Viele Engeraner beteiligten sich am Freitag an der Radler-Demo auf der Meller Straße. Foto: Mareike Patock
Viele Engeraner beteiligten sich am Freitag an der Radler-Demo auf der Meller Straße. Foto: Mareike Patock

Enger "Bürgerradweg keine Option"

Meller Straße: Bürgermeister Klaus Rieke sieht das Land NRW in der Pflicht

VON EKKEHARD WIND

Enger. Zur Radler-Demo an der Meller Straße gibt es eine rege Debatte im Internet auf der nw-news-Seite für Enger.

"Ich meide die Straße. Ist lebensgefährlich", schreibt "paula" und unterstützt die Forderung nach einem Radweg. Ein anderer Leser lobt die Radler-Demo: "Tolle Aktion, Kompliment. Die Straße ist echt saugefährlich. Ich fahr da täglich lang. Wenn da ein Lkw-Anhänger auf der kaputten Straße ins Schlingern kommt und jemand ist in der Nähe . . ."

Eine andere Leserin zollt der Initiatorin der Demo, Dorothea Plaumann, Respekt: "Hoffe, das Beispiel macht Schule." Und sie ergänzt: "Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass gefährliche Straßen bei dem gestiegenen Verkehrsaufkommen für Kinder, Jugendliche und andere Radfahrer entschärft werden" Dem hält "Hans" entgegen: "Bei der Anlage von Radwegen sollte jedes Mal über das Kosten-Nutzen-Verhältnis nachgedacht werden. In Zeiten leerer Kassen kann es doch nicht sinnvoll sein, für zwei oder drei tägliche Fahrradfahrer Steuermittel zu verschwenden."

Ein anderer Leser macht den Demo-Teilnehmern Mut: "Man muss den Verantwortlichen zeigen, dass sie endlich in die Pötte kommen müssen."

Nach Angaben des Landesbetriebes Straßen NRW würde ein zwei Kilometer langer Radweg rund 600.000 Euro kosten. Aktuell steht der Bau eines Rad- und Gehweges an der Meller Straße nicht unter den ersten 30 Projekten einer Prioritätenliste für OWL und hätte damit in den nächsten Jahren keine Chance auf Realisierung.

"Alternativ gibt es ein anderes Landesprogramm, das den Bau von Bürgerradwegen unterstützt", sagt Wolfgang Wiedemann, "Projektkoordinator Planung" bei der Regionalniederlassung Straßen NRW in Bielefeld. Ziel sei, dass Land, die betreffende Kommune und Bürger den Radweg gemeinsam bewerkstelligen. Seit 2009 habe man auf diese Weise in OWL 26,4 Kilometer Radweg gebaut. Bürger könnten sich mit Arbeits- oder Geldleistungen - auch von Sponsoren - einbringen. Bürger könnten beispielsweise beim Bodenaushub oder später beim Anfüllen von Boden und beim Bepflanzen helfen. "Über den Bau eines Bürgerradweges entscheidet das Ministerium", sagt Wiedemann. Voraussetzung sei eine Vereinbarung zwischen Land und Stadt. Das Land bezuschusse einen Bürgerradweg von zwei Kilometer mit 350.000 Euro. Blieben 250.000 Euro für die Stadt Enger und ihre Bürger.

"Für uns ist ein Bürgerradweg keine Option", sagt Bürgermeister Klaus Rieke auf Anfrage der NW. Das Land stehe in der Pflicht, auf Landstraßen für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu sorgen. Der Bedarf eines Radweges an der Meller Straße sei vor mehr als 20 Jahren vom Land festgestellt worden. Die Umsetzung sei zwingend erforderlich. "Vielleicht kann das Land den Radweg in Bauabschnitten realisieren", sagt Rieke. Im übrigen sei die Fahrbahndecke zum Teil in einem schlechten Zustand. Man werde das Thema sicherlich in die politische Beratung geben. "Aber wir sind eine Kommune, die in der Haushaltssicherung ist und in tiefroten Zahlen steckt", betont Rieke unter Hinweis auf die angespannte Finanzlage der Stadt. Hier sei ganz klar das Land gefordert.

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