Überglücklich: Seit vier Tagen sind Jochen Schlüter (l.) und Horst Raacke ein Ehepaar. Den Bund der Ehe haben sie mit besonderen Ringen besiegelt – den Enger-Ringen in blau und türkis. - © Foto: Andreas Sundermeier
Überglücklich: Seit vier Tagen sind Jochen Schlüter (l.) und Horst Raacke ein Ehepaar. Den Bund der Ehe haben sie mit besonderen Ringen besiegelt – den Enger-Ringen in blau und türkis. | © Foto: Andreas Sundermeier

Enger Zwei Engeraner Männer trauen sich

Horst Raack und Jochen Schlüter sind überglücklich, dass neues Gesetz ihnen die Ehe ermöglicht. Erste gleichgeschlechtliche Trauung in Enger

Martina Chudzicki

Enger. Seit 15 Jahren sind Jochen Schlüter und Horst Raack ein Paar. Dass sie sich in diesem Jahr gleich zweimal das Ja-Wort vor der Standesbeamtin in Enger geben würden, hätten sie bis vor einiger Zeit noch nicht zu träumen gewagt. Im Juli hatten sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet. Am vergangenen Mittwoch schlossen sie nun im Trauzimmer im Rathaus die Ehe – als erstes gleichgeschlechtliches Paar in Enger. "Doppelte" Hochzeit war nicht geplant  Geplant war die „doppelte Hochzeit" nicht. Eigentlich waren der Verwaltungsangestellte und der Künstler davon ausgegangen, dass der 7.7.2017 der wichtigste Tag in ihrem gemeinsamen Leben sein würde. „Doch dann wurde eine Woche vor diesem Termin im Bundestag das Gesetz verabschiedet, dass gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe ermöglicht", erinnert sich Jochen Schlüter. „Die Ehe wurde uns sozusagen auf dem Silbertablett serviert", ergänzt Horst Raack. Die geplante Feier zur Eintragung der Lebenspartnerschaft wollten beide aber so kurzfristig nicht mehr absagen. Das Trauzimmer an der Mühle war schließlich gebucht, die Location zur Feier angemietet, Familie und Freunde eingeladen. Und wann das soeben verabschiedete Gesetz tatsächlich in Kraft treten würde, stand ohnehin noch in den Sternen. Also gaben sich beide bei bestem Sommerwetter in einer bewegenden Verpartnerungszeremonie an der Liesbergmühle zum ersten Mal das Ja-Wort. Horst Raack ist noch immer berührt von der „sehr schönen und sehr persönlichen Ansprache" der Standesbeamtin Miriam Scharf, die einige Gäste zu Tränen rührte. Schon mit der eingetragenen Partnerschaft hatten Horst Raack und Jochen Schlüter nahezu die gleichen Rechte und Pflichten erhalten, wie sie in einer Ehe gelten. Allerdings: die Adoption von Kindern war damit nicht ohne weiteres möglich. Das ist mit der Eheschließung jetzt anders. Für die beiden Engeraner war das aber nicht der Grund, nach der Verpartnerung nun auch die Ehe zu schließen. „Familie war in unserer Lebensplanung nie ein Thema und mittlerweile wären wir dafür auch zu alt", sagt Jochen Schlüter. Jetzt aber das eigene Familienstammbuch in den Händen halten und den Partner als „meinen Mann" vorstellen zu können, war für beide dennoch sehr wichtig und die „Krönung unserer Partnerschaft". Vor allem aber war für beide Eheleute die Heirat ein „Schritt in die lange überfällige Normalität". Ein Schritt in die lange überfällige Normalität In anderen Ländern, so Jochen Schlüter, gebe es die Ehe für alle schon seit langem. In Deutschland habe es rund 30 Jahre gedauert, ehe sich die Gesellschaft nach und nach für das Thema Homosexualität geöffnet und die Politik jetzt endlich auch eine verbindliche Rechtsgrundlage für die gleichgeschlechtliche Ehe geschaffen habe. Dass es von der Verabschiedung des Gesetzes im Juli bis zur Umsetzung letztendlich nur wenige Wochen gedauert hat, hat nicht nur Horst Raack und Jochen Schlüter überrascht. Auch Dolores Adam vom Standesamt Enger sagt: „Es hat selten ein Gesetz gegeben, dass so schnell in Kraft getreten ist!" Und viele gleichgeschlechtliche Paare hätten ganz offensichtlich auf diesen Tag gewartet, wie die Anfragen zeigen würden. Das Gesetz, in dem die „Ehe für alle" festgeschrieben ist, ist seit dem 1. Oktober in Kraft. Das wusste Jochen Schlüter noch nicht, als er einen Tag danach im Rathaus anrief, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Als ihm Miriam Scharf in diesem Telefonat sagte, dass der Ehe nichts mehr im Wege stehe, machten er und sein Partner Nägel mit Köpfen. Zwei Tage später traten Horst Raack und Jochen Schlüter erneut vor die Standesbeamtin – um acht Uhr am Morgen und diesmal ganz allein. Eine Zeremonie ganz „kurz und schmerzlos" und doch unendlich wichtig für beide. Noch einmal gaben sie sich das Ja-Wort und tauschten erneut die Ringe. Die sind übrigens etwas ganz Besonderes: Es sind die Enger-Ringe, verziert mit Motiven der Widukindstadt. Das frisch gebackene Ehepaar ist erst Anfang des Jahres aus Bielefeld zurück in die Heimatstadt von Jochen Schlüter gezogen. „Mit unseren Eheringen drücken wir auch unsere Verbundenheit zu der Stadt Enger aus!"

realisiert durch evolver group