Symbolbild. - © picture alliance / dpa
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Herford Altenheim muss ehemaliger Pflegerin hohe Abfindung zahlen

Arbeitsgericht: Die Entlassung einer ehemaligen Pflegerin ist nicht rechtens. Sie erhält 28.000 Euro

Christian Geisler

Herford. Ein Altenwohnheim in Löhne-Mennighüffen muss einer seiner ehemaligen Altenpflegerinnen eine Regelabfindung in Höhe von 28.000 Euro zahlen. Das entschied die 1. Kammer des Arbeitsgerichts Herford. Das Altenwohnheim warf der Pflegerin vor, einer psychisch angeschlagenen Kollegin gegen ihren Willen das verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel Tavor eingeflößt zu haben. Die Beschuldigte bestritt den Vorfall, sie habe nach Rücksprache mit einem hausinternen Arzt lediglich den Arzneistoff Ibuprofen verabreicht. Dennoch wurde das Arbeitsverhältnis mit der langjährigen Pflegerin fristlos gekündigt. Diese habe zwar schnell eine neue Anstellung gefunden, reichte aber trotzdem eine Kündigungsschutzklage ein. Gleich sieben Zeugen wurden zur Verhandlung geladen. Aus den Schilderungen der ersten Zeugin ging hervor, dass zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Vorfalls die Personaldecke des Altenheims krankheitsbedingt äußerst dünn war. Entsprechend angespannt und aufwühlend sei der Arbeitstag für alle Pflegekräfte gewesen. Weiter erklärte sie, dass zur Aufklärung des mutmaßlichen Vorfalls mit verschiedenen Mitarbeitern gesprochen worden sei, ebenfalls mit der Beschuldigten. Die Aussagen der Mitarbeiter seien jedoch höchst widersprüchlich gewesen, so dass die Tat nicht nachgewiesen werden konnte. Aus Gesprächsprotokollen ging derweil nicht einmal hervor, dass bezüglich des Vorwurfs überhaupt mit der Gekündigten gesprochen worden ist. »Das ist schwer darstellbar« Bereits nach der ersten Aussage legte die Kammer den Beteiligten eine gütliche Einigung nahe. Die Klägerin forderte eine Regelabfindung in Höhe von 28.000 Euro. Nach einer Unterbrechung der Verhandlung lehnte das Altenwohnheim ab. "Das ist im Außenverhältnis schwer darstellbar", erklärte der Anwalt. Aus einer zweiten Zeugenaussage ging hervor, dass selbst die Mitarbeitervertretung (MAV) des Altenwohnheims sich nie die Sichtweise der Beschuldigten angehört habe. In ihrem Urteil erklärte die Kammer die Kündigung daher für ungültig. "Entlastende Aussagen der Klägerin wurden bei der Kündigung nicht berücksichtigt", sagte Richter Joachim Kleveman. Das Altenwohnheim bot der Pflegekraft daraufhin zwar eine weitere Anstellung in Bielefeld an, diese lehnte sie jedoch ab. So wurde das Wohnheim zur Zahlung der geforderten Abfindung verurteilt.

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