Ziel erreicht: Bei den Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2012 in London holte Sebastian Dietz die Goldmedaille. Heute gibt der Spitzensportler seine Lebenserfahrung auch als Motivationscoach weiter. Zudem trainiert er das Frauen-Landesliga-Fußballteam des SC Enger. - © Jürgen Krüger
Ziel erreicht: Bei den Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2012 in London holte Sebastian Dietz die Goldmedaille. Heute gibt der Spitzensportler seine Lebenserfahrung auch als Motivationscoach weiter. Zudem trainiert er das Frauen-Landesliga-Fußballteam des SC Enger. | © Jürgen Krüger

Enger Gold-Junge als Motivationstrainer

Spitzensportler: Der Paralympics-Gewinner Sebastian Dietz übt sich als Coach. „Ich möchte anderen Menschen helfen“

Enger/Bielefeld. Sebastian Dietz weiß, wie es ist, wieder aufzustehen. Im doppelten Sinne. Nach einem schweren Autounfall sagten ihm die Ärzte am Krankenbett: „Du wirst nie wieder laufen können." 14 Jahre später ist Dietz zweifacher Paralympics-Sieger und Weltmeister im Kugelstoßen sowie Diskuswerfen. „Ich hatte damals keine Lust mehr auf mein Leben. Aber ich habe mich zurück gekämpft." Wie das ging, was ihn antreibt und was er gelernt hat, will Dietz, der das Frauen-Landesliga-Fußballteam des SC Enger trainiert, jetzt auch den Bielefeldern erzählen. Eigene Erfahrung weitergeben Dietz arbeitet künftig mit dem Discounter Poco zusammen. Das Unternehmen unterstützt ihn, der Spitzensportler coacht dafür die OWL-Mitarbeiter in Sachen Motivation – und spricht dabei wahrlich aus eigener Erfahrung. 19 Jahre ist er alt, als er mit seinem Auto in den Gegenverkehr prallt und schwer verletzt wird. Die Ärzte bereiten ihn mental darauf vor, dass der Bad Oeynhauser vom Hals abwärts gelähmt sein würde, nie wieder laufen und ein Jahr lang in der Klinik liegen werde. Schimpfwörter rausgebrüllt Dietz gibt sich auf, ein solches Leben ergibt für ihn keinen Sinn. „Ich habe alle Schimpfwörter rausgebrüllt, die ich kenne", erinnert er sich. Elf Wochen nach dem Unfall verlässt Dietz das Krankenhaus Die Tränen seiner Mutter bringen ihn zur Ruhe, machen ihn nachdenklich. „Sie konnte nicht mit ansehen, dass ich mein Leben mit 19 Jahren wegschmeiße." Also setzt sich Dietz das Ziel, genau das Gegenteil zu tun. Und dafür muss er raus aus dem Krankenhaus. Das intensive Reha-Training schlägt an: Elf Wochen nach seinem Unfall steht er wieder auf den Beinen, geht ohne Hilfsmittel nach Hause. Schnell setzt er sich weitere Ziele, will wieder Autofahren, sich eine Wohnung suchen. Nach dem ersten Auf, folgt das nächste Ab: Seine Fußball-Leidenschaft muss er aufgeben: Seine linke Hand und sein linkes Bein bleiben gelähmt. Eltern geben ihm Kraft Dietz fehlt ein Ventil, ein Ausgleich, er ist unglücklich. Erneut sind es seine Eltern, die ihm Kraft geben. „Sie haben nie Druck aufgebaut, mich aber auch nicht zu lange in der Komfort-Zone gelassen." Kinder bräuchten Freiräume und zugleich eine Hand, die sie führt – auch noch mit 19 Jahren, weiß Dietz heute. Sie schlagen ihrem Sohn vor, eine neue Sportart zu testen. So kommt der heute 32-Jährige zur Leichtathletik. „Wenn ich das jetzt mache, dann aber richtig", sagt er seinen Eltern damals. Er behielt Recht. Höhepunkt Olympia Schnell geht es nach oben. Die Olympischen Sommerspiele in Peking verpasst er knapp, vier Jahre später tritt er für Deutschland bei den Spielen in London an. „Im Nationaltrikot ins Stadion einzulaufen, vor 80.000 Zuschauern: Das werde ich nie vergessen", sagt er. Seitdem folge „ein Höhepunkt auf den anderen": Gold in Diskus und Kugelstoßen, Weltrekord, Audienz beim Papst. Angespornt hätten ihn vor allem seine Kritiker. „Ich wollte ihnen zeigen, dass ich nicht bloß Glück hatte." Selbst-Reflexion und Kritik halte er für wichtig. Ebenso, sich immer wieder neue Ziele zu setzen. Darüber will Dietz künftig auch mit den Poco-Mitarbeitern in OWL sprechen – in Motivations-Vorträgen und Einzelgesprächen. Die hält er auch vor Azubis und Führungskräften. „Ich bin glücklich und dankbar. Und möchte anderen Menschen helfen."

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