Ungewohntes Design: Die neue, elektronische Sirene auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses Enger, die der stellvertretende Feuerwehrchef Arndt Höpker inspiziert, ist wesentlich lauter und leistungsstärker als das alte Modell. - © Foto: Ekkehard Wind
Ungewohntes Design: Die neue, elektronische Sirene auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses Enger, die der stellvertretende Feuerwehrchef Arndt Höpker inspiziert, ist wesentlich lauter und leistungsstärker als das alte Modell. | © Foto: Ekkehard Wind

Enger Enger setzt auf Sirene mit Power

Alarm: Warnung der Bevölkerung vor besonderen Gefahrenlagen auf stationäre Sirenen. Spenger Bürgermeister kritisiert das Land NRW

Ekkehard Wind

Enger/Spenge. Aus der Entfernung wirkt das silberne Ding auf dem Feuerwehrgerätehaus wie eine Skulptur. Um Kunst am Bau handelt es sich aber eher nicht. Bei näherem Betrachten entpuppt sich das silberne Gebilde als Sirene der modernen Art. Der neue elektronische Heuler auf dem Dach ersetzt die gute alte Tellersirene alter Bauart. Früher gab es flächendeckend Alarmsirenen im Land. Nach Ende des kalten Krieges verschwanden in manchen Städten die Warnsysteme von den Dächern. In letzter Zeit erleben die Sirenen vor allem bei Katastrophenschützern wieder eine Renaissance. Denn die Heuler sollen die Menschen bei Gefahrenlagen – etwas einer giftigen Rauchwolke oder anderen Ereignissen – warnen. Gewarnt wird vor Großschadenlagen Die Stadt Enger hat ihre alten Sirenen über die Jahre behalten. „Wir sind ganz gut aufgestellt", sagt Arndt Höpker. Die einzige Sirene, die seines Wissens abgebaut worden sei, sei die in Belke-Steinbeck am alten Sportplatz am Brillweg gewesen, sagt der stellvertretende Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Enger. „Früher waren die Sirenen wichtig, um die Feuerwehrleute bei einem Brand zu alarmieren", erklärt Engers Feuerwehrchef Michael Rogowski. Heute würden die Einsatzkräfte über Meldeempfänger still alarmiert. Zur Warnung bei Großschadenslagen – ob Chemie-oder Reaktorunfall – würden jetzt wieder viele Kommunen auf die guten alten Sirenen zurückgreifen. Alarmiert durch die Sirenen, könnten sich die Menschen in der konkreten Situation über Radio oder die Warn-Apps „Kat-Warn" oder „Nina" weiter informieren, so Höpker. Auf dem Feuerwehrgerätehaus an der Ringstraße in Enger-Mitte hat die Stadt unlängst die gute alte Teller-Sirene durch eine moderne, elektronische Sirene ersetzt. „Sie sieht wirklich etwas futuristisch aus, ist deutlich lauter als das alte Modell und der Schall breitet sich besser aus", beschreibt Höpker die Vorzüge. Teller-Sirenen alter Bauart gibt es noch in Pödinghausen (Feuerwehrgerätehaus), Westerenger (altes Diakoniegebäude), Dreyen (Feuerwehrgerätehaus) und in Belke-Steinbeck/Besenkamp am Feuerwehrgerätehaus am Minden-Weseler-Weg. Zusätzlich verfügt die Engeraner Wehr über eine neue, mobile Sirene, die auf einem Einsatzwagen befestigt werden kann. „Damit können wir durch Straßen fahren und auch Durchsagen machen", erläutert Höpker. Sirenen kein Modell der Zukunft? In Spenge hingegen sind die alten Sirenen bereits vor vielen Jahren abgebaut worden, weil man sie nicht mehr brauchte. „Die Sirenen sind nicht das Modell der Zukunft", sagt Bürgermeister Bernd Dumcke. „Wer weiß denn heute noch, was die Warntöne bedeuten." Zwar habe die Stadt mobile Sirenen angeschafft. Er setze aber eher auf moderne Technik wie Warn-Apps – Kat-Warn oder Nina –, die über das Smartphone funktionieren würden. Kritik über der Bürgermeister am Land: Es schiebe eine Aufgabe an den Kreis und die Städte ab, wobei die Zuständigkeit nicht einmal klar geregelt werde, und gebe dafür „nur ein paar Finanzmittel". Nach Angaben von Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer setzen im Kreisgebiet nur Spenge und Kirchlengern nicht auf stationäre Sirenen. Mobile Systeme sind nach seiner Meinung eher eine Ergänzung der stationären Anlagen. „Ein flächendeckendes, leistungsstarkes Sirenenwarnsystem im Kreis wäre sicherlich gut", sagt Hackländer. „Aber letztlich entscheidet jede Kommune für sich allein." Konzept mit mehreren Warnstufen Wünschenswert ist nach den Worten des Kreisbrandmeisters ein Warnkonzept, in dem festgelegt wird: wer, wann und in welcher Form alarmiert. Hackländer: „Es muss in dem Konzept mehrere Warnstufen geben. Zudem ist es sinnvoll, einheitliche Durchsagetexte zu erarbeiten." Radiodurchsagen und Warn-Apps gehören für Hackländer neben den Sirenen zu einem Gesamtkonzept. Und das Wichtigste: Das System muss für den Bürger nachvollziehbar sein, damit er genau weiß, was er bei Sirenenalarm zu tun hat.

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