Wir wollen mit raus: Marion Boss aus Enger lässt Enkel Till Lennox (5) und Hündin Mia (4) im Sommer selbst bei kurzen Besorgungen nicht allein im Auto zurück. - © Stefanie Boss
Wir wollen mit raus: Marion Boss aus Enger lässt Enkel Till Lennox (5) und Hündin Mia (4) im Sommer selbst bei kurzen Besorgungen nicht allein im Auto zurück. | © Stefanie Boss

Enger/Spenge Wenn das Auto zur Hitzefalle wird

Sonne heizt Innenraum stark auf / Gefahr für zurückgelassene Kinder und Tiere

Stefanie Boss

Enger/Spenge. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und warme Temperaturen: Die letzten Tage haben frühsommerlich schönes Wetter beschert. Doch leider hat die Hitze auch ihre Schattenseiten. Die Sonne kann ein Auto schnell in eine tödliche Falle verwandeln, wenn Kinder oder Haustiere darin zurückgelassen werden. Gerade hat es wieder einen solchen Fall gegeben: Ein kleiner Hund wartete im Auto auf Herrchen und Frauchen, lediglich eines von vier Fenstern war weniger als einen Finger breit geöffnet. Obwohl es draußen nur etwa 24 Grad - im Freien durchaus angenehm - war, hatte sich in dem Fahrzeug bereits eine bedrohliche Hitze entwickelt, da es in der prallen Sonne stand. Zum Glück ist dem Hund nichts passiert: Eine aufmerksame Passantin rief die Polizei. Hunde können im Auto bei hohen Temperaturen sterben, weiß Dr. Carsten Plischke, Tierarzt in der Praxis Widukind in Enger. "Durch das Schwitzen und Hecheln verlieren sie Wasser und dehydrieren." Im schlimmsten Fall könnten sie auch denaturieren, "unwissenschaftlich gesprochen klumpt dabei das Blut und wird dick, was zum Herzkreislaufversagen führt". "Eigentlich müsste es einem schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass man niemanden in einem solchen Backofen zurücklässt", sagt Dr. Franziska Sudbrak, Kinderärztin aus Spenge. "Die Hitze stellt eine enorme Kreislaufbelastung für Kinder dar, Austrocknung und Flüssigkeitsmangel können eventuell sogar lebensbedrohlich sein", betont sie. "Ganz zu schweigen von der Angst, die Kinder in so einer Situation ausstehen müssen." Aus diesem Grund drohen Strafen: "Sollten durch das Handeln eines Fahrzeugführers Personen zu Schaden kommen, so bestünde der Anfangsverdacht einer Straftat, wie zum Beispiel fahrlässige Körperverletzung. Entsprechende Ermittlungen würde die Polizei aufnehmen", informiert Michael Albrecht, Sprecher der Kreispolizeibehörde Herford. Wenn Tiere betroffen seien, müsste geprüft werden, ob ein Verstoß gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen vorliegen würden. Das Zurücklassen von Personen und Tieren in Fahrzeugen bei hohen Temperaturen stelle eine Gefahrenlage dar, erklärt Michael Albrecht weiter, bei der man die Polizei verständigen sollte, wenn der Fahrer nicht erreicht werden könne. Die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen, wie dem Einschlagen der Scheibe, seien jedoch vom Einzelfall abhängig und könnten daher nicht generell angeraten werden.

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