Verkauft: Für das Haus mit der Kultkneipe „Alte Schänke" – bei vielen Engeranern besser bekannt als die „Penne" – hat sich ein Investor gefunden. - © Martina Chudzicki
Verkauft: Für das Haus mit der Kultkneipe „Alte Schänke" – bei vielen Engeranern besser bekannt als die „Penne" – hat sich ein Investor gefunden. | © Martina Chudzicki

Enger Die „Penne“ ist Vergangenheit

Bielefelder Straße wandelt sich weiter: Immobilie mit Kultkneipe ist verkauft. Die ehemalige Gaststätte „Unter den Linden“ verfällt weiter, weil das Land keinen Käufer findet

Martina Chudzicki

Enger. Rotes Flatterband versperrt den Zugang zum Grundstück, von den Fassaden bröckelt der Putz und einige der schönen alten Bleiglasfenster sind mit Sperrholz vernagelt. Die ehemalige Gaststätte „Unter den Linden" verfällt mehr und mehr. Glücklich ist über diesen Zustand niemand. Weder die Nachbarn und Passanten, die das Haus an der erst vor wenigen Jahren proper sanierten Bielefelder Straße zunehmend als Schandfleck betrachten, noch das Land Nordrhein-Westfalen, dem die Immobilie gehört. Und auch nicht die Stadt Enger. Allein: Aufzuhalten ist der stetige Verfall der bis in die 70er Jahre hinein beliebten Kneipe mitten in der Stadt wohl nicht. Ungeliebte Fiskalerbschaft Das Fachwerkhaus, in dem die Gastwirtschaft einst florierte, sowie ein später errichteter Anbau gehören schon seit Jahren dem Land. Eine Fiskalerbschaft, wie Andreas Moseke von der Pressestelle der Bezirksregierung Detmold sagt. Weil es keine rechtmäßigen Erben mehr gab oder diese ihr Erbe nicht antreten wollten, musste das Land die Erbschaft übernehmen. Auch wenn es gern darauf verzichtet hätte, wie Moseke betont. Denn finanziell rechne sich die Erbschaft nicht. Im Gegenteil. Momentan zahle das Land unter anderem dafür, dass ein Hausmeisterservice ab und zu nach der maroden Immobilie schaut und darauf achtet, dass diese nicht zur Gefahrenquelle wird. Käufer verzweifelt gesucht Schon seit Jahren versuche man deshalb, das Haus zu verkaufen, auch wenn der Erlös nicht in die eigene Kasse, sondern in die der Gläubiger fließen würde. Interessenten für das Gebäude auf dem immerhin knapp 600 Quadratmeter großen Grundstück sind allerdings rar. Ein Grund dafür dürfte die Tatsache sein, das das Haus unter den Linden – von denen heute nur noch eine steht – unter Denkmalschutz steht. Mögliche Investoren hätten hier also nur eingeschränkten Gestaltungsspielraum geschweige denn die Möglichkeit, die Kneipenruine abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. „Da müsste schon ein Interessent mit einer großen Verliebtheit und einem dicken finanziellen Polster kommen, um hier zu investieren", sagt auch Inge Nienhüser, im Rathaus Enger unter anderem zuständig für Stadtentwicklung und Gebäudemanagement. Im Raum gestanden habe deshalb schon einmal die Überlegung, das Haus aus der vor Jahren gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) als Oberer Denkmalschutzbehörde erstellten Denkmalschutzliste wieder herauszunehmen. Das aber sei aussichtslos. Einstürz wäre der "Worst Case" So bleibt für alle Beteiligten im Moment nur eins: abzuwarten, bis sich das Problem irgendwann möglicherweise von selbst löst. „Worst Case", so sagt Andreas Moseke, sei es, wenn das Haus drohe einzustürzen. „Dann muss die Stadt Enger eine Verfügung beim Land einreichen, damit es abgerissen werden könnte." Vor dem Verfall bewahrt zu sein scheint dagegen eine andere Kneipeninstitution an der Bielefelder Straße. Die „Alte Schänke", nur wenige Schritte vom Haus „Unter den Linden" entfernt, hat jetzt den Besitzer gewechselt. Schon seit längerer Zeit stand das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Gebäude zum Verkauf. Auf der Internetseite des beauftragten Immobilienhändlers prangt nun ein dickes „Verkauft"- Schild über dem Angebot und auch Inge Nienhüser bestätigt die Transaktion. Typisch für die 50er Jahre Die Stadt hatte als Untere Denkmalschutzbehörde zwischen dem LWL und dem Käufer vermittelt und unter anderem versucht zu klären, welche Möglichkeiten zur Neugestaltung am Objekt möglich sind. Am äußeren Erscheinungsbild, so Nienhüser, werde sich wohl nicht viel ändern. Denn schutzwürdig an dem Haus, so die Fachbereichsleiterin, seien nach Aussage eines Experten vom LWL gerade die kontrastierenden Elemente der Fassade. Das „falsche" Fachwerk im oberen Bereich des Gebäudes und die „heimelige Kneipe" hinter den Sprossenfenstern einerseits und die „modernen Schaufenster" unter den Arkadenbögen andererseits seien zwar nicht stimmig. Doch gerade diese „Kontrastierung" , so der LWL-Experte, würde eine historische Phase widerspiegeln, die typisch für die 50er Jahre gewesen sei. Die "Penne" war Kult Die „Alte Schänke" – oder „Penne" wie sie bei vielen Engeranern hieß – war die letzte alteingesessene Kneipe in der Innenstadt. Bis ins vergangene Jahr hinein trafen sich im holzvertäfelten Schankraum, in dem sich seit Jahrzehnten nichts verändert hatte, Schützen und Sportler, Stammtischler und alle, die einfach nur ein gepflegtes Bier trinken und ein wenig quatschen wollten. Für viele war die „Penne" Kult. Im vergangenen Jahr starb der langjährige Gastwirt Manfred „Manni" Barmeier. Seit einigen Monaten blieb die Kneipentür bereits geschlossen. Und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Dem Vernehmen nach soll es an dieser Stelle keinen Gaststättenbetrieb mehr geben.

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