Das Ensemble Stimmwerk: Christian Altenhein (v.l.), Florian Altenhein, Bert Bexte, Matthis Harhoff und Ales Alteinhein musizierten auf mittelalterlichen Instrumenten und der Kleidung jener Zeit in der Stiftskirche - © Stefanie Boss
Das Ensemble Stimmwerk: Christian Altenhein (v.l.), Florian Altenhein, Bert Bexte, Matthis Harhoff und Ales Alteinhein musizierten auf mittelalterlichen Instrumenten und der Kleidung jener Zeit in der Stiftskirche | © Stefanie Boss

Enger Pfingstmatinee in der Stiftskirche bietet Musik vom Mittelalter bis zum Barock

Das Ensemble Stimmwerk überraschte mit heiteren Tanzbässen. Posaunen und Cembalo setzten opulente Kontrapunkte

Stefanie Boss

Enger. Das Anliegen der Pfingstmatinee sei es immer gewesen, die Generationen und Jahrhunderte zu vereinen und zu verbinden, sagte Christoph Ogawa-Müller, der diesen besonderen musikalischen Genuss für den Verein Enger Impulsiv organisiert hatte. Zu den traditionellen barocken gesellten sich am Pfingstsonntag diesmal auch mittelalterliche Klänge. Diese stammten vom Ensemble „Stimmwerk", welches Christoph Ogawa-Müller durch Verbindungen aus seinem musikalischen Wirken bekannt war. Zur Pfingstmatinee hatte er die Musiker um Ensemble-Leiter Alex Altenhein eingeladen, „weil die Idee die Historie ist und ich es besonders passend fand, da wir momentan auch in Sachen Mathilde unterwegs sind". Mit der Musik käme man dieser Figur zeitlich ein wenig entgegen. Angefangen bei Stücken aus dem frühen 13. Jahrhundert, arbeitete sich das Ensemble musikalisch vor in die Epoche der Renaissance, präsentierte unter anderem Bearbeitungen von Tänzen von Michael Praetorius und die „Bergamasca". „Wir haben uns den Tanzbässen aus Mittelalter und Renaissance verschrieben, die auch Raum zu Improvisationen lassen", erläuterte Alex Altenhein. Mit Flöten, begleitet von Zupf- und Percussion-Instrumenten, zeigte das Ensemble „Stimmwerk" sein musikalisches Spektrum und zog auch Verbindungen zum vorangegangenen Pfingstgottesdienst. Dabei wirkten auch zwei Musikschüler von Alex Altenhein mit. „Musik wird immer populärer, doch diese beiden haben bewiesen, dass das Alte nicht obsolet ist", freute sich Christoph Ogawa-Müller. Anschließend folgte der barocke Teil der Pfingstmatinee, die wetterbedingt leider nicht vor der Kulisse der Stiftskirche stattfand, sondern im Kircheninneren. Zum Bläsertrio mit Christoph Ogawa-Müller, Florian Darm und Hendrik Grothaus, die alle drei dem Engeraner Posaunenchor angehören, stieß später der Soloposaunist des Landestheaters Detmold, Matthias Weiß. In stilechten barocken Kostümen präsentierten sie Werke von Orlando di Lasso über Antonio Vivaldi bis hin zu Valentin Rathgeber. Sonate von Benedetto Marcello Auch das für die Barockzeit typische Instrument, das Cembalo, durfte bei der Pfingstmatinee natürlich nicht fehlen. Kumiko Ogawa-Müller brachte es mit drei Sätzen aus der Französischen Suite von Johann Sebastian Bach zum Klingen. Den Abschluss des Konzerts gestaltete sie am Orgelpositiv zusammen mit Soloposaunist Matthias Weiß und einer Sonate von Benedetto Marcello. Der Posaunenpart war ursprünglich für ein Cello geschrieben. Weiß setzte die Musik virtuos auf der Posaune um. "Papa, zieh mir den Schuh an" Das war umso beeindruckender, als dass er sich bei diesem schwierigen Stück auch nicht von seinem vierjährigen Sohn irritieren ließ, der unbefangen um ihn herumwuselte und den musizierenden Papa bat, ihm doch seinen Schuh anzuziehen . . . Die Pfingstmatinee hat in Enger eine Jahrzehnte andauernde Tradition. Vor etwa 40 Jahren, so Christoph Ogawa-Müller, war sie von Stefan und Andreas Hellinge, den Söhnen des Engeraner Künstlers Eberhard Hellinge, initiiert worden. Seitdem wird alle zwei Jahre dazu eingeladen.

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