Egon Schewe, Winfried Keller, Bernhard Adler und Dietrich Stuke zeichnen ein musikalisch humoristisches Porträt von Robert Gernhardt. - © Alexandra Wilke
Egon Schewe, Winfried Keller, Bernhard Adler und Dietrich Stuke zeichnen ein musikalisch humoristisches Porträt von Robert Gernhardt. | © Alexandra Wilke

Enger Humorige Erinnerung an einen Satiriker

Holger Grabbe und Wera Kiesewalter hatten wieder auf die Kulturdeele eingeladen. Zu Gast war wieder die„Tage-Löhner Kleinkunst-Bühne“

Alexandra Wilke

Enger. Zweimal haben die Akteure bereits in Dreyen überzeugt. Grund genug für Holger Grabbe und Wera Kiesewalter, die „Tage-Löhner Kleinkunst-Bühne" erneut für einen Auftritt auf ihre Kulturdeele einzuladen. Mit einem neuen Programm versteht sich. „Jetzt habt ihr Gernhardt am Wickel", kündigte Grabbe vor gut 40 Zuschauern an. Mit viel Humor und Satire zeichneten Bernhard Adler, Winfried Keller, Egon Schewe und Dietrich Stuke am Samstagabend unterstützt von Udo Brandt-Hüdepohl und Anja Krüger ein Porträt des deutschen Schriftstellers Robert Gernhardt.  "Bringt was zu denken mit" Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 in Estland geboren und ist am 30. Juni 2006 in Frankfurt am Main gestorben. „Er ist nicht herauszulösen aus der sogenannten Neuen Frankfurter Schule, einer Gruppe von Schriftstellern und Zeichnern, die aus der Redaktion der Satirezeitschrift Pardon hervorging und anschließend in dem Satiremagazin Titanic publiziert hat", erläuterte Egon Schewe dessen Wurzeln. Dass Humor und Satire auch am Samstagabend die Säulen des Programms bildeten, verriet schon der Titel „Bringt was zu denken mit – mein Kopf kann’s gebrauchen". „Wir waren schon vorher große Robert Gernhardt Fans", sagte Bernhard Adler lächelnd. Für sein Porträt aus Erzählungen, Gedichten und Liedern haben die Tage-Löhner ein halbes Jahr lang recherchiert und neu rezipiert. Entstanden ist eine künstlerische Reise zurück bis in die politische Aufbruchszeit der 1960er Jahre. Fröhliche Zeitreise Adler, Keller, Schewe und Stuke gestalteten ihre Zeitreise in vier thematischen Abschnitten und begannen mit humoristischen Texten, die Fragen eben jener linksgerichteten sozialen Bewegungen aufnahmen. Sie kreisten rund um kleinbürgerliche Strukturen, Sex, Erotik und Lust sowie um die Wahrnehmung der Frau. In ihrem zweiten inhaltlichen Teil ließen die Tage-Löhner „De-Droge-Dieter" wiederaufleben, der sich als Büttenredner gegen den Gebrauch illegaler Drogen aussprach und dafür plädierte, wieder „zu lallen und zu saufen". Sie fochten Diskussionen über Diskriminierung und Vorurteile aus und verzweifelten im Zuge eines neu gewonnenen Umweltbewusstseins an der angemessenen Entsorgung eines Teebeutels. So ein Teebeutel besteht schließlich ebenso aus Bioabfällen wie aus einem Papierfähnchen mit Aluklammer und einer Schnur. Letztlich brachten die Tage-Löhner ihre Zuschauer bis in jene Zeit, in der Gernhardt an Herzerkrankungen und Darmkrebs litt. Und selbst hier durfte der Humor nicht fehlen. „Gernhardt wäre nicht Gernhardt, wenn er nicht auch diesen Themen ironische Brechungen abgewinnen könnte", erklärte Egon Schewe. Autor, Maler und Zeichner Die Tage-Löhner präsentierten insgesamt mehr als 20 Auszüge aus dem Schaffen von Robert Gernhardt und boten somit ein umfassendes Bild von dem deutschen Schriftsteller, Maler und Zeichner. Das besondere Ambiente bei Holger Grabbe und Wera Kiesewalter wussten sie wieder einmal zu schätzen: „Es ist gemütlich und heimelig. Unser Programm passt sehr gut in diesen Rahmen", sagte Bernhard Adler. Und Schewe ergänzte lachend: „Und ins Olympiastadion wollen wir nicht."

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