Weg mit der Plastikflasche: Lena Vanessa Niewald setzt eine Woche auf Glasflaschen – nur ein kleiner Teil ihres Zero-Waste-Experiments. - © Lena Niewald
Weg mit der Plastikflasche: Lena Vanessa Niewald setzt eine Woche auf Glasflaschen – nur ein kleiner Teil ihres Zero-Waste-Experiments. | © Lena Niewald

Enger/Spenge Zero Waste: Tschüss Plastik, mach’s gut - eine Woche ohne

Zero Waste – kein Müll (1): Eine Woche lang versucht NW-Volontärin Lena Vanessa Niewald kaum Abfall zu produzieren

Lena Vanessa Niewald

So schwer kann es ja nicht sein. Das ist mein erster Gedanke, als ich vom Zero-Waste-Trend höre. So wenig Müll wie möglich produzieren, um die Umwelt zu schonen. Vor allem auf Plastik verzichten. Das sollte ich hinbekommen. Jetzt stehe ich vor dem Supermarktregal. In der Hand habe ich meinen Jutebeutel. Meinen ersten Gedanken verwerfe ich ganz schnell wieder. Es ist schwer. Verdammt schwer sogar. Auf meiner Einkaufsliste steht Joghurt. Mein Blick schweift durch das Regal. Das Einzige, was ich sehe, ist Plastik. Plastikdeckel, Plastikbecher, überall Plastik. Ganz oben entdecke ich ein Glas, das Einzige auf über fünf Meter Joghurtregal. Ich packe es ein. Weiter geht’s zum Nudelregal. Der gleiche Anblick. Hundert verschiedene Nudelsorten, schön verpackt in Plastiktüten. Wieder kommt nur eine Sorte für mich infrage. Die in der Pappverpackung. »Die Zahnpasta hat mit Frische nichts zu tun« Der Einkauf wird zu einer echten Herausforderung. Über eine Stunde brauche ich dafür. Normalerweise bin ich nach einer halben Stunde wieder aus dem Laden. Jetzt stehe ich minutenlang vor den Regalen, verzweifelt auf der Suche nach plastikfreien Zonen. Unmöglich wird’s an der Fleischtheke. „Ich habe meine Tupperdose dabei, können Sie mir das Hack direkt hineinfüllen?" Die Verkäuferin schüttelt den Kopf. „Das dürfen wir aus hygienischen Gründen nicht, tut mir leid", sagt sie und packt meine 100 Gramm Rinderhackfleisch zuerst in eine Folie und dann noch mal in eine Tüte. Viel landet am Ende nicht in meinem Einkaufswagen. Aber immerhin kaum Plastik. Dafür muss ich jetzt ordentlich schleppen. Milch im Glas, Joghurt im Glas, Apfelmus im Glas. Und natürlich auch Wasser im Glas. Zahnpasta mische ich mir selbst Worauf ich dieses Mal verzichtet habe: Zahnpasta und Haarshampoo. Das mische ich mir Zuhause selbst. Zahnpasta aus Kokosöl und Backpulver, Haarshampoo aus Roggenmehl und Tee. Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Einen halben Tag brauche ich für alle Vorbereitungen. Die erste Erkenntnis: Von jetzt auf gleich funktioniert Zero Waste wohl nicht. Und ob das so eine gute Idee war, wage ich mittlerweile auch zu bezweifeln. Am nächsten Morgen landet statt der gewohnten frischschmeckenden Zahnpasta nun also meine selbstkreierte Kokoszahncreme auf meiner Naturborsten-Zahnbürste. Von Schaum keine Spur. Von Frische noch weniger. Und vom Geschmack ganz zu schweigen. Nach drei Minuten spucke ich die Creme wieder aus. Ich habe das Gefühl, als hätte ich mir die Zähne gar nicht geputzt. Bei den Haaren wird es nicht besser. Die Mehlmischung klebt in meinen Händen und duftet nach Tee. Damit soll mir jetzt wirklich die Haare waschen? Von Waschen kann man tatsächlich nicht sprechen. Krampfhaft versuche ich, die Mischung in mein Haar einzumassieren. Mit einem Frischegefühl hat auch das nichts zu tun. »Ich hätte gerne beide Brötchen auf die Hand« Zum Frühstück gibt es heute kein Müsli. Eine Sorte ohne Plastikverpackung gab’s nicht. Zumindest nicht in den herkömmlichen Supermärkten. Ich laufe zum Bäcker und hole mir zwei Brötchen. „Ich brauche keine Tüte, ich nehme das so auf die Hand", sage ich zur Verkäuferin. Sie reicht mir mein Milchhörnchen und greift zur Tüte, um das zweite Brötchen hineinzupacken. „Nein", sage ich, „ich möchte beide Brötchen auf die Hand." Die Verkäuferin guckt irritiert, sagt aber nichts. Danke. Immerhin habe ich jetzt etwas zu essen. Langsam läuft der Tag an. An die Glaswasserflaschen habe ich mich schnell gewöhnt, an den Joghurt aus dem Glas auch. An den Verzicht auf Kaugummis nicht. Immer wieder will ich zur Plastikdose greifen. Meine Kollegin ruft: „Du ziehst das jetzt durch". Alles klar. Keine Kaugummis aus der Plastikdose. Lieber überlege ich mir, was ich heute Abend einkaufen muss. Den Jutebeutel habe ich dabei. Er wird mein Wochenbegleiter sein. Bevor ich zum erneuten Plastikkampf in den Supermarkt aufbreche, muss eine Alternative zur selbstkreierten Zahnpasta her. Damit werde ich mir nicht noch mal die Zähne putzen. Es heißt oft, alles sei Gewöhnungssache. Das definitiv nicht.

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