Jil Erdbrügger und ihr Hund Carlos am Amphibienzaun. Tausenden Kröten, Fröschen oder Molchen rettet die Engeranerin das Leben, indem sie die Tiere sicher auf die andere Straßenseite bringt. - © Kai-Sören Kerkhoff
Jil Erdbrügger und ihr Hund Carlos am Amphibienzaun. Tausenden Kröten, Fröschen oder Molchen rettet die Engeranerin das Leben, indem sie die Tiere sicher auf die andere Straßenseite bringt. | © Kai-Sören Kerkhoff

Enger Engeranerin hat
ein Herz für Kröten

Tierschutz: Jil Erdbrügger betreut einen Schutzzaun für Amphibien. 33-Jährige betreibt ihr Hobby mit viel Leidenschaft

Kai-Sören Kerkhoff

Enger-Pödinghausen. Jil Erdbrügger hat ein außergewöhnliches Hobby. Die Engeranerin hilft Kröten, Molchen & Co. dabei, sicher über die Straße und zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Jeden Morgen kontrolliert sie den rund 850 Meter langen Amphibienzaun entlang der Jöllenbecker und Pödinghausener Straße. Wie kam die 33-Jährige dazu? Und was treibt sie an? „Kannst du dir nicht eine sinnvollere Beschäftigung suchen?" Solche Sprüche hört Erdbrügger häufiger. „In der Öffentlichkeit stoße ich mit meinem Hobby oft auf Unverständnis", berichtet sie. Doch davon lässt sich die Tierliebhaberin nicht beirren. „Mir macht die Sache einfach sehr viel Spaß", sagt sie. Und Erdbrügger weiß, dass Amphibien eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen. Vor zwei Jahren gab es an der Hauptstraße zwischen Enger und Bielefeld noch keinen Zaun, der die Amphibien bei ihrer alljährlichen Wanderung schützt. „Als ich eines Abends die Straße entlang fuhr, lagen Hunderte von totgefahrenen Tieren auf der Fahrbahn. Das war ein richtiges Massengrab", erzählt sie. „In der selben Nacht habe ich gut 400 noch lebende Tiere per Hand übergesetzt." Nach diesem Ereignis stand für Erdbrügger fest: „In Sachen Amphibienschutz gab es damals in Enger einen heftigen Nachholbedarf." Also schritt sie zur Tat und informierte die zuständigen Behörden. „Dann ging alles ruck zuck", sagt Erdbrügger. „Anfang 2016 stand der Zaun." Doch es gab eine Prämisse: Die Engeranerin müsse den Zaun eigenständig betreuen. Das war die Voraussetzung der Behörden. Das tut Erdbrügger nur allzu gern. Mit voller Leidenschaft ist sie bei der Sache. „Ich war schon immer etwas tierverrückt", sagt sie. „Ich freue mich über jedes übergesetzte Tier." Im vergangenen Jahr seien es mehr als 20.000 Tierchen gewesen. „Da waren wir gut beschäftigt", sagt Erdbrügger und lacht. „Eine Freundin hilft mir dabei." Besonders häufig landen Kröten, Molche und Frösche in den Eimern. Die Plastikgefäße sind in regelmäßigen Abständen entlang des Zaunes in der Erde verbuddelt. „Zwischendurch haben wir aber auch Exoten wie Blindschleichen oder Waldeidechsen im Eimer", sagt sie. „Bevor wir die Tiere über die Straße bringen, bestimmen und zählen wir jede einzelne Art." Die Statistiken gehen an die zuständigen Kreisbehörden in Herford und Bielefeld. Wenn wenig Tiere auf Wanderung sind, hat Erdbrügger nach einer halben Stunde alle Tiere übergesetzt. „An anderen Tagen bin ich damit vier Stunden beschäftigt", sagt sie. „Für mich ist das ein schöner Ausgleich zu der Arbeit. Ich bin Krankenschwester und das ist ein stressiger Job." Immer mit dabei am Amphibienzaun: ihr Hund Carlos. Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Der hat sogar eine eigene Warnweste." „Im Ökosystem haben Amphibien selbstverständlich ihren Platz", sagt Erdbrügger. Sie sind ein fester Bestandteil in den natürlichen Nahrungsketten: Vögel wie Reiher fressen die Tiere gerne. Und bei Fischen stehen Kaulquappen auf dem Speiseplan. „Die Amphibien selbst fressen wiederum Insekten oder Mückenlarven."

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