Leere Straßen und Plätze: Auch als es an einem Sonntagabend in Herford schneite, besuchten nur wenige Menschen die Herforder Innenstadt. Die Beschicker des Weihnachtslichtes waren mit ihren Umsätzen nicht zufrieden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Leere Straßen und Plätze: Auch als es an einem Sonntagabend in Herford schneite, besuchten nur wenige Menschen die Herforder Innenstadt. Die Beschicker des Weihnachtslichtes waren mit ihren Umsätzen nicht zufrieden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Das Marketing für den Herforder Weihnachtsmarkt steht in der Kritik

Schausteller fühlen sich allein gelassen

Peter Steinert

Herford. Es soll Menschen geben, die nach übermäßigem Glühwein-Genuss am nächsten Morgen über einen schweren Kopf klagen. In Herford folgt der Kater zum Weihnachtsmarkt später, weil die Umsätze ungewöhnlich mau waren. Das lag nach Ansicht von Beteiligten nicht nur am verregneten Dezember und dem kurzen Advent, sondern auch an der veranstaltenden Pro Herford. So soll der städtische Marketingableger zu wenig Werbung für den Weihnachtsmarkt gemacht haben. Flyer seien mit dem Programm zum Weihnachtsmarkt verteilt worden, als das Programm schon gelaufen war. Ganz zu schweigen davon, dass bei den Neuheiten neben der zusätzlichen Beleuchtung auf dem Neuen Markt allein der Schausteller Björn Laffontien mit seinem „Almrausch"-Zelt auf dem Linnenbauerplatz punkten konnte. »Die Kaufleute wollen die Buden vor den Geschäften haben« Trotzdem fiel auch dessen Bilanz nicht positiv aus. Vielmehr verzeichnete Laffontien einen anhaltenden Negativtrend: „2016 haben wir 15 Prozent an Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr einbüßen müssen, 2017 sind es 30 Prozent im Vergleich zu 2016." Der Schausteller könnte sich vorstellen, dass die Spielzeit ausgedehnt wird: „Warum starten wir nicht wie Bielefeld vor dem Totensonntag und lassen den Weihnachtsmarkt bis in den Januar laufen?" Von einer Konzentration auf dem Rathausplatz hält er allerdings nichts. „Die Kaufleute wollen die Buden vor den Geschäften stehen haben. Außerdem befruchten wir uns gegenseitig." Wenn, dann müsste dieser Gedankengang ohnehin von Pro Herford angeschoben werden. Doch dort herrscht weiter weihnachtlicher Frieden. Für 2017 könne eine positive Bilanz gezogen werden. Insgesamt wären ähnlich viele Besucher wie 2016 registriert worden, hieß es bei der Bilanz. Pro-Herford-Geschäftsführer Frank Hölscher: „Eine Verlängerung in den Januar war bislang kein Thema. Natürlich gibt es immer noch Luft nach oben. Dabei spielt der Rathausplatz immer eine Rolle in unseren Überlegungen. Allerdings ist hier erst einmal ein schlüssiges Konzept zu verabschieden." „Pro Herford hält es eher mit Tradition, als mit Innovation", sagt ein Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte. Nach Aussage des Mannes soll der Umsatz an den Ständen in den ersten drei Wochen um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen sein. „Sogar am verkaufsoffenen Sonntag war nichts los, so dass es selbst bei Klingenthal ruhig war." Der Informant kritisiert „ziemlich früh verschwundene Straßenbanner". Ganz abgesehen von den einst so strahlenden Lichterbögen an den Stadteingängen. Lediglich an der Bielefelder Straße und am Steintor leuchtet es noch. „Dieses Jahr war es vom Gästeaufkommen der schlechteste Weihnachtsmarkt", sagt er. Daran konnte auch ein von Pro Herford als „Highlight" beworbener Nikolaus nichts ändern. Der sei „im Karnevalskostüm auf einem Steckenpferd" angeritten gekommen. „Noch nicht einmal ein richtiges Pferd hatte der", schimpft der Insider. „Außer dem Nikolaus und einem Kinderchor war nichts auf dem Alten Markt, sagt auch Frank Berghaus, der für seinen „Glühwein unterm Glockenspiel" bekannt ist. „Die Werbung war eine Katastrophe, das Programm eine Null. Die Leute wussten nicht, wann der Weihnachtsmarkt geöffnet hat", sagt Berghaus. 20 Prozent weniger als im Vorjahr hatte er in seiner Kasse. Besonders aber ärgert ihn, dass Pro Herford den sonst bis mittags geöffneten Heiligabend gekappt hatte. „Meine Kunden waren sauer, weil sie an keinem Weihnachtstag zu uns kommen konnten. Stattdessen sind sie am zweiten Weihnachtstag nach Bad Salzuflen zum Glühweintrinken gefahren", sagt der Bünder. Bei den Öffnungszeiten kommt Berghaus Pro Herford entgegen. Frank Hölscher: „Da Heiligabend im nächsten Jahr auf einen Montag fällt, wird das Weihnachtslicht wie gewohnt geöffnet sein. Grundsätzlich werden wir die Öffnungszeiten für 2018 im engen Dialog mit den Beschickern beschließen." Der Chef von Pro Herford legt nach: „Als zusätzliches Programm-Highlight steht bereits fest, dass am 30. Dezember 2018 zum Abschluss des Weihnachtslichtes ein weiterer verkaufsoffener Sonntag stattfindet."

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