Enger Krach hinter den Kulissen des Kirschblütenfestes

Auseinandersetzungen um ihre Entscheidungsbefugnisse lassen Hauptorganisatorin Kumiko Ogawa-Müller zeitweilig ihr Amt niederlegen

Mareike Patock

Jedes Jahr am letzten Aprilwochenende lockt das Kirschblütenfest in die Engeraner Innenstadt – eine bunte Party mit Zehntausenden Besuchern. Hinter den Kulissen, in der Organisation des Stadtfests, hat es nach NW-Information jetzt jedoch gekracht. „Es gab Ausschläge, die eigentlich das Maß überschritten haben“, bestätigt der Vorsitzende des Kultur- und Verkehrsvereins (KuV), Christoph Ogawa-Müller, auf Anfrage der NW. Das Stadtfest wird vom Kultur- und Verkehrsverein veranstaltet. Mit der detaillierten Ausgestaltung der Innenstadtparty ist bislang der Arbeitskreis Kirschblütenfest des KuV betraut gewesen. Sprecherin dieses Arbeitskreises ist Kumiko Ogawa-Müller. Seit 2004 stellt sie das Kirschblütenfest federführend mit anderen auf die Beine. Vor zwölf Jahren – zu einer Zeit, in der die Zukunft der Innenstadtfete „völlig ungewiss“ gewesen sei – habe sie „spontan die Leitung des Festes übernommen“ und seither „durch Ideenreichtum, persönliche Zuwendung und organisatorisches Durchsetzungsvermögen überzeugt“, teilt der KuV in einer Presseerklärung mit. „Fortan machte ihr umsichtiges Gestalten auch so etwas wie die Seele des Festes aus“, heißt es weiter. Jetzt jedoch gab es Anlass für Auseinandersetzungen: Nach NW-Information betrafen diese Auseinandersetzungen die Entscheidungsbefugnis der Arbeitskreis-Sprecherin. Es gab die Meinung, dass sie keine entsprechende Befugnis habe, das Fest zu organisieren. Aus Sicht des Vorstandes trifft das nicht zu: „Wir haben uns diesbezüglich abgesichert – durch einen Beschluss, der notariell bestätigt wurde“, sagt Christoph Ogawa-Müller und ergänzt: In der Geschäftsordnung des KuV sei schon vor längerem ein Passus verfügt worden, mit dem der geschäftsführende Vorstand dem Sprecher des Arbeitskreises Kirschblütenfest die konzeptionelle und organisatorische Leitung für die Innenstadtparty überträgt. Vor einigen Tagen nun eskalierte die Diskussion: So sehr, dass Kumiko Ogawa-Müller nach NW-Information sogar zeitweilig von ihrem Amt zurückgetreten war. „Es hat gekracht, das brauchen wir nicht zu verschweigen“, sagt der KuV-Vorsitzende. Der Vorstand des Kultur- und Verkehrsvereins hat nun reagiert und die Organisationsstruktur des Kirschblütenfests umgekrempelt – auch weil es nach nahezu vier Jahrzehnten Bedarf für Veränderungen gebe. Anstatt des etwa zehnköpfigen Arbeitskreises werde künftig ein vierköpfiges Leitungsteam zuständig für „alle Fragen der Durchführung des Stadtfests“ sein, teilt der KuV mit. „In Zukunft werden der Vorsitzende Christoph Ogawa-Müller und sein Stellvertreter Carsten Gehring unmittelbare Verantwortung für das Fest übernehmen. Sie tun dies im Zusammenwirken mit Kumiko Ogawa-Müller, die ähnlich wie bisher für das Gestaltungskonzept des Festes zuständig sein wird.“ Die Organisation des Schaustellerbetriebs soll weiterhin Yannik Nuffer übernehmen. Künftig solle es auch die Position eines Finanzbeauftragten geben. Der werde „die Entwicklung des Festes in allen Bereichen kontinuierlich dokumentieren und analysieren und damit eine wertvolle, grundlegende Beratungsfunktion für das Leitungsteam wahrnehmen“. Bühne an der Bachstraße fällt weg Und in Sachen Kirschblütenfest gibt es noch eine Neuerung: Die Bühne an der Bachstraße werde es nicht mehr geben, kündigte Christoph Ogawa-Müller an. „Das ist eine notwendige Einsparung.“ Im letzten Jahr habe man beim Kirschblütenfest ein Defizit von rund 6.000 Euro gehabt. Die Bühne Bachstraße sei da „ein Luxus, den wir uns dauerhaft nicht leisten können“. Das Liveprogramm solle auf die Bühne am Barmeierplatz konzentriert werden – wie schon in den ersten drei Jahrzehnten des Stadtfests. „Dies schließt Varianten – je nach Finanzlage – für die Zukunft nicht aus.“ Christoph Ogawa-Müller betonte, es werde künftig aber auch auf der Bühne am Barmeierplatz ein junges Musikprogramm ähnlich wie an der Bachstraße geben. „Die Vielfalt der Altersgruppen und Stilrichtungen wird auch weiterhin Markenzeichen des Kirschblütenfests sein.“

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