Drei maskierte Männer stehen im Februar vor dem Tankstellentresen der Westfalen Tankstelle an der Jöllenbecker Straße. Auf ähnlich brutale Weise überfielen auch die beiden Angeklagten sieben Tankstellen in der Region. - © Polizei
Drei maskierte Männer stehen im Februar vor dem Tankstellentresen der Westfalen Tankstelle an der Jöllenbecker Straße. Auf ähnlich brutale Weise überfielen auch die beiden Angeklagten sieben Tankstellen in der Region. | © Polizei

OWL Tankstellenräuber müssen mit hohen Haftstrafen rechnen

Brutale Überfälle mit Elektroschocker und Schusswaffe lässt Opfer mit großen Problemen zurück

Dennis Rother

Bielefeld/Enger/Bünde/Steinhagen/Herzebrock-Clarholz. Mindestens acht Jahre Haft für den Hauptangeklagten, rund fünf Jahre Jugendhaft für den Mittäter: Das ist das Strafmaß, das jetzt den beiden geständigen Tankstellen-Räubern Burak K. (22) und Timur D. (20) droht. Das ist dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft zu entnehmen, das jetzt vor dem Landgericht gehalten wurden. Das Plädoyer von D.s Verteidiger soll am Donnerstag folgen, sein Mandant hatte den Verhandlungstag aufgrund psychischer Probleme nicht durchgestanden. Beide Täter gelten als drogenabhängig und müssen bei einer Verurteilung auch eine Entziehungskur machen. Mit der Festnahme der beiden Männer hatte die Kripo eine außergewöhnliche Raubserie in der Region aufgeklärt. Nun steht der langwierige Landgerichtsprozess vor dem Abschluss, in dem es um Überfälle auf sieben Tankstellen und eine Bäckerei sowie weitere Einbrüche und Diebstähle ging. Die Täter gaben die Taten zu, bei denen sie mehrere Tausend Euro erbeutet haben. Bei ihrem Überfall auf die Total-Tankstelle in Steinhagen im Januar 2016 waren sie besonders brutal vorgegangen. Den 19-jährigen Mitarbeiter dort hatten sie mit einem Elektroschocker traktiert. In den anderen Fällen drohten sie mit Schreckschusspistolen. In der Zeit von Dezember 2015 bis März 2016 hatten die beiden Täter außerdem in Bielefeld, Enger, Herzebrock-Clarholz und Bünde zugeschlagen. Während die Justiz vermutlich mit dem Urteil am Donnerstag die Akten schließen kann, haben die Opfer der Überfälle noch lange mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Manche Betroffene leiden unter Angstzuständen oder geraten in Panik, nur weil ein Motorradfahrer die Tankstelle betritt. Viele von ihnen tragen zum Schutz unter dem Helm Sturmhauben - genau wie die Tankstellen-Räuber. Der Hauptangeklagte Burak K., der laut Staatsanwaltschaft trotz seines jungen Alters schon wegen mehr als 40 Delikten vorbestraft ist und bereits drei Jahre und neun Monate in Haft gesessen hat, gilt als treibende Kraft des Räuberduos. Er ging voran, war deutlich aggressiver als der mutmaßliche Mitläufer D., dem eine Zeugin sogar attestierte, eher ängstlich gewirkt zu haben. Der Prozess wird am Donnerstag möglicherweise schon mit dem Urteil fortgesetzt.

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