Bei Wellmann stehen, bis ein Investor gefunden ist, die Bänder still. - © Andreas Sundermeier
Bei Wellmann stehen, bis ein Investor gefunden ist, die Bänder still. | © Andreas Sundermeier

Enger Bei Wellmann stehen die Bänder still

Investorensuche erfolglos: Angeschlagener Küchenmöbelhersteller der Alno-Gruppe nimmt keine Bestellungen mehr an. „Am 1. Oktober heißt es hopp oder topp“

Andreas Sundermeier

Enger/Pfullendorf. (nw/-as). Bei Wellmann stehen die Bänder still. Weder in Enger noch bei den anderen AlnoTöchterbetrieben werden derzeit neue Bestellungen aufgenommen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Rechtsanwalt Martin Hörmann hervor. Betroffen von dieser Zwangspause sind bei Wellmann 450 Mitarbeiter. Hörmann lässt mitteilen, dass die Produktion ab sofort „vorübergehend, bis ein neuer Investor oder neue Investoren im Zuge des strukturierten Bieterprozesses gefunden sind", ruht. Gleiches widerfährt derzeit der Alno-Tocher pino in Coswig. „Ich bedauere diese Entwicklung sehr, da die Sanierung und ein möglicher Neubeginn unter diesen Rahmenbedingungen deutlich erschwert werden. Gleichwohl werden mein Team und ich alles tun, um eine Fortführungslösung zu finden, Arbeitsplätze zu erhalten und die Interessen der Gläubiger bestmöglich zu wahren", betont der vorläufige Insolvenzverwalter der Alno-Gesellschaften. Bieterprozess Nun soll der bereits Mitte August gestartete Bieterprozess forciert werden, damit kurzfristig ein neuer Investor oder neue Investoren gefunden werden. Mit neuen Investoren wäre der Weg frei für einen Neubeginn. Ob es dazu kommt, bezweifelt derzeit der Gewerkschaftssekretär Frank Branka. Er weist darauf hin, dass das Insolvenzgeld bis zum 1. Oktober gezahlt wird. Von da ab müsste der Insolvenzverwalter die Mitarbeiter bezahlen. Und das geht nur, wenn die Produktion läuft. „Schon in den letzten Wochen", sagt Branka, „standen die Bänder oft still." Er sieht lediglich eine Chance für Wellmann, wenn der Insolvenzverwalter kurzfristig Investoren findet.  Fokus auf dem laufenden Verkaufsprozess Oder aber einen Käufer. Denn: „Nachdem zahlreiche intensive Gespräche des Insolvenzverwalters und seines Teams mit den wichtigsten Kunden und Lieferanten über eine Lösung zur Finanzierung des Geschäftsbetriebs kurzfristig nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten, liegt der Fokus nunmehr auf dem laufenden Verkaufsprozess", teilt das Büro des Insolvenzverwalters mit. Dabei wäre es möglich, dass sowohl die ganze Gruppe als auch einzelne Unternehmensteile einen Käufer finden. Nach Brankas Einschätzung heißt es am 1. Oktober „hopp oder topp". Ob, und wenn ja, in welcher Höhe, überhaupt Investoren oder Käufer bereit seien, bei Alno – oder Wellmann – einzusteigen, mag der Gewerkschaftssekretär nicht einzuschätzen. „Und wenn, dann gilt da die Verschwiegenheitspflicht." Hochdruck Derweil schreibt das Büro von Martin Hörmann zur Entwicklung der aktuellen Situation: „In dem komplexen und äußerst schwierigen Insolvenzverfahren des Küchenherstellers Alno und seiner Töchter, der Gustav Wellmann GmbH & Co. KG, der pino Küchen GmbH sowie der Alno Logistik & Service GmbH versucht der vorläufige Insolvenzverwalter unter Hochdruck eine Investorenlösung zu finden." Ungeachtet dessen versuche die Insolvenzverwaltung weiterhin, mit interessierten Kunden Möglichkeiten auszuloten, um eine individuelle Lösung zur Behebung der Fehlteileproblematik zu finden. Gutes Werk mit guten Arbeitern Erst Ende August stand fest, dass der angeschlagene Küchenmöbelhersteller Wellmann in Enger doch nicht – wie ursprünglich geplant – in Eigenregie saniert werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Martin Hörmann von der Kanzlei „anchor Rechtsanwälte" als vorläufiger Insolvenzverwalter das Ruder übernommen. Frank Branka sagt: „Hier bei Wellmann gibt es ein gutes Werk mit guten Produkten und motivierten und sehr guten Mitarbeitern." Und er wagt eine Hoffnung: „Derzeit ist Möbelorderwoche. Wenn ein Hersteller hier vorbeikommt und expandieren will, könnte er ab Montag dort sehr gute Küchen produzieren lassen."

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