Barock trifft Gegenwart: Tabea Schrenk (v.l.), Friederike Spangenberg, Ulrike Ködding und Daniela Gubatz brachten ihren Zuhörern alte Musik vom Hof Friedrichs des Großen näher. - © Foto: Jeannine Gehle
Barock trifft Gegenwart: Tabea Schrenk (v.l.), Friederike Spangenberg, Ulrike Ködding und Daniela Gubatz brachten ihren Zuhörern alte Musik vom Hof Friedrichs des Großen näher. | © Foto: Jeannine Gehle

Enger Konzert mit Berliner Schnauze im Engeraner Widukind Museum

Curzweyl Cabinett: Das Musikensemble „Maison Royale“ und „Busfahrer Andi“ bringen ihr Publikum zum Schmunzeln. Ungewöhnliches Konzertformat kommt gut an

Jeaninne Gehle

Enger. „Det war mal so’n richtiges Promidinner." Mit lockerer Berliner Schnauze erzählte Jana Heinicke als Potsdamer Busfahrer Andi aus dem Leben des „Alten Fritz" und von den Zusammenkünften im Schloss Sanssouci. Gemeinsam mit dem Musikensemble „Maison Royale" brachte sie dem Publikum im Widukind-Museum beim Curzweyl Cabinett am Freitagabend Friedrich den Großen und seine Leidenschaft zur Musik näher – auf eine Weise, die Alt und Jung begeisterte. „Wir waren auf der Suche nach Formaten jenseits von normalen Konzerten", berichtete die ursprünglich aus Enger stammende Flötistin Ulrike Ködding. Daraus entwickelte sich die Idee zu einem Musikvermittlungskonzept, bei dem barocke Musik auf eine modern und lustig erzählte Geschichtsstunde trifft. Geschichte auf spielerische Weise vermittelt „Wir vermitteln auf spielerische Weise Geschichte und transferieren sie in die Jetztzeit", erläuterte Jana Heinicke. Dass ausgerechnet ein Touribus-Fahrer dieser Vermittler sein soll, beschlossen die fünf Frauen bei einem ihrer Recherchewochenenden in Potsdam. „Da haben wir in so einem Bus gesessen und uns schlappgelacht", erinnerte sich Heinicke. Auch beim Engeraner Publikum kam die locker-schnoddrige Art von Busfahrer Andi gut an. Dabei sorgte Jana Heinicke mit den Geschichten und Anekdoten rund um den Alten Fritz nicht nur für Erheiterung, sondern brachte ihren Zuhörern auch gleich geschichtliche Fakten näher. So erfuhren sie, dass der König Schaufassaden vor die Häuser in Potsdam setzen ließ, um Besuchern eine schöne barocke Residenzstadt vorzugaukeln – auch wenn diese gar nicht mit dem Ursprungshaus zusammenpassten und die Fenster verdeckten. Motto des "Alten Fritz" noch immer gültig So gleichgültig er an dieser Stelle gegenüber den Bürgern war, so tolerant war er an anderer. „Brandenburg hatte die meisten Glaubensflüchtlinge", berichtete Jana Heinicke alias Andi. „Jeder soll nach seiner Façon selig werden" war das Motto des Alten Fritz. Ein Satz, der noch immer aktuell ist und das Ensemble zu der Aufforderung an das Publikum veranlasste, ihre Gedanken dazu aufzuschreiben. Immer wieder waren natürlich auch die Zusammenkünfte in Sanssouci Thema, bei denen sich Friedrich der Große dem sorgenfreien Leben und seinen Leidenschaften widmete. Wie der Musik, die Ulrike Ködding, Friedrike Spangenberg, Daniela Gubatz und Tabea Schenk mit ihren Instrumenten im Dachgeschoss des Widukind-Museums aufleben ließen. Ob Stücke von Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottlieb Graun oder Friedrich dem Großen selbst – das Musikprogramm hätte genauso im Schloss Sanssouci gespielt werden können. Meist fröhlich, mal ungewöhnlich oder auch schwermütig an Friedrichs Sorgen an der Front und den Vater erinnernd versetzten sie das Publikum in vergangene Zeiten. Lieder meisterhaft interpretiert Meisterhaft interpretierten die vier Musikerinnen die Lieder und stellten dem Publikum auch die Interpreten mit ihrer Bedeutung am Hof Friedrichs des Großen vor. Wie den Flötenlehrer Quantz, der die von Friedrich verfasste und in den Noten versteckte Notiz „Quantz ist ein Esel" mit den Worten „. . . und Friedrich der zweite" ergänzte. Eine Erwiderung, die sich wohl kaum ein anderer hätte erlauben können. „Diese Kombination: Die Erzählung im Berliner Slang hat einen richtig schön auf den Boden gebracht und dann die wunderbare Musik – wir sind ganz hin und weg", schwärmte Ulla Scheuer von dem kontrastreichen Konzertabend. Auch Hildegard Fleer war begeistert: „Das Konzert war sehr schön. Das können sie gerne nochmal wiederholen, wir kommen bestimmt wieder."

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