Fröhlich oder unmöglich?: Der orangefarbene Teilanstrich des Rathauses spaltet die Engeraner in entschiedene Gegner der Farbwahl und entspannte Befürworter. Die neueren Gebäudeteile des Rathauses wie der Eingangsbereich rechts bleiben dezent beige-braun. - © Foto: Martina Chudzicki
Fröhlich oder unmöglich?: Der orangefarbene Teilanstrich des Rathauses spaltet die Engeraner in entschiedene Gegner der Farbwahl und entspannte Befürworter. Die neueren Gebäudeteile des Rathauses wie der Eingangsbereich rechts bleiben dezent beige-braun. | © Foto: Martina Chudzicki

Enger Stimmen Sie ab: Gefällt Ihnen die neue Rathausfarbe?

Die Stadtverwaltung wird bunt: Neuer Anstrich spaltet die Gemüter. Die einen beklagen eine Geschmacksverirrung, die anderen loben den fröhlichen Farbton

Martina Chudzicki

Enger. Wow – das knallt so richtig rein! Das Rathaus in Enger wird zur Zeit saniert und erhält auch einen neuen Anstrich. Und der hat es – zumindest in Teilbereichen – in sich: ein leuchtendes Orange! Je weiter die Sanierungsarbeiten voranschreiten, desto farbenfroher wird das Rathaus. Genauso bunt ist mittlerweile auch die Diskussion in der Bevölkerung über die gewagte Farbwahl. In der Facebook-Gruppe „Du lebst schon lange in Enger . . .“ reichen die zahlreichen Kommentare von „Geschmacksverirrung“ bis zu „Ich find’s gut. Das ist wenigstens mal eine fröhliche Farbe . . .“. Allerdings sind die Befürworter – noch – deutlich in der Minderheit. Und auch aus dem Rathaus selbst ist zu hören, dass die Farbwahl unter den Mitarbeitern sehr kontrovers diskutiert wird. Bürgermeister Thomas Meyer sieht angesichts der Diskussion allerdings nicht rot, sondern bleibt entspannt: „Ich finde die Farbe gut!“ Orange gestrichen werde ausschließlich der alte und nun energetisch sanierte Teil des Gebäudes. „Und so kann jeder gleich sehen, dass sich hier etwas getan hat. Der älteste Teil des Rathauses wird deutlich hervorgehoben, denn die neueren Anbauten bleiben weiterhin weiß.“ Und mehr möchte der Rathauschef auch nicht in die Farbwahl, die von Mitarbeitern aus verschiedenen Ämtern und ihm einmütig getroffen sei, hineininterpretiert wissen. „Wir wollten weder provozieren noch einen hohen Wiedererkennungswert für das Rathaus erreichen“, sagt Meyer. Viele User der Internetseite „Du lebst schon lange in Enger . . .“ sehen das etwas anders. „Hoffentlich nur die Grundierung“, schreibt einer. „Villa Kunterbunt“, nennt ein anderer das farbige Rathaus. „Orange ist immer eine Warnfarbe. Da würde ich mir mal Gedanken drüber machen“, unkt der Nächste. Und wieder einer überlegt, ob wohl der Dalai Lama demnächst zu Besuch käme. Immerhin: Orange ist die Farbe des Buddhismus und gilt dort als Farbe der höchsten Stufe der menschlichen Erleuchtung. Vielleicht also gar nicht die schlechteste Wahl für ein Haus, in dem so viele wichtige Entscheidungen für die Menschen in Enger getroffen werden . . . In der Farblehre gilt Orange darüber hinaus als Kraftspender und repräsentiert vitale Stärke und Aktivität. Sie soll die Stimmung heben, locker machen und jeden aktivieren. Und zu guter Letzt gilt Orange als Farbe der fröhlichen offenen Begegnung. Ob sich das Entscheidungsgremium da nicht vielleicht doch etwas mehr als zugegeben gedacht hat? Auf alle Fälle findet so mancher Engeraner die Farbe auch fröhlich. „Mal was anderes“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. „Das täte unseren Städten insgesamt mal ganz gut!“ Und ein anderer schreibt: „Find ich jedenfalls besser, als wenn es weiß geworden wär. Is’ so langweilig und emotionslos.“ Dieser Meinung ist auch Tayfun Azmanlar. Der Malermeister hat mit seinem Team die Rathausfassade gestrichen und findet die neue Farbe „erfrischend“. Die Farbwahl sei zwar durchaus „mutig“ gewesen. Aber nach so vielen Jahren tue eine Veränderung auch mal gut. „Das ist doch besser als immer nur das trostlose grau und weiß“, sagt auch er. Und er verspricht: „Irgendwann werden sich die Augen der Engeraner an die Farbe gewöhnt haben!“ So wie an das „blaue Haus“ der Seniorenwohnanlage Jürging’s Hof und das blasse Grün der städtischen Bibliothek. Spätestens bis zum Kirschblütenfest am letzten Aprilwochenende sollen die Gerüste für die Maler übrigens abgebaut sein, verspricht der Bürgermeister. Dann kann sich jeder Engeraner ganz unverstellt einen eigenen Eindruck vom neuen Rathaus machen.

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