Freizeit in der Mittagspause: Henrik Doht (v. l.) und Klaus Bockermann an der hauseigenen Tischtennisplatte. - © Mareike Gröneweg
Freizeit in der Mittagspause: Henrik Doht (v. l.) und Klaus Bockermann an der hauseigenen Tischtennisplatte. | © Mareike Gröneweg

Enger Engeraner Firma: Tischtennis in der Pause

Unternehmensphilosophie: Zwischen Fachkräftemangel und dem Versuch, Mitarbeiter vor Stress zu schützen, liegt die sogenannte „Corporate Social Responsibility“. Eine Firmengruppe aus Enger zeigt, was dahinter steckt

Mareike Gröneweg

Enger. Bei verspannten Schultern vom Sitzen hat das Ingenieurbüro Bockermann Fritze einen Tipp: Zweimal in der Woche kommt die Masseurin, die kostenfreie Entspannung anbietet. Die Engeraner Firma ist ein Beispiel dafür, wie das Verhältnis von Arbeitgeber und Angestellten sich verändert. Der Begriff für diese Unternehmensphilosophie ist „Corporate Social Responsibility" (siehe Infokasten). Die Fehlzeiten von Mitarbeitern, die aufgrund von psychischen Erkrankungen zuhause bleiben, haben in den letzten zehn Jahren um 79 Prozent zugenommen. Das zeigt der Fehlzeiten-Report aus dem Jahr des Wissenschaftlichen Institutes der Allgemeinen Ortskrankenkassen. Da die Krankheitsausfälle bei psychischer Belastung laut des Berichtes deutlich länger andauern, haben auch die Unternehmen ein Interesse daran, Strategien für eine Entlastung ihrer Mitarbeiter zu entwickeln. Bei dem unternehmensethischen Ansatz der Corporate Social Responsibility investiert der Arbeitgeber Geld in Gesundheitsprävention, Entspannungsmethoden oder Sportangebote seiner Mitarbeiter. 138 Mitarbeiter sind in der Unternehmensgruppe Bockermann Fritze angestellt – „und wir wollen wachsen", sagt Geschäftsführer Klaus Bockermann. Nicht nur steigende Stress-Level und psychische Belastungen bremsen das Mitarbeiterwachstum, sondern auch der Fachkräftemangel. „Wir müssen einen Anreiz schaffen, damit die Bewerber auch nach Enger kommen", weiß Bockermann. „An der Attraktivität der Stadt können wir nichts ändern, wohl aber an der Attraktivität unserer Unternehmensgruppe." Und die soll durch ein reichhaltiges Zusatzprogramm gesteigert werden. Wellness und Sport Nicht nur Wellness steht auf dem Programm, sondern vor allem Sport: Bockermann Fritze hat eine Laufgruppe, eine Fahrradgruppe, eine Fußballmannschaft und bietet Skigymnastik, Pilates- sowie Rückenkurse an. Einmal im Jahr steht auch ein mehrtägiger Segeltörn an. Henrik Doht, Juniorpartner der Unternehmensgruppe, war zudem einer von 15 Angestellten, die gemeinsam den Hindernislauf „Xletix" meisterten. „Wir haben nicht über den Büroalltag geredet, sondern uns auch mal privat kennengelernt", berichtet Doht. Das alles solle laut Bockermann zwar den Teamgeist fördern, aber auch der Gesundheitsprävention dienen. „Besonders gut läuft das Mitarbeiterfrühstück", berichtet Bockermann. Einmal im Monat lädt der Vorstand 15 bis 20 zufällig ausgewählte Angestellte ein. „Da lernen sich dann Mitarbeiter kennen, die sonst keine Berührungspunkte haben – vom Lkw-Fahrer bis zum Vorstandsmitglied", erklärt Bockermann. Klaus Bockermann betont, dass er von der Unternehmensphilosophie, die hinter Corporate Social Responsibility steht, überzeugt ist. „Das Arbeiten hat sich verändert. Anders als vor 20 Jahren wollen die Leute auch ein Leben nach dem Feierabend haben." Zudem brauche er Angestellte, die entspannt und frei im Kopf seien, um kreativ und effizient sein zu können. „Wir sind eine Denkfabrik. Da kommt es drauf an, wie motiviert die Mitarbeiter sind." Ein weiterer Baustein der Corporate Social Responsibility ist Engagement für die Umwelt und soziale Projekte. Etat von 5.000 bis 10.000 Euro Bockermann Fritze versuche in zahlreichen Projekten, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Jährlich steht laut Klaus Bockermann dafür ein Etat von 5.000 bis 10.000 Euro zur Verfügung. Damit werden Sportvereine, Musikschulen und die freiwillige Feuerwehr unterstützt. Mitarbeiter können Projekte auch vorschlagen: So kam die Volleyball-Damenmannschaft des TuS Kachtenhausen an neue Trainingsjacken, da eine Angestellte von Bockermann Fritze dort spielt. „Das ist für die Mitarbeiter eine schöne Sache und für uns ein Loyalitätsgewinn", resümiert Bockermann. Perspektivisch werde dieses zusätzliche Angebot ausgebaut werden, nicht zuletzt weil das Ingenieurbüro anbauen will. 85 zusätzliche Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

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