Wie im Orient: Die leuchtend bunten Stadtansichten hat Ingrid Podewski (r.) geschaffen. Angela Franke begrüßte die Gäste im Gerbereimuseum, Renate Köster gab eine Einführung (v.l.) und Jörn Bormann begleitete die Vernissage musikalisch. - © Foto: Martina Chudzicki
Wie im Orient: Die leuchtend bunten Stadtansichten hat Ingrid Podewski (r.) geschaffen. Angela Franke begrüßte die Gäste im Gerbereimuseum, Renate Köster gab eine Einführung (v.l.) und Jörn Bormann begleitete die Vernissage musikalisch. | © Foto: Martina Chudzicki

Enger Leuchtend bunte Quilts im Gerberei Museum Enger

Ausstellung: Ingrid Podewski zaubert mit Nadel und Faden farbstarke Bilder. Die Kunstform des „Artquiltings“ hat es in Deutschland noch immer etwas schwer

Martina Chudzicki

Enger. Wer dem tristen Novembergrau zumindest für einen Moment entfliehen wollte, der war am Sonntagmorgen in der Galerie des Gerbereimuseums genau richtig. Dort wurde im Beisein zahlreicher Gäste die Ausstellung „Quilts" von Ingrid Podewski eröffnet. Und deren textilen Objekte schwelgen in leuchtenden Farben und setzen einen wärmenden Kontrapunkt zum nasskalten Schmuddelwetter vor der Tür. Quiltkunst kam mit den Kreuzrittern nach Europa Quilts, so erläuterte Renate Köster, künstlerische Weggefährtin von Ingrid Podewski und selbst Quilterin, haben eine lange Tradition. Schon im 13. Jahrhundert wussten die Menschen in China die dreilagigen, wattierten Stoffstücke als wunderbar wärmende Kleidung oder Decken zu schätzen. Mit den Kreuzrittern gelangte die Quiltkunst nach Europa und im 16. Jahrhundert mit den großen Auswanderungswellen schließlich nach Amerika, wo sie sich zu höchster Blüte entwickelte. Waren die gesteppten Decken zunächst reine Gebrauchsgegenstände, die überwiegend aus den Stoffen alter Kleidungsstücke entstanden, entwickelte sich das Quilten mit zunehmendem Wohlstand der Gesellschaften zu einer eigenständigen neuen Kunstrichtung. In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts griffen Künstler mit ihren „Artquilts" zeitgenössische Strömungen der angewandten Kunst auf, es gab in den USA sogar Lehrstühle für diese Kunstrichtung. So wie bildende Künstler ihre Werke mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand bringen, so Köster, würden Quilter ihre Kunst mit Nadel, Garn und Stoffen umsetzen und dabei manchmal auch bekannte Kunstwerke völlig neu interpretieren. In Deutschland, so bedauerte sie, sei diese Kunstform leider auch heute „noch immer etwas abgehängt". Motive sind so unterschiedlich wie die Stoffe Wer die Quilts von Ingrid Podewski betrachtet, mag das kaum glauben. Mit Nadel und Faden hat sie filigrane Kunstwerke geschaffen. Ihre Motive sind so unterschiedlich wie die Stoffe, die sie verwendet. Geometrische Formen wechseln sich mit orientalischen Stadtansichten ab, Vögel flattern in Fantasiegärten und in manchen Objekten scheinen sich Form und Farben geradezu aufzulösen. Die über die Motive gelegten Steppstiche – von Hand oder mit der Maschine – verleihen den Wandbehängen eine zusätzliche Dimension. Der von der Künstlerin bevorzugt verwendete Werkstoff Seide bringt viele Quilts im Wechselspiel von Licht und Schatten geradezu zum Leuchten. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Dezember jeweils samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Bereits heute Abend, so lud Angela Franke vom Gerbereimuseum die Gäste ein, bilden die Quilts eine beeindruckende Kulisse für eine Lesung. Ab 19.30 Uhr liest „Geraldino" aus dem Buch „Der Grabsänger". Eine Lesung mit musikalischen Einlagen für Jugendliche und Erwachsene, die trotz des irreführenden Titels „recht lustig" sein wird, wie Franke betonte.

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