Dort liegt das Land: In die Türkei fliegen Menschen aus Enger und Spenge immer seltener, berichtet Christian Röhr vom Reisebüro Enger. Foto: Kai-Sören Kerkhoff - © Kai-Sören Kerkhoff
Dort liegt das Land: In die Türkei fliegen Menschen aus Enger und Spenge immer seltener, berichtet Christian Röhr vom Reisebüro Enger. Foto: Kai-Sören Kerkhoff | © Kai-Sören Kerkhoff

Enger/Spenge Türkeireisen auch in Enger und Spenge weniger gefragt

Trotz niedriger Preise: Urlauber suchen sich andere Ziele. Grund ist die angespannte politische Lage in dem Land

Kai-Sören Kerkhoff

Die Vorfreude auf Sonne, Strand und Meer steigt – in den ersten Monaten des Jahres kümmern sich viele Deutsche um ihre Urlaubsplanung. Doch wohin soll die Reise gehen? In die Türkei? Für viele Menschen aus Enger und Spenge wird das Land als Urlaubsort immer unbeliebter, wie örtliche Reiseexperten berichten. Doch es gibt einen Punkt, der für einen Flug in die Türkei spricht. „Reisen in die Türkei sind bei uns deutlich zurückgegangen“, sagt Christian Röhr vom Reisebüro Enger. Bereits seit Anfang des vergangenen Jahres seien die Buchungen rückläufig. „Seit dem Start ins neue Jahr sind sie aber noch stärker gesunken.“ Und der Reiseplaner nennt Zahlen: „Früher lag die Auslastung der türkischen Hotels im Durchschnitt bei 80 bis 90 Prozent, jetzt liegt die Quote bei 20 bis 40 Prozent.“ Auch Nicola Filges vom Spenger Reisebüro Wiegmann berichtet von schwächelnden Buchungszahlen. Als Grund nennt sie die angespannte politische Lage im Land. Und ihr Kollege aus Enger betont: „Die Sicherheit am Urlaubsort spielt für viele Reisende eine ganz wichtige Rolle.“ Das Auswärtige Amt in Berlin rät sogar zur Besonnenheit bei Reisen in die Türkei: „Landesweit ist mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen“, heißt es auf der Internetseite der Behörde. Besonders im Zuge des Wahlkampfes zum Verfassungsreferendum Mitte April sei in der Türkei mit Spannungen und Protesten zu rechnen. „Selbst Stammkunden, die viele Jahre hintereinander in die Türkei geflogen sind, kommen mittlerweile ins Grübeln“, sagt Röhr. Doch er betont, dass es in den Touristenorten entlang der Mittelmeerküste bisher keine Vorfälle gegeben habe. Dem stimmt auch Filges zu. „Aber Istanbul würde ich als Ziel nicht empfehlen.“ Das Zentrum der Millionenstadt war wiederholt Ziel von Anschlägen mit teils hohen Opferzahlen. Kurzum: Der Tourismus in der Türkei bricht ein. Nach Angaben des Auswärtigen Amts schrumpfte der Zustrom ausländischer Touristen in die Türkei im vergangenen Jahr um knapp 25 Prozent. Diese Entwicklung trifft die türkische Wirtschaft an einer empfindlichen Stelle. Denn der Tourismus-Sektor steuert laut der Bundesbehörde mehr als 12 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. Durch die sinkende Nachfrage purzeln auch die Preise. „Urlaub in der Türkei war schon immer günstig“, sagt Röhr. „Aber mittlerweile ist das Land preislich gesehen sehr interessant.“ Das berichtet auch Filges und sie fügt hinzu: „Preismäßig können nur noch Ägypten oder Tunesien mit einem Urlaub in der Türkei mithalten. Aber da will ja auch keiner mehr hin.“ Anstatt in die Türkei zieht es die Touristen nun vermehrt in andere Länder. Dort steigen die Preise. „In einigen Urlaubsländern verzeichnen wir Preissprünge im zweistelligen Prozentbereich“, berichtet Röhr. Vor allem Spanien und Griechenland seien die Nutznießer, sind sich die Reiseexperten einig. „Aber auch Bulgarien ist eine beliebte Alternative“, fügt Nicola Filges hinzu. Röhr sieht noch eine weitere Tendenz: „Anstatt in den Urlaub zu fliegen, gewinnt die Anreise mit dem Auto an Bedeutung“, sagt er. „Entweder machen die Leute Urlaub im eigenen Land oder sie reisen in die deutschen Anrainerstaaten.“

realisiert durch evolver group