Enger Leben mit dem zweiten Herzen

Ernst Kolbe wirbt um Vertrauen in Transplantationsmedizin

Enger. Skandale an deutschen Transplantationszentren wie in Regensburg oder zuletzt in Leipzig scheinen immer mehr Menschen davon abzuhalten, sich einen Spenderausweis zuzulegen. Im Jahr 2012 spendeten 1.046 Menschen Organe, das ist ein Rückgang von 12,8 Prozent. "Das ist schlimm. Ich bin sehr traurig über das, was da passiert ist", sagt Ernst Kolbe, der seit 17 Jahren mit dem zweiten Herzen lebt. "Ich bin dankbar für jeden neuen Tag."

Der 68-Jährige hofft, dass sich Menschen weiterhin zur Organspende bekennen, so wie auch er es selbst tut. Er möchte um Vertrauen werben. Ärzte, sagt Kolbe, seien schließlich auch nur Menschen "mit Ecken und Fehlern". Die betreffenden Mediziner hätten sicherlich auch gute Beweggründe für ihr Tun gehabt, vielleicht an die Angehörigen gedacht. "Prozentual gesehen ist es ein Bruchteil, der nicht korrekt gearbeitet hat. Deshalb sollte man nicht pauschal den ganzen Berufsstand verdammen", bricht er eine Lanze für die Mediziner, die ihm vor Jahren wieder zu einem lebenswerten Leben verholfen haben.

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"Ich hätte nie gedacht, dass so was geht", sagt Kolbe rückblickend. Mit 41 Jahren zwang ihn ein Herzinfarkt regelrecht in die Knie. "Bis dahin hielt ich mich für unkaputtbar", sagt er schmunzelnd. Plötzlich war nichts mehr so, wie es vorher war. "Ich konnte nicht mehr arbeiten, meine Herzleistung sank auf 17 Prozent. Wenn ich mich hinlegte, dachte ich immer, ich ersticke", beschreibt Ernst Kolbe, der bis dahin auf dem Bau tätig war.

Zehn Jahre zwischen Hoffen und Bangen mit Bypassoperationen folgten.

"Schließlich wurde ich am Herzzentrum in Bad Oeynhausen an eine Herzpumpe angeschlossen", berichtet er. "Doch die Hautöffnung entzündete sich, bei mir wurden gefährliche Keime festgestellt und ich hatte lange Zeit hohes Fieber", beschreibt er die damalige schlechte gesundheitliche Situation. "Die Ärzte konnten mir mit nichts mehr helfen als mit einem neuen Herzen."

Aber das musste erst gefunden werden. An einem Freitag sei eine Schwester ins Krankenzimmer gekommen. "Der Hubschrauber ist gerade losgeflogen, er holt Ihr neues Herz", habe sie gesagt. Da hatte er richtig Angst. "Ich dachte, dies ist jetzt das Ende", beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Als er aber am nächsten Tag aus der Narkose erwachte, konnte er wieder frei atmen.

"Da war gleich der Lebenswille wieder da. Es war ein völlig anderes, besseres Gefühl. Ich dachte, jetzt kann ich wieder leben", berichtet er. Auch der transplantierende Arzt habe ihm gratuliert und im lachend bestätigt: "Sie haben ein gutes Stück bekommen."

Im Herzzentrum hatte ihm der damalige Ärztliche Leiter, Dr. Reiner Körfer, nahe gelegt, einen Ausdauersport zu treiben. "Noch in der Klinik habe ich ein Bett-Fahrrad bekommen und gleich losgelegt." Natürlich immer angepasst an seine Krankheit und ohne sich zu überlasten. Später wurde Kolbe Mitglied im ADFC Bünde und gründete die Radgruppe im Generationentreff Enger. In den vergangenen Jahren hat er zusammen mit Gleichgesinnten und vor allem seiner Frau Monika viele Radtouren innerhalb Deutschlands, aber auch ins europäische Ausland unternommen. "Mein erstes Ziel nach der Transplantation war Venedig. Diese Stadt hatte ich schon mein ganzes Leben lang besuchen wollen."

Nach der Rückkehr von dort habe er sich bei seinen behandelnden Ärzten bedankt. "Eure Arbeit hat sich gelohnt", habe er ihnen gesagt. Jetzt sei es an ihm selbst, sein Herz zu pflegen. "Ich empfinde es als ein Geschenk, und ich habe es dankbar angenommen."OWL

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