Gast des Abends lobte Langenberg Jürgen Müller dafür, dass Gleichstellung ihm ein wichtiges Anliegen sei. "Ich bin froh, dass es diese Veranstaltung gibt", sagte Müller zur Begrüßung. 300 Frauen, die gerne daran teilnähmen - "das ist ein Alleinstellungsmerkmal". Und bei einem Blick in den Saal stellte Müller fest: "Sie alle sind Erfolgsfaktoren für den Kreis Herford, ich weiß, was sie in den unterschiedlichen Organisationen bewegen.

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