Der Kreis Herford ist ein klassischer Industriestandort. Viele Beschäftigte arbeiten in diesem Sektor. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)
Der Kreis Herford ist ein klassischer Industriestandort. Viele Beschäftigte arbeiten in diesem Sektor. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)

Kreis Herford Wirtschaft im Kreis Herford fährt Rekorde ein

IHK-Konjunkturumfrage: Der Fachkräftemangel wird als größtes Risiko angesehen.Die Unternehmen investieren und stellen ein

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford. Klaus Bockermann kam aus den Superlativen gar nicht mehr heraus, als er am neuen Firmensitz des „steil expandierenden" Software-Unternehmens 3TEC in Herford die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage für das Frühjahr 2018 erläuterte. „Es macht Spaß, diese Zahlen vorzustellen", sagte der Engeraner Unternehmer und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen. „Mit einer Eintrübung des guten Konjunkturklimas ist aktuell nicht zu rechnen." Diese Einschätzung basiert auf den repräsentativen Angaben von 241 Unternehmen mit 14.988 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistung in den Monaten Januar und Februar. „Der Kreis Herford wächst etwas schwächer als Ostwestfalen und NRW", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK, Harald Grefe. Das sei aber kein Grund zur Sorge. Der „Konjunkturklimaindikator", der die Einschätzung der Unternehmen mit den Erwartungen in Beziehung setzt, ist als Vergleichszahl interessant. Er bewegt sich mit einer stabilen 139 im Kreis Herford nur leicht unter OWL-Niveau, das von 137 auf 141 gestiegen ist. Bockermann: „Die Konjunktur im Kreis verläuft weiter auf dem Top-Niveau der Herbst-Umfrage." Industrie im Wittekindskreis verdient gutes Geld Die aktuelle Lage in der Industrie hat laut Bockermann Werte „wie noch nie erreicht". 73 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Lage als „gut", fast keines hält sie für „schlecht". Eine noch günstigere Geschäftslage erwarten 39 Prozent der Befragten, etwas weniger als im Herbst. „Es kann kaum besser werden", vermutet Bockermann. „Die Industrie im Wittekindskreis verdient Geld", sagt er. 37 Prozent melden eine gute, 54 Prozent eine befriedigende Ertragslage. Personal wird händeringend gesucht. 58 Prozent der Industrieunternehmen plant einen Personalaufbau (Herbst 2017: 38 Prozent). „Das ist ein Allzeithoch", meint Bockermann. „Aber wo sollen die Leute herkommen?" So sehen mit 65 Prozent der Befragten deutlich mehr den Fachkräftemangel als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, als im Herbst, gefolgt von den Rohstoffpreisen, der Inlandsnachfrage, den Arbeitskosten, unklaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Auslandsnachfrage. Die Drohgebärden des US-Präsidenten Donald Trump waren im Februar allerdings noch nicht in der Welt. Die Produktionskapazitäten sind weiterhin gut ausgelastet – bei 46 Prozent der Industrieunternehmen zu über 95 Prozent. Fast jedes zweite Unternehmen plant stark zu investieren. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen, für die es im Kreis Herford wenig Reserven gibt, werde steigen. Die IHK setzt hier auf das „Entfesselungspaket" der neuen Landesregierung, das den Kommunen mehr Spielraum einräume. Bockermann: „Der Kreis ist da gut unterwegs." Harald Grefe nannte weitere Zahlen für die Industrie. Der Gesamtumsatz stieg 2017 um 2,2 Prozent, die Exporte um 4,4 und das Inlandsgeschäft um 1,1 Prozent. Mit 41,2 Prozent hat die Industrie einen überdurchschnittlich hohen Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Grefe: „Der Kreis Herford ist ein klassischer Industriestandort." Geschäfte im Groß- und Einzelhandel laufen ordentlich Die Ergebnisse aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen stellte der Herforder Unternehmen Oliver Flaskämper als Mitglied der IHK-Vollversammlung vor. „Die Geschäfte im groß- und Einzelhandel laufen ordentlich", fasste er zusammen und nannte niedrige Zinsen und das hohe Beschäftigungsniveau als Gründe. 41 Prozent der Einzelhändler sprechen von einer guten Geschäftslage (Herbst 35 %). Im Großhandel, zu dessen Kunden die florierende Industrie gehört, betrage die Quote gar 56 Prozent (Herbst 47 %). Obwohl die Erwartungen etwas zurück gegangen seien, plane auch ein Teil des Handels (26 %) einen deutlichen Personalaufbau. 43 Prozent der Unternehmen melden offene Stellen, weshalb auch der Handel den Fachkräftemangel als Hauptrisiko sieht. Dienstleister boomen auf weiter hohem Niveau Bei den Dienstleistern sieht Flaskämper einen „Boom". 51 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage, die Erwartungen sind auf hohem Niveau leicht zurück gegangen. Die Umsätze sind um 39, die Erträge um 34 Prozent gestiegen. Der Fachkräftemangel trifft besonders die Branchen Güterkraftverkehr, Gesundheitswesen und IT-Dienstleister. Die Unternehmen versuchen, mit Ausbildung und Qualifizierung diesem Mangel zu begegnen, sagt Bockermann. Migranten zu integrieren sei eine lohnende, aber schwierige und teure Aufgabe, „die überwiegend noch vor uns liegt". Die Probleme seien die Sprache, der Aufenthaltsstatus, die Qualifizierung und oft die „Weltsicht", die sich hiesigen Vorstellungen erst angleichen müssten. Die Automatisierung sieht Oliver Flaskämper nicht als Bedrohung für den Arbeitsmarkt: „Die Unternehmen können mit gleicher Beschäftigtenzahl weiter wachsen."

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