Historikerin: Regine Krull (59) leitet das einzige städtische Museum Engers seit 1988. Mit einem reichhaltigen Zusatzprogramm aus Konzerten, Vorträgen und Wechselausstellungen versucht sie, die Besucher ins Museum zu locken. - © Mareike Gröneweg
Historikerin: Regine Krull (59) leitet das einzige städtische Museum Engers seit 1988. Mit einem reichhaltigen Zusatzprogramm aus Konzerten, Vorträgen und Wechselausstellungen versucht sie, die Besucher ins Museum zu locken. | © Mareike Gröneweg

Enger Der Alltag hinter der Ausstellung

Kultur: Regine Krull leitet seit 30 Jahren das Widukind Museum. Sie berichtet, was sie an ihrem Beruf wertschätzt und welche Projekte sie noch realisieren will

Mareike Gröneweg

Enger. Kundige Engeraner kennen das einzige städtische Museum der Stadt, das Widukind Museum. Die Leiterin, Regine Krull, arbeitet dort seit dreißig Jahren und findet, dass das Haus „ein gutes Standing in der Region" hat. Wie der Arbeitsalltag der Museumsleiterin aussieht, was eine gute Ausstellung ausmacht und welche zukünftigen Projekte im Widukind Museum anstehen, erzählt Krull im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. „Eine gut gemachte Ausstellung erzählt dem Besucher eine Geschichte und hat einen roten Faden", meint Krull. Die damals rundum neu konzipierte Dauerausstellung im Widukind Museum wird mittlerweile seit zwölf Jahren gezeigt. Sie startet mit der Frage, wer Widukind war und beleuchtet ihn aus unterschiedlichen Perspektiven. An einer Grabinstallation wird das Wissen über Widukind aus einer kunsthistorischen und einer rein geschichtlichen Sicht vermittelt sowie vom archäologischen und biologischen Standpunkt aus. Am Ende der Ausstellung sollen die Besucher mit einem Ergebnis das Museum verlassen, sie sollen in der Lage sein, sich ein eigenes Bild zu machen. Besucher aktiv ins Museum ziehen „Die Dauerausstellung war die Pflicht, alles was danach kommt, ist die Kür", so Krull. Die Kür bestehe aus Wechselausstellungen, Vorträgen und Konzertabenden. Schließlich, findet Krull, darf ein Museum nicht in den Dornröschen-Schlaf fallen, sondern muss die Engeraner aktiv ins Museum ziehen. Der zentrale Anreiz dafür steht für Krull fest: „Die Engeraner identifizieren sich seit Jahrhunderten mit dem Ortshelden Widukind." Nicht seine Person sei spannend, sondern die Mythen, die sich um ihn ranken. Widukind sei daher ein Symbol dafür, wie Geschichte von den Menschen instrumentalisiert werden kann. Mit seinem Programm lockt das Museum zwischen 4.500 und 5.000 Besucher jährlich. Durch Wechselausstellungen und Kulturveranstaltungen kann die Zahl auch auf 8.000 steigen. „Wir sind zwar ein sehr kleines Stadtmuseum, aber man kennt uns", betont Regine Krull. Selbstsständige Arbeit Die 59-Jährige kommt aus Bielefeld und studierte dort Geschichte und Biologie mit dem Plan, Lehrerin zu werden. Doch es kam anders: Nachdem sie erst an der Universität arbeitete, kuratierte sie eine Ausstellung am Widukind Museum, die die Geschichte der Herforder Kleinbahn nachzeichnete und kreisweit an verschiedenen Orten zu sehen war. Seit 1988 leitet Krull das Museum. Ein Job, der sie selbstständig arbeiten lässt: „Ich koordiniere Führungen, organisiere Programme und schließe für Veranstaltungen Künstlerverträge." Damit unterscheide sich ihr Berufsalltag von dem anderer Museumsleiter. „In größeren Häusern geht es viel ums Netzwerken." Doch Krull mag ihren Beruf. Dass sie manchmal einen ganzen Tag mit dem Lesen von Fachliteratur verbringt, empfindet sie als Luxus. Zu ihrem Berufsalltag gehöre auch der Austausch mit anderen Wissenschaftlern. Da das Widukind Museum ein Spezialwissen benötigt, dass eine Person laut Krull nicht alleine anhäufen kann, bespricht sie die Inhalte der Ausstellungen mit Kollegen. Widukinds Pferde auf jedem Ferrari Trotz ihrer 30 Jahre im Widukind Museum hat sie noch einiges vor: „Eine weitere genetische Untersuchung der Überreste Widukinds reizt mich. Da gibt es in der Biologie neue Methoden". Außerdem würde sie gerne Widukind in anderen Kontexten ausstellen. Das Pferd auf dem Ferrari-Emblem entspringe beispielsweise dem Pferd Widukinds. „Solche Verknüpfungen auszustellen, ist natürlich immer eine Platzfrage. Aber ich würde das gerne machen."

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