Begehrt: Klaus Endryk vor Paletten, die noch recycelt werden müssen. Der Herforder Händler beliefert Stammkunden mit der Ware, die knapp geworden ist. Andere Anfragen muss er inzwischen sogar ablehnen. - © Peter Steinert
Begehrt: Klaus Endryk vor Paletten, die noch recycelt werden müssen. Der Herforder Händler beliefert Stammkunden mit der Ware, die knapp geworden ist. Andere Anfragen muss er inzwischen sogar ablehnen. | © Peter Steinert

Herford Europaletten sind gefragt wie nie

Unternehmen suchen verstärkt nach gebrauchten und defekten Euro-Paletten

Peter Steinert

Herford. Die Wirtschaft brummt. Ein Rädchen greift ins nächste. Doch fehlender Holznachschub könnte diesen Boom bremsen. Allerorts fehlt es an Transport-Paletten und Gitterboxen. Ein Bielefelder Unternehmen funkt auf seiner Internetseite bereits SOS: "Wir suchen verstärkt nach gebrauchten und defekten Euro-Paletten und Gitterboxen. Wir zahlen Höchstpreise! Abholung durch uns ist ebenfalls möglich." Die beiden Herforder Paletten-Händler bleiben gelassen. Doch auch deren Vorrat schrumpft, wie Schnee in der Frühlingssonne. "Es können längst nicht alle Anfragen bedient werden", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten und Exportverpackungen, Jan Kurth, der Welt am Sonntag. Derzeit komme es sogar reihenweise vor, dass Betriebe Aufträge absagen müssten. Für Standardware wie die klassische Europalette oder die überwiegend quadratische Chemiepalette gebe es Wartezeiten von mehreren Wochen. Marek Trojanowski vertreibt die begehrte Ware, die anderenorts zum "Leergut" geworden ist. Seit 2005 ist er im Palettengeschäft vertreten. "Wir reparieren Einwegpaletten. Die holen wir auch wieder ab und verkaufen sie dann weiter." Noch habe er genug Paletten. "Mit den Gitterboxen ist es im Moment aber schwierig", sagt Trojanowski, der in seiner Firma an der Goebenstraße in Herford zu erreichen ist. Auch wenn es für seine Einweg-Paletten noch keinen Engpass gibt, die gute Konjunktur habe sich bei ihm bemerkbar gemacht: "Im Vergleich zu vor fünf Jahren sind die Paletten-Preise gestiegen." Preissteigerungen kennt auch Klaus Endryk, der in seinem Betrieb an der Ernstmeierstraße die verstärkte Nachfrage zu spüren bekommt. "Wir erhalten Anrufe von Firmen, mit denen wir bislang nichts zu tun hatten", sagt der Unternehmer, der sich auf das Reparieren von Holz-Paletten spezialisiert hat. "Normalerweise stehen auf unserem einen Hektar großen Gelände bis zwei Drittel mehr Paletten. Darunter die Euro-Palette in der Große 80 x 120, aber auch Spezialgrößen und Chemie-Paletten. Wenn wir Euro-Paletten neu bestellen, dann müssen wir mit Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen rechnen", sagt Endryk, der die meisten Aufträge ablehnen muss. "Derzeit beliefern wir nur noch unsere Stammkunden." Gut denkbar, dass der Engpass anhält. "China und die USA kaufen im Baltikum das ganze Holzvorkommen auf. Das ist es doch klar, dass die dortigen Händler lieber das Rundholz in die Container packen, ohne die Stämme für die Paletten zuzuschneiden", sagt Klaus Endryk. In deutschen Sägewerken führe das zu Problemen, weil der Rohstoff ausgeht. Endryk selber sieht für sich noch keine leere Lager: "Uns betrifft die jetzige Situation auch, aber nicht so gravierend, weil wir die Recycling-Schiene fahren."

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