Einsingen: Daniel Schneider (links) von der Rapschool NRW spricht mit den Kindern den Refrain des Klassen-Raps ein. - © Friderieke Schulz
Einsingen: Daniel Schneider (links) von der Rapschool NRW spricht mit den Kindern den Refrain des Klassen-Raps ein. | © Friderieke Schulz

Herford Viertklässler produzieren ihre eigene Rap-CD

Rap-Projekt: Vierte Klassen der Grundschule Obering lernen Hip-Hop-Kultur kennen

Friderieke Schulz

Herford. Harte Beats und schmissige Reime statt Mathe und Deutsch - so lautet an diesem Tag das Motto in der Klasse 4 b der Grundschule Obering. Gemeinsam mit Daniel Schneider von der Rapschool NRW nehmen die Grundschüler gerade eine Hip-Hop CD auf. Zeilen, Beats und die Umsetzung machen die Kinder selbst und auch über die Inhalte ihres Liedes können sie entscheiden. In dem durch Fördergelder finanzierten Projekt sollen dadurch spielerisch Sprachkenntnisse aber auch die Kommunikation der Kinder untereinander verbessert werden. "Hip-Hop ist einfach Jugendkultur Nummer eins", sagt Daniel Schneider von der Rapschool NRW aus Lage. Seit vielen Jahren betreut der 37-Jährige das Landesprogramm Kultur und Schule - mit Erfolg. "Das Projekt fördert die Lese- und Sprachfähigkeiten der Kinder und unbemerkt auch das Sozialverhalten", sagt Schneider. Demokratische Abstimmung über das Rap-Thema Einen Tag lang arbeitet der Rapper und Dozent für künstlerisch-kulturelle Arbeit mit den vierten Klassen an der Herforder Grundschule. "Vielleicht weiten wir das Projekt an der Grundschule Obering auch auf die dritten Klassen aus", sagt der 37-Jährige. "Ich höre Zuhause selbst viel Hip-Hop, deswegen freue ich mich sehr über das Projekt", verrät Karina. Die Neunjährige hat bereits einige Ideen für ihre Zeilen: "Aber noch fehlt mir der richtige Reim auf meinen ersten Satz." Mitschüler Micha ist bereits einen Schritt weiter. "Unsere Lehrerin schreibt die Tafel voll und wir sind laut, das ist nicht so toll", rappt der Zehnjährige sein Ergebnis. Dazu bewegt sich seine Hand - ganz im Hip-Hop-Stil - auf und ab. Klasse, Schule, Freundschaft aber auch Rassismus oder Party sind die Themen, die die Viertklässler beschäftigen. Demokratisch entscheiden sie, welches Thema es nun wird. "Unsere Klasse soll es sein, weil wir hier immer viel Spaß haben und im Unterricht viel Lachen können", sagt Pheline. "Daniel hat uns auch viel über Hip-Hop erzählt. Das war richtig spannend", verrät Maxine. Denn mit Gangster-Rap hat die Jugendkultur in ihrem Ursprung nur wenig gemein. "In den Wurzeln geht es um Grundwerte, wie zum Beispiel Respekt oder Zusammenhalt", weiß nun Antonio. Die Schüler schreiben die "Hook" Dann erklingen die Beats aus einem Lautsprecher - fünf stehen zur Auswahl. "Die sind alle cool. Es ist gar nicht so einfach, sich für einen zu entscheiden", sagt Simon. Der Neunjährige kämpft zudem noch mit einem anderen Problem: "Bei mir will sich einfach nichts reimen." Doch verzweifeln muss Simon nicht. Denn Klassenkameradin Pheline hat ihre Zeilen bereits fertig und kann ihrem Sitznachbarn helfen. Eine Weile später stehen die Zeilen und auch die Hook, so wird der Refrain im Hip-Hop genannt, ist bald geschaffen. Jetzt reiht sich ein Schüler nach dem anderen ein und spricht seine Verse in das Mikrofon. "Ich schneide sie später zusammen und brenne sie auf eine CD", verspricht Schneider den bereits jetzt ganz aufgeregten Schülern. Und auch Konrektorin Nele Strohmeier ist vom Projekt begeistert. "Wir haben das zum ersten Mal bei uns an der Grundschule gemacht. Es ist mal etwas anderes und bringt den Kindern enorm viel", weiß Strohmeier. Nicht nur für die Sprache sei das Projekt hilfreich: "Dass sie gemeinsam etwas schaffen, fördert die Gruppendynamik und zudem haben die Kinder nun auch ein tolles Erinnerungsstück an ihre Grundschulzeit." Doch noch ist das Projekt nicht vorbei. "Daniel kommt noch einmal wieder, um uns zu zeigen, wie man sich als echter Rapper auf der Bühne bewegt", sagt Karina und plant bereits ihre Karriere als Rapperin.

realisiert durch evolver group