Frank Hein (hinten v.l.), Doris Hagemeier, Lieselotte Kirchhoff, Dirk Janssen, Udo Wohlfeil, Gerda Hein und Dimitri Moraru (vorne) freuen sich über einen erfolgreichen Abend. - © Carina Cremer
Frank Hein (hinten v.l.), Doris Hagemeier, Lieselotte Kirchhoff, Dirk Janssen, Udo Wohlfeil, Gerda Hein und Dimitri Moraru (vorne) freuen sich über einen erfolgreichen Abend. | © Carina Cremer

Enger Lesung auf der Kulturdeele in Enger

Geschichten aus dem Leben gegriffen: Autorengruppe „Federkiele“ stellt Programm vor

Carina Cremer

Enger. Jeder Mensch ist im Verlauf seines Lebens einmal auf der Suche nach etwas. Man kann die verschiedensten Dinge auf vielfältige Art und Weise suchen. Die Schreibwerkstatt „Die Federkiele" stellte in der Kulturdeele von Holger Grabbe und Wera Kiesewalter ihre literarischen Umsetzungen zum Thema „Auf der Suche nach. . ." vor. In 22 kurzen Werken lasen die sechs Autoren einen Teil ihrer Arbeiten vor. Seit mehr als zehn Jahren verfassen sie Texte. Mit einer anfänglichen Gruppenperformance, stellten die Künstler ihr Thema vor. Dabei näherten sie sich der Frage, was man alles suchen kann. Abwechselnd wurden Motive wie etwa Freundschaft, Liebe und Glück genannt. Zwischen den Texten spielte Dimitri Moraru auf dem Akkordeon. Dafür habe er die Stücke teilweise passend zu den Texten selbst komponiert, wie Frank Hein erklärt. Seit zwei Jahren unterstützt er sie Autoren bei ihren Auftritten. Mit Hilfe von Requisiten und ihren künstlerischen Performances hauchten die Schreiber ihren Texten Leben ein. Mit einer Geschichte über einen Maulwurf, an dem sich ein Gartenliebhaber bitterlich rächen will, veranschaulichte Udo Wohlfeil in seiner Ballade „Todesstrafe" mit einer selbst gestalteten Maulwurfsfalle und einem kleinen Stoffmaulwurf seinen Text. Dirk Janssen nahm in seinen Werken Bezug auf Ostfriesland und trug passend dazu eine Mütze aus dem Norden. Über die "Altersschusseligkeit" Auch in dem Dialog „Partnersuche" von Frank Hein und Doris Hagemeier kamen ein Telefon und ein auffälliger Hut zum Einsatz, der den Charakter einer extravertierten Witwe noch unterstrich. Frank Hein las das Gedicht „Altersschusseligkeit" von Heinz Sültrop vor, der Gründungsmitglied der Federkiele ist, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auftreten kann. Liselotte Kirchhoff stellte ihre Geschichte „Parkbank" mit dem Motiv Anerkennung vor. Am Ende sang Gerda Hein ihren Text „Vorwärts gelebt" mit dem Hintergrund der Erinnerung. Dabei wurde sie von ihrem Mann an der Gitarre begleitet. Den Abschluss bildete eine erneute Gruppenperformance. Grabbe und Kiesewalter begrüßten am Anfang die Gäste in ihrer Kulturdeele, die sich am Abend der Lesung gut füllte. „Der Name der Schreibwerkstatt ist etwas ausgefallen und als Begriff heute kaum noch bekannt", wie Kiesewalter den Zuhörern sagte. Als Schreibwerkzeug kenne man häufiger noch den Griffel. Der Federkiel aber sei schon etwas außergewöhnlicher. Der Name prägt die Schreibwerkstatt Zuerst hätte die Gruppe gar keinen Namen gehabt. Nach einigem Überlegen einigten sie sich dann auf den Vorschlag „Federkiele" ihres Gründungsmitglieds Günther Leupold. Er habe die Schreibwerkstatt immer sehr geprägt und zusammengehalten. Nach dem Tod von Leupold, hätte sich die Gruppe fast aufgelöst. Seine Frau Renate Leupold setzte sich für die Erhaltung der Werkstatt ein. Heute agiere sie hinter den Kulissen und stehe der Gruppe mit Rat und Tat zur Seite, berichtete Gerda Hein. Die Themen der Federkiele umfassen ein weites Spektrum, wie Frank Hein erklärte. „Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem Repertoire", sagte er. Beim Schreiben sei jedes Mitglied frei in der Ausgestaltung der Werke. „Jeder versucht sich dem Thema anzugleichen, aber generell ist es offen", so Wohlfeil. Damit am Ende aus den einzelnen Texten ein rundes Programm wird, sprechen die Mitglieder über ihre Werke. „Dass man darüber spricht ist sehr hilfreich, aber es gibt niemals niedermachende Kritik", sagte Gerda Hein. Frank Hein fügte hinzu: „Aber wir sind deutlich und offen". Vor den Auftritten proben die Autoren alle ein bis zwei Wochen, sonst träfen sie sich nur alle vier bis zwölf Wochen im „Haus Werther". Zwischendurch würden die Treffen auch abwechselnd bei Mitgliedern stattfinden. „Das ist immer sehr persönlich und schön", betonte Gerda Hein.

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