Wo steckt der Frühling? Statt Tulpen gibt es im Moment noch eher Schnee. - © Mareike Patock
Wo steckt der Frühling? Statt Tulpen gibt es im Moment noch eher Schnee. | © Mareike Patock

Enger Auf der Suche nach dem Frühling

Stichtag: Am 1. März war meteorologischer Frühlingsbeginn. Mareike Patock hat sich darum mal umgeschaut, ob der Lenz schon irgendwo zu entdecken ist. Eine – nicht ganz ernst gemeinte – Spurensuche

Mareike Patock

Enger/Spenge. Seit gestern ist es offiziell: Der Frühling ist da. Behaupten zumindest die Meteorologen – und das jedes Jahr am 1. März. Nur: Wo steckt er, der Lenz? An diesem ersten offiziellen Frühlingstag mache ich mich auf Spurensuche. Und bereue den Schritt raus vor die Tür im nächsten Moment. Eisiger Wind bläst mir entgegen. „Von wegen Frühling", denke ich. „Die Arktis ist ausgebrochen." Kein Frühling, sondern eine Frechheit Die Temperaturanzeige gegenüber an der Apotheke zeigt Minus drei Grad an. Wenn das nur Minus drei sind, bin ich Mickey Maus. Vorsichtshalber schaue ich auch noch mal aufs Handy. Minus vier, heißt es da. Und gefühlt: minus 12!!! Das ist kein Frühling, das ist eine Frechheit. Aber ich will mal nicht so sein und dem Ganzen noch eine Chance geben, vielleicht mausert sich der Lenz ja noch. Ist ja auch noch ziemlich jung. Bis jetzt allerdings ist das eine ziemlich schlappe Leistung. Immerhin: Die Sonne scheint. Ist ja auch schon was. Ich ziehe mir die Kapuze noch ein bisschen tiefer ins Gesicht und mache mich auf den Weg in die Maiwiese. Der Name allein klingt ja schon verheißungsvoll – nach viel Grün und Blühendem. Und tatsächlich: Ich stoße auf ein paar Schneeglöckchen und auch die Rhododendren tragen schon erste Knospen. Geht doch. Nach einer Minute schockgefrostet In der Maiwiese hocke ich mich erstmal auf die nächstbeste Parkbank – den Vögeln und dem Plätschern des Bolldammbachs lauschen und mir das laue Lenzlüftchen um die Nase wehen lassen. Was man halt so macht im Frühling. Dummerweise steht die Bank im Schatten und statt lau ist es eher lausig: lausig-kalt. Nach maximal einer Minute bin ich schockgefrostet. Auch die Vögel waren im Frühling irgendwie schon mal energischer am Start, denke ich. Statt einer vielstimmigen Kakophonie höre ich nur ein paar schwache Triller. Und zu allem Verdruss – treiben auch noch Eisschollen auf dem Bolldammbach! Das mit dem Lenz ist definitiv ausbaufähig. Passanten sind dick eingepackt Jetzt lieber schnell weiter, bevor mir Eiszapfen wachsen. Aber ich will mal noch ein paar Spaziergänger fragen. Vielleicht haben die ja den Frühling irgendwo entdeckt. Bedauerlichweise ist an diesem Vormittag kaum jemand unterwegs. Ob die alle in ihrem Garten liegen und die Sonne genießen? Ist ja schließlich Frühling. Hmmm, nicht grad wahrscheinlich. Auf dem Weg Richtung Innenstadt kommt mir dann doch noch ein Passant entgegen – dick eingepackt, mit Mütze und Handschuhen. Ob er vielleicht irgendwo den Frühling gesehen hat, frage ich ihn. Er schaut mich nur verstört an und raunt mir dann im Vorbeigehen zu: „Welchen Frühling?" Bei einer anderen Spaziergängerin habe ich mehr Glück. Sie weiß, wo der Lenz ist: in Ägypten. „Da waren wir grad erst – und hatten 28 Grad", schwärmt sie begeistert. Na klasse, ist ja quasi um die Ecke. Künstliche Stiefmütterchen blühen In der Innenstadt von Enger dann endlich ein erster Erfolg. Vor einem Geschäft blühen Stiefmütterchen!! Ach nee, doch nicht. Sind künstliche. Also wieder nix. Jetzt fällt mir noch was ein: Jedes Jahr aufs Neue gibt es ja ein untrügliches Indiz dafür, dass der Frühling ausgebrochen ist: Pollen! Werde darum direkt mal in der Apotheke vorbeigehen und nachfragen, wie viele Allergiemittel heute schon verkauft wurden. Vielleicht hat das ja jetzt mit Frühlingsbeginn schlagartig zugenommen. Obwohl: Vielleicht ruf’ ich doch besser an. Ist einfach zu kalt. Lieber zurück ins warme Büro. Völlig durchgefroren greif’ ich also zum Hörer. Ob heute wegen des Frühlingsausbruchs schon besonders viel Antiallergika verkauft worden seien, frage ich Apotheker Jens Kosmiky. „Kein einziges", seine Antwort. Es werde zwar in der Tat ziemlich viel geniest im Moment – aber wegen der Grippe. Am 20. März schauen wir weiter Damit ist alles klar. Frühling ist erstmal nicht – da können die Meteorologen behaupten, was sie wollen. Aber eine gute Nachricht gibt es: Ab dem Wochenende sollen die Temperaturen etwas nach oben klettern. In knapp drei Wochen, am 20. März, werde ich noch mal nachschauen, wie sich der Lenz so gemausert hat. Und dann muss er liefern – ohne Wenn und Aber. Denn dann ist der kalendarische Frühlingsanfang.

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