Enger Leidenschaftlicher Tanz

Letzter Tango für 2012 im Kleinbahnmuseum / Profis aus Buenos Aires glänzten

Bárbara Wainnright muss sich ihrem Partner Mario de Camillis voll und ganz hingeben, während er sie mit bedachten Schritten übers Parkett führt. Ihr Können vermittelte die beiden Profis aus Argentinien in Workshops im Kleinbahnmuseum. - © FOTO: DOMINIKLENZE
Bárbara Wainnright muss sich ihrem Partner Mario de Camillis voll und ganz hingeben, während er sie mit bedachten Schritten übers Parkett führt. Ihr Können vermittelte die beiden Profis aus Argentinien in Workshops im Kleinbahnmuseum. | © FOTO: DOMINIKLENZE

Enger. Das betagte Pärchen verlässt den schummrig beleuchteten Zugwaggon. Beide sind in gebückter Haltung und grauer Kleidung. Doch als der vertraute Dreivierteltakt des Tango Argentino an ihr Ohr gelangt, richtet die Dame sich auf, streift die schwere Jacke ab und ihr feuerrotes Kleid, das sie darunter trägt, signalisiert: Der Tanz kann beginnen.

Die belebenden Kräfte von Musik und Tanz haben die Beiden wieder erstarken lassen. Eigentlich aber sind Mario de Camillis und Bárbara Wainnright in bestem Gesundheitszustand - sie sind ein professionelles Tango-Duo aus Buenos Aires. Das geschilderte Rollenspiel war der Auftakt zu ihrer Show, die sie am Samstagabend im Kleinbahnmuseum Enger präsentierten.

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Es war die letzte Milonga für dieses Jahr - dafür traten die argentinischen Profis nicht nur auf, sondern brachten Engeraner Tanzbegeisterten auch allerhand bei. "Es war sehr anstrengend, die beiden achten auch auf kleinste Nuancen und hängen die Messlatte sehr hoch", berichtet Organisator Christian Rothschild begeistert: "Aber so lernt man was."

Der Tango-Fan hat das Pärchen über gemeinsame Freunde direkt in Buenos Aires kennengelernt. Jährlich touren de Camillis und Wainnright durch Europa, geben Workshops und treten auf. Und so bat Rothschild sie, auch dem Kleinbahnmuseum einen Besuch abzustatten.

In ihrer Aufführung wechselten die beiden galant zwischen humorvollen, neckischen Rollenspielen und empfindsamen, romantischen Sequenzen, in denen de Camillis seine Partnerin sanft über das rötlich ausgeleuchtete Parkett führte.

Beide haben vor etwa 12 Jahren angefangen Tango zu tanzen. Die Arbeit im Engeraner Workshop hat ihnen gefallen, sie freuten sich über das große Interesse ihrer Schüler und, wie de Camillis betont, ganz besonders über die kulinarische Bewirtung.

Die Workshops richteten sich an Tango-erfahrene Tänzer, was den Gästen an diesem Abend anzusehen war: Elegant streifte eine Dame mit ihrem Unterschenkel das Bein ihres Partners hoch, dann stampfte sie rasch mit dem Fuß auf den Boden, mit ihren Absätzen nur Millimeter vom Fuß des Partners entfernt: Tango ist Präzisionsarbeit. "Eine gemeinsame Meditation zur Musik", findet Monika Saathoff. "Jeder Tänzer entwickelt eine eigene Körpersprache, einen eigenen Dialekt, den der Partner verstehen muss", erklärt sie: "Und Nähe, die man im Tanz erfährt, das ist etwas, was uns im normalen Alltag fehlt," schwärmt die Frau von Sinn und Wirkung des Tango Argentino.

Ein Blick in die Gesichter der tanzenden Paare bestätigt diesen Eindruck: Hochkonzentriert und angespannt sind sie zunächst, wohl wegen der schwierigen Schritte. Aber wenn die Partner ihre Harmonie gefunden haben, die Frauen in mal zierlichen, mal aufreizenden Bewegungen die Beine um die Herren schlagen, weicht die Anspannung aus den Gesichtern: Beide schließen ihre Augen, legen die Köpfe nah aneinander und alles scheint wie von selbst zu gehen.

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